GELSENKIRCHEN – „Heute feiern wir eine Premiere“, so begann Diakon Michael Scholz den Gottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche in Hüllen am Nachmittag des 28. Oktober. „Zum ersten Mal in Gelsenkirchen kommen wir in einem ökumenischen Gottesdienst zusammen, um ehrenamtlich Mitarbeitende in der Notfallseelsorge in ihren Dienst einzuführen und ihnen für ihre Aufgabe Gottes Segen zuzusprechen“.
Die 22 Männer und Frauen hatten zuvor eine gründliche Ausbildung durchlaufen und zum Teil erste Erfahrungen in Einsätzen gesammelt. Nun unterstützen sie das bereits bestehende Team um die drei hauptamtlich Beauftragten in der Notfallseelsorge, Scholz, Pfarrerin Elisabeth Biermann und Pfarrer Peter Rutz. Keine einfache Aufgabe, wie die drei in der gemeinsam gehaltenen Predigt zum Ausdruck brachten. „Wie komme ich dazu, mir ausgerechnet diese Arbeit zuzutrauen?“ sprach Biermann die Frage aus, die manche der Anwesenden bewegte. Konkret benannte Rutz in seinem Part die Unsicherheiten, denen sich jeder und jede aussetzen muss, wenn er oder sie Rufbereitschaft in der Notfallseelsorge übernimmt:“ Was sollen wir tun und sagen, wenn ein Kind oder ein Elternteil plötzlich verstirbt? Was sollen wir tun und sagen, wenn wir Angehörigen nach einem Verkehrsunfall eine Todesnachricht zu übermitteln haben?“ Um in solchen Situationen anderen Halt geben zu können, benötigen alle Aktiven selbst Rückhalt und Stärkung. Den brachten Stadtdechant Wilhelm Zimmermann und Superintendent Rüdiger Höcker in der gemeinsamen Segenshandlung zum Ausdruck. „Gott schenke Ihnen die Kraft für Ihren Dienst, offene Ohren und Herzen für die Not der Menschen, denen Sie begegnen, Einsicht in Ihre eigenen Grenzen und Freude an der Arbeit miteinander“, fasste Zimmermann den Segenszuspruch zusammen. „Es war ein sehr bewegender Moment, wie wir alle vorne im Altarraum im Halbkreis standen und einzeln gesegnet wurden“, gab später einer der Ehrenamtlichen seine Gefühle wieder.
Höcker äußerte sich nach dem Gottesdienst erfreut: „Ich bin beeindruckt, wie viele junge Menschen sich zu diesem Dienst in der Kirche bereit erklären.“
In ihren Grußworten im Anschluss an den Gottesdienst brachten Bürgermeisterin Gabriele Preuß, Polizeipräsident Rüdiger von Schoenfeldt und der Leiter des Kommissariats Vorbeugung und Opferschutz, Kriminalhauptkommissar Jürgen Fleischmann, ihre Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber dem Engagement der ehrenamtlichen Notfallseelsorger/innen zum Ausdruck. „Ich bin kein Pessimist, sondern ein Realist“, bemerkte der Leitende Branddirektor der Feuerwehr Gelsenkirchen, Ulrich Tittelbach, „daher weiß ich, dass ich Ihnen nicht wünschen kann, wenig zu Einsätzen gerufen zu werden. Wir sind froh, dass Sie kommen, wenn wir vor Ort Ihre Hilfe brauchen.“
Wer daran interessiert ist, sich in der Arbeit der Notfallseelsorge in Gelsenkirchen zu engagieren, kann Kontakt zu den Beauftragten aufnehmen über die Seite der Notfallseelsorge oder telefonisch: 0209/78 60 62.

