Zeigen, was Kirche kann...

Zur Verabschiedung von Pfrn. Katharina Blätgen veröffentlicht die Wochenzeitung "Unsere Kirche" ein großes Interview.

Kommunikationswirtin und Öffentlichkeitsreferentin Pfrn. Katharina Blätgen

Viele Medien bieten viele Chancen, sagt Katharina Blätgen. Dafür aber bräuchte es mehr Fachleute

Sie ist eine der Pionierinnen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Evangelischen Kirche von Westfalen. Seit Oktober 1989 war die 1958 in Gelsenkirchen geborene Pfarrerin und Kommunikationswirtin als Öffentlichkeitsreferentin für den Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid zuständig. Am 31. Mai verabschiedet sie sich in den Ruhestand. Über die Herausforderungen ihrer Arbeit, über die Vielfalt der Medien und über ihre Erwartungen an die Zukunft sprach Katharina Blätgen mit Annemarie Heibrock.

 

Statt Kanzel und Seelsorge im Gemeindepfarramt haben Sie als Pfarrerin die kirchliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gewählt. Gab es in den gut 30 Jahren Ihrer Amtszeit ein herausragendes Erlebnis, eines, das Sie in Erinnerung behalten werden?

Es gab, wie in jedem Berufsleben, Höhen und Tiefen. Besonders in Erinnerung aber ist mir eine Ausstellung aus dem Jahr 2003, für die wir Menschen nach ihren Erlebnissen mit der Bibel befragt haben. Bewegt haben mich dabei nicht nur die Berichte der Frauen und Männer, sondern das Ergebnis der Ausstellung: dass es uns gelungen ist, das Thema Bibel in die Öffentlichkeit zu bringen.

Der Medienbereich hat in den vergangenen Jahrzehnten massive Umbrüche erlebt. Lokalradio, Internet, soziale Netzwerke. Sämtliche Arbeitsabläufe haben massiv an Geschwindigkeit zugelegt. Wie haben Sie, wie hat Ihr Kirchenkreis all das gemeistert?

Zum Glück kamen die Veränderungen ja nicht alle auf einmal, sondern sukzessive. Und es gab ja auch Erleichterungen: Plötzlich mussten wir Fotos nicht mehr im Labor entwickeln lassen und zusammen mit den Texten per Post versenden, sondern konnten sie in Sekundenschnelle per E-Mail an die Redaktionen schicken. Und mit dem Internet kamen ja auch tolle Chancen für Recherchen. Zugleich, und das gehört auch zur Wahrheit, mussten wir lernen, mit all dem umzugehen, zum Beispiel eine Homepage sinnvoll mit Inhalten zu füllen und zu gestalten. Mit den technischen Neuerungen und der zunehmenden Zahl der Medien wuchsen der Öffentlichkeitsarbeit immer mehr Aufgaben zu. Manchmal zu viele...

Lassen sich denn mit mehr Medien auch mehr Menschen erreichen?

Als ich die Ausbildung zur Kommunikationswirtin gemacht habe, habe ich das Sechs-Phasen-Modell der Kommunikation gelernt. Die sechste Phase heißt Evaluation, also Erhebung der Reichweiten. Die Realität aber sieht so aus, dass kirchliche Öffentlichkeitsreferentinnen und -referenten weder Zeit noch Kapazitäten haben, um die Wirkung ihrer Arbeit zu überprüfen. Von daher kann ich nur meine persönlichen Beobachtungen formulieren. Danach scheint es wohl leider nicht so zu sein, dass wir durch die gewachsene Zahl der Medien mehr Menschen in die Gottesdienste bekommen oder in die Gemeindearbeit integrieren können.

Wichtig ist aber der kirchliche Internetauftritt, um nur ein Beispiel zu nennen, trotzdem…

Sicher. Etwa für Zugezogene, die einfach eine erste Information suchen, zum Beispiel über die Möglichkeit einer ehrenamtlichen Beteiligung oder darüber, wie sie ihr Kind taufen lassen oder zum Konfirmandenunterricht anmelden können. Auch kirchliche Termine gehören da hinein. Ob es der Probentermin eines Chores ist, der sonntägliche Gottesdienst oder das Frauenhilfstreffen. Schließlich ist die Wahrnehmung heute: Was nicht im Internet steht, gibt es nicht.

