Religiöse Identität als Voraussetzung für interreligiösen Dialog

Schulvertreter beschäftigten sich mit dem Thema „Islamunterricht in der Schule“

Jenifer Yerlikaya und Christian Meier (rechts) mit Teilnehmenden an der Informationsveranstaltung „Islamunterricht in der Schule“ im Gespräch. FOTO: CORNELIA FISCHER

 

GELSENKIRCHEN – „Religiöse Erziehung in der Schule ist für eine ganzheitliche Bildung unverzichtbar.“ Dieser Satz entspricht der Auffassung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Aus diesem Grund tritt sie – ebenso wie die römisch-katholische Kirche – dafür ein, dass überall in Deutschland für alle Religionsgemeinschaften Religionsunterricht erteilt wird. „Die EKD legt Wert darauf, dass ein solcher Unterricht der freiheitlich demokratischen Grundordnung verpflichtet ist und in deutscher Sprache abgehalten wird“, so heißt es in einer Handreichung des Rates der EKD, die im November 2006 unter dem Titel „Klarheit und gute Nachbarschaft – Christen und Muslime in Deutschland“ erschienen ist.

In diesem Sinne hat Pfarrer Christian Meier, Schulreferent des Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid, gemeinsam mit Jenifer Yerlikaya von der Arbeitsgruppe Migration von Bündnis 90/Die Grünen im Dezember eine Informationsveranstaltung „Islamunterricht in der Schule“ durchgeführt. Über 40 Personen aus dem Bereich Schule nahmen an der Veranstaltung teil. Dr. Bülent Ucar vom Landesinstitut für Schule in NRW hielt das Eingangsreferat, in dem er das Interesse der nordrhein-westfälischen Landesregierung an der Einführung eines ordentlichen Schulfachs „Islamische Religionslehre“ betonte. „Dafür werden allerdings über 1.200 Lehrkräfte benötigt“, benannte er ein Problem, das die flächendeckende Durchführung verhindere. Weiterhin fehle eine verfassungsrechtlich anerkannte Organisation, die die Muslime in Deutschland rechtlich und theologisch gegenüber dem Staat vertrete. Gleichwohl zeigte er sich optimistisch, dass diese Probleme in den nächsten Jahren gelöst werden könnten und an immer mehr Schulen islamischer Religionsunterricht eingeführt werden könne.

„Wir machen damit sehr gute Erfahrungen“, sagte Pfarrer Meier, der auch Schulseelsorger an der Evangelischen Gesamtschule in Gelsenkirchen-Bismarck ist. Hier sind die islamischen Schülerinnen und Schüler verpflichtet, am islamischen Religionsunterricht teilzunehmen. „Die Ausbildung einer religiösen Identität ist Voraussetzung für Verständigung und Dialog; darin liegt auch das kirchliche Interesse an einem ordentlichen Islamunterricht in der Schule“, sagte Meier. AR