Weihnachtsoratorium dreierlei

Für Neudenker, für Kinder, für Freunde des Klassischen: Bachs Weihnachtsoratorium gleich dreimal und jedes Mal anders

Beim „Weihnachtsoratorium für Kinder“

und beim Konzert „Neu gedacht“

aber auch beim klassischen Weihnachtsoratorium begeisterten die Musikerinnen und Musiker die Zuhörer und erlebten dabei selbst auch einen neuen Zugang zu dieser Musik von Johann Sebastian Bach.

Die Gelsenkirchener Kantorei, der Madrigalchor Buer und der Musikverein Gelsenkirchen haben sich als wahres Großprojekt in diesem Advent Bachs Weihnachtsoratorium vorgenommen. Die ersten drei Kantaten, zu drei verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Kirchen in drei ganz unterschiedlichen Versionen. Warum? Genügt es denn nicht, das berühmte Oratorium in gewohnter Form in der Adventszeit aufzuführen?

Mit diesen drei Varianten wollte man auch weniger kundige Zuhörer mitnehmen, auch junge Menschen an die ganz besondere Welt der Oratorien heranführen, sagt Kreiskantor Andreas Fröhling.

Am Anfang stand die Variante „Neu gedacht“. Mit dieser Version begeisterten die etwa 100 Akteure, Sänger:innen, Musiker:innen und ein Sprecher das Publikum für dieses besondere Genre und das Kulturgut Oratorium.

„Wir wollten so die Ohren der Zuhörer für die alte Musik öffnen. Es ist ja nicht mehr selbstverständlich, dass Menschen die Musik und den dazugehörenden Hintergrund kennen“, erläutert Fröhling den Ansatz, der dazu führte, dieses besondere Projekt zu konzipieren. Die drei Chöre, die Solist:innen und das Projektorchester Gelsenkirchen machten sich zusammen auf, diese wunderbare Musik neuen Gruppen nahe zu bringen.

Den Auftakt machte ein Konzert in der Altstadtkirche unter der Leitung von Kreiskantor Andreas Fröhling und Ingmar Morten Stiller.

Im Interview erläutert Andreas Fröhling, was da für wen angeboten wurde.

Fröhling: Bei der ersten Aufführung war mir wichtig, einen neuen Zugang zu dem Weihnachtsoratorium zu schaffen. Die gesungenen Partien des Evangelisten wurden quasi ersetzt durch kommentierende und ergänzende Texte, die von dem Sprecher Wolfram Boelzle vorgetragen wurden. Zudem öffneten ergänzende und kontrastierende neue Orgelwerke, die in das Werk eingestreut wurden, den Hörer:innen die Ohren und ließen die Musik von Bach dadurch in neuen Zusammenhängen hören und erfahren.

Zwei Wochen später, am 3. Advent, wurde eine Nachmittagsvorstellung „Weihnachtsoratorium für Kinder“ gegeben, speziell um jungen Menschen diese Musik näher zu bringen. Hierbei wurde das junge Publikum auch aktiv mit eingebunden.

Fröhling: Die Kinder lernten auf diese Weise die Instrumente eines Orchesters und die Geschichte von Bachs Weihnachtsoratorium kennen, indem sie von der Sprecherin Friederike Wilfert mit Fragen und Antworten durch das Stück geführt wurden und alle Musiker:innen Klangbeispiele dazu boten.

Und schließlich erlebten Freunde der klassischen Variante dann am 3. Adventssonntag in der Dreifaltigkeitskirche in Erle die Aufführung des Originals. Große Bühne mit Platz für die Chöre, Solist:innen und das Orchester unter der Leitung von Juliano Suzuki, an der Orgel Andreas Fröhling.

Und wie erlebte Fröhling dann nach den anderen beiden Varianten selbst die klassische Version des Weihnachtsoratoriums?

Fröhling: Ich selbst hörte beim Spielen die Musik mit anders geöffneten Ohren. Das Weihnachtsoratorium ist sehr vielschichtig und wird durch unterschiedliche Interpretationen immer wieder neu erlebbar, auch in der klassischen Version.

Manche Zuhörer kamen zu allen drei unterschiedlichen Konzerten. Auch der Kreiskantor erlebte, dass das Publikum begeistert war.

Fröhling: Das Gesamtprojekt kam sehr gut an, die Leistungen des Chöre, des Orchesters und der Solist:innen wurden in allen Aufführungen sehr gelobt. Ziel war ja auch, ins Nachdenken zu kommen, inwieweit das „Jauchzet, frohlocket!“ in der jetzigen Zeit überhaupt angebracht ist – und da gab es sowohl genug Stoff, um darüber nachzudenken als auch die Möglichkeit, sich von der Musik berühren zu lassen.

Nicht nur für das zuhörende Publikum, auch für die Musikerinnen und Musiker war dies ja eine neuartige Form der Darbietung. Und auch von dieser Seite erlebte Fröhling viel positive Resonanz.

Fröhling: Die Solist:innen und Mitglieder des Orchesters sowie die unglaublich engagierten Chorsänger:innen zeigten sich sehr beeindruckt von den Konzerten. Gerade das Werk „The unanswered question“ von Charles Ives, welches im ersten Konzert in einer Version für Streicher und Orgel eingebaut war nach dem Chor „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden…“ fand viel positive Resonanz. Und auch das Kinderkonzert hat allen Beteiligten einen Riesenspaß gemacht.

Ein voller Erfolg und eine Wiederholung ist angedacht? Könnte es etwas Ähnliches vielleicht schon in der kommenden Passions- oder Osterzeit geben?

Fröhling: Solch ein Projekt erfordert enorm viel Planungs- und Vorbereitungszeit. Ich wünsche mir sehr eine Fortsetzung, aber mit einer so großen Besetzung doch lieber etwas später als bereits im Frühjahr 2023. Aber ein Projekt mit den drei Chören und kleinerer Instrumentalbesetzung könnte und sollte schon im Herbst 2023 stattfinden – wir arbeiten gerade an einem Programm. Die Kooperation der Chöre ist für unseren Kirchenkreis und für unsere Stadt eine enorm wichtige Botschaft, nämlich die, dass die Chormusik in ihrer Vielfalt lebendig ist und bleibt, auch nach der Corona-Krise.

Altbekanntes neu zu erleben, es neuen Zuhörern nahe zu bringen und das Kulturgut Musik für alle Beteiligten noch einmal neu und vertieft wahrzunehmen, dieser Ansatz ist mit dem Projekt „dreimal Bachs Weihnachtsoratorium“ erfolgreich gelungen.   

 

 

Text: Frauke Haardt-Radzik

Fotos: privat

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