Zeichen für Vielfalt und Menschenwürde: Statement der EKvW zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit

Der 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT). Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) unterstreicht aus diesem Anlass ihre Haltung für eine offene Gesellschaft. Alle Menschen sollen gleichberechtigt und sichtbar leben können, unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität.

 

Aus diesem Grund ist an mehreren Orten in der westfälischen Landeskirche jetzt die Ausstellung „Feldwege zum Coming-out – Queere Lebensrealitäten im ländlichen Raum“ zu sehen. Ab dem 16. Mai wird sie in der Großen Kirche in Burgsteinfurt im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken gezeigt. Die Ausstellung der Landesfachstelle blick* macht persönliche Geschichten von queeren Menschen sichtbar und hörbar, die in dörflichen und kleinstädtischen Kontexten leben. Sie erzählt von Mut, Ausgrenzung, Hoffnung und dem Wunsch nach Zugehörigkeit – auch innerhalb kirchlicher Räume.

Pfarrerin Katrin Ring und Pfarrer Thomas Ring, Ansprechpersonen für queersensible Seelsorge im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken, betonen die gesellschaftliche und auch kirchliche Relevanz des IDAHOBIT. „Gerade im ländlichen Raum erleben viele queere Menschen noch immer Unsicherheit, Sprachlosigkeit oder Angst vor Ablehnung. Die Ausstellung zeigt eindrücklich: Hinter jedem Coming-out steht eine persönliche Geschichte, die Respekt und Aufmerksamkeit verdient. Kirche muss ein Ort sein, an dem Menschen ohne Angst sie selbst sein können. Der IDAHOBIT erinnert uns daran, dass Diskriminierung keine abstrakte Größe ist, sondern den Alltag vieler Menschen prägt – auch in unseren Gemeinden. Deshalb braucht es klare Haltung, sichtbare Solidarität und konkrete Unterstützung.“

Jana Hansjürgen, Leiterin der Landesfachstelle blick* und Initiatorin der Ausstellung, freut sich, dass die Ausstellung durch die Evangelische Kirche von Westfalen wandert. „Queere Menschen stehen häufig vor spezifischen Herausforderungen. Es fehlt an Identifikationsfiguren und Vorbildern, aus Angst vor sozialen Ausschlüssen wird die eigene Identität teils lange zurückgehalten und es gibt wenig Anlaufstellen für queere Personen auf dem Land. Da kann Kirche ein wichtiger Ort sein.“

Nicole Richter, Gleichstellungsbeauftragte der EKvW, sieht im Einsatz für queere Menschen einen Kernauftrag kirchlicher Verantwortung: „Wir arbeiten daran, dass Queerfreundlichkeit für die EKvW kein Randthema ist, sondern selbstverständlicher Ausdruck unseres kirchlichen Auftrags: Wir stehen für eine Kirche, in der Vielfalt gelebt wird und in der Menschen frei und sichtbar leben und glauben können.“

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, ordnet den IDAHOBIT in eine gesamtkirchliche Perspektive ein: „Die Evangelische Kirche von Westfalen nimmt nicht hin, wenn Menschen in ihrer Würde verletzt werden, wenn sie ausgegrenzt und gehasst werden, weil sie anders aussehen, anders leben, anders lieben.“ Leider seien gleiche Rechte, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe für queere Menschen noch immer keine Selbstverständlichkeit. „Aber Gottes Liebe gilt jedem Menschen. Daraus erwächst für uns als Kirche der Auftrag, Räume der Freiheit, des Respekts und der Zugehörigkeit zu schaffen. Die Ausstellung ‚Feldwege zum Coming-out‘ leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Sie holt lange übersehene oder versteckte Lebensgeschichten ans Licht und würdigt ihre Kraft und Einzigartigkeit.“

Die Ausstellung „Feldwege zum Coming-out“ ist seit Anfang Mai im Gemeindehaus der Christuskirche Dülmen im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken zu sehen. Vom 16. bis 31. Mai kann sie in der Großen Kirche Burgsteinfurt besucht werden (Öffnungszeiten: samstags und sonntags: 15-18 Uhr, Pfingstmontag: 15-18 Uhr, besondere Öffnungszeiten für Schulen). Begleitend sind Gespräche, Bildungsangebote und Begegnungsformate geplant.

Hintergrund:
Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) wird jährlich am 17. Mai begangen. Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten strich. Weltweit wird an diesem Tag auf Diskriminierung und Gewalt gegen queere Menschen aufmerksam gemacht.

Text: EKvW