Warnstreik der Arbeitslosen

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe des Evangelischen Industrie- und Sozialpfarramtes packten hart an

Entsorgung der Luftschlösser: Pfarrer Dieter Heisig (links) trat mit Mitgliedern der Selbsthilfegruppe in den Streik. FOTO: CORNELIA FISCHER

Entsorgung der Luftschlösser: Mitten auf dem Neumarkt traten Pfarrer Dieter Heisig (links) und Mitglieder der Selbsthilfegruppe in den Streik. Mit Schaufeln machten sie sich an die harte Arbeit. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Täglich ist in der Presse zu verfolgen, dass Menschen für ihre Interessen ihre Arbeit niederlegen. Nun noch ein Streik: Nach Piloten, Mitarbeitenden der Deutschen Bahn, Beschäftigten der Post sowie Erzieherinnen und Erzieher haben am 21. Mai in Gelsenkirchen Arbeitslose ihre Tätigkeit niedergelegt.

Luftschlösser wegschauffeln

Aber wie können Erwerbslose streiken? Sie haben ja keine Arbeit, denn sie sind bekanntermaßen zum Nichtstun verdonnert. Um ihren Interessen Nachdruck zu verleihen traten sie in den Warnstreik und nahmen – zunächst befristet – Arbeit auf. In Begleitung von Industrie- und Sozialpfarrer Dieter Heisig rückten Mitglieder der Selbsthilfegruppe mit Schaufeln und in Warnwesten gekleidet auf dem Neumarkt an. Dort wurde hart angepackt: Die Luftschlösser, die den Erwerbslosen bisher angeboten wurden, und die heiße Luft, die ihnen seitens der Politik entgegenschlägt, mussten weggeschaufelt werden.

Keine langfristige Perspektive

„Die harte Realität ist, dass sich in den Jobbörsen zumeist nur noch private Arbeitsvermittler und Leiharbeitsfirmen finden lassen. Ehemalige Facharbeiter bekommen Vermittlungsvorschläge präsentiert, die sie nicht weiterbringen“, erklärte Heisig. Vorschläge für Tätigkeiten, zum Beispiel auf drei Wochen befristet als Einparkgehilfe beim Zoom Gelsenkirchen zu arbeiten oder eine Aushilfstätigkeit im Messebetrieb, befristet auf 30 Stunden, würden keine langfristige Perspektive bieten und können sich negativ auf die weitere Jobsuche auswirken. „Viele Erfahrungen werden oft nicht honoriert und machen zukünftige Arbeitgeber sogar stutzig. Dann heißt es: So viele Tätigkeiten und kein einziger Betrieb war bereit, diese Person einzustellen – da kann wohl etwas mit ihr nicht stimmen“, ergänzte Heisig.

Nichts ist umsonst

Atypische Beschäftigung wächst unaufhörlich. Die unbefristete Vollzeitarbeit stellt nicht mehr den Regelfall dar und Arbeitsverhältnisse in Teilzeitbeschäftigung, Mini- und Midi-Jobs sowie Leiharbeit nehmen zu. Mittlerweile arbeiten mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland ohne regulären Job. Das Bundesministerium bestätigte, dass 1993 noch 4,4 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer atypisch beschäftigt waren und diese Zahl bis zum Jahr 2013 auf 7,6 Millionen angestiegen ist. Dagegen setzten die Mitglieder der Selbsthilfegruppe mit ihrem Warnstreik ein Zeichen. Heisig kündigte nach der Aktion an: „Nichts ist umsonst! Wir werden die Unverfrorenheit besitzen und diese Dienstleistung in Rechnung stellen, den Mindestlohn abzüglich des schon geleisteten Hartz-IV-Tagessatzes einfordern und um Überweisung auf das Spendenkonto der Selbsthilfegruppe bitten!“

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