Und die Lokalpresse? Da hat sich ja auch einiges geändert. Stichworte sind etwa Zusammenlegung von Redaktionen oder der gewachsene Arbeitsdruck. Hat sich das ausgewirkt auf die Wahrnehmung kirchlicher Themen?

Allerdings. In Gelsenkirchen und Wattenscheid gibt es ein Monopol der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, der WAZ, und die Redaktionen sind relativ dünn besetzt. Das heißt, ich muss heute, wenn ich einen Pressetermin festlegen will, zunächst nicht nur mit den beteiligten Personen der Kirche sprechen, sondern erst in den Redaktionen anrufen und fragen: Wann könnt ihr? Und habt ihr überhaupt an dem Thema Interesse? Außerdem müssen solche Termine inhaltlich bestens vorbereitet sein. Die Anzeigenblätter unserer Region, die ja von der Auflage her nicht unbedeutend sind, erwarten oft auch fertig formulierte Texte.

Ist denn damit auch das Interesse an Kirche in den Redaktionen generell gesunken?

Ja, das nehme ich so wahr. Es gibt einen Bedeutungsverlust der Kirchen in der Öffentlichkeit. Das hat bei uns in Gelsenkirchen und Wattenscheid auch damit zu tun, dass wir Evangelischen rein zahlenmäßig auf dem Weg in eine Minderheitenkirche sind. Auch mit den Katholiken zusammen werden wir auf absehbare Zeit nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung bilden. Das spiegelt sich auch in der Berichterstattung. Unser Kirchenkreis legt bis jetzt allerdings immer noch sehr viel Wert darauf, möglichst oft und möglichst umfänglich in der Tageszeitung präsent zu sein. Schließlich gehören die aktuell kirchlich Handelnden ja zu der bürgerlichen Schicht, für die ein Tageszeitungs-Abo noch selbstverständlich ist.

Weil die Kirche aber auch jüngere Menschen erreichen will – und um ihrer Zukunft willen wohl auch muss –, setzen viele Leute in der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit inzwischen sehr stark auf soziale Netzwerke...

Diese auf Dialog ausgerichteten Medien werden zweifelsohne an Bedeutung gewinnen. Aber als Ergänzung zu der Zusammenarbeit mit der Presse und den eher absenderorientierten Internet-Auftritten. Nicht als Ersatz.

Welche Perspektiven sehen Sie für die (kreis-)kirchliche Öffentlichkeitsarbeit denn insgesamt?

Die Chancen heute sind durch die Vielzahl der Medien auf jeden Fall riesig. Klar muss dabei aber sein, dass sie nicht alle von einer einzigen Person bespielt werden können, da jedes Medium seine ganz speziellen Anforderungen stellt. Da bräuchte es sicher eine bessere personelle Ausstattung. An Ideen mangelt es jedenfalls nicht. Bei allem sollte jedoch bedacht werden, dass auch die sozialen Medien einem schnellen Wandel unterworfen sind. Was heute unter jungen Leuten angesagt ist, interessiert vielleicht morgen schon niemanden mehr.

Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung im Hintergrund: Was würden Sie Ihrem Nachfolger beziehungsweise Ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg geben?

„Lass dich nicht für alles einspannen, sondern versuche, die Kernaufgaben zu identifizieren.“ Kernaufgaben – das heißt für mich, wieder bekannter zu machen, was in Vergessenheit zu geraten droht: nämlich was die evangelische Kirche ist und wofür sie steht. Dass es bei uns viele Kompetenzen gibt und wir Ansprechpartnerin sein wollen und können für jeden Menschen in jeder Lebenssituation.

Das Interview führte Annemarie Heibrock www.unserekirche.de

Fotos: Cornelia Fischer

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