Warm, getragen, tröstlich: Fauré‘s Requiem als großes Chorprojekt an zwei Abenden

Gelsenkirchen – Erwartungsvolle, andächtige Stille macht sich an diesem Freitagabend in der Altstadtkirche breit. Als großes Chor-Kooperationskonzert mit besonderer Orchesterbesetzung ist diese Passionsmusik für Soli, Chor und Orchester angesetzt. „Vor allem die tiefen Streicherstimmen und zwei Hörner sorgen hier für einen sehr warmen Klang“ freut sich Andreas Fröhling über dieses besondere Arrangement.

Großes Chor-Kooperationskonzert mit besonderer Orchesterbesetzung und Chorgemeinschaft aus der Gelsenkirchener Kantorei, dem Madrigalchor Buer und dem Neuen Chor Wattenscheid.

Kirchenmusiker Ingmar Stiller (l.) und Kreiskantor Andreas Fröhling (r.).

Sina Jacka (Sopran) sang das Solo beim Pie Jesu.

Eine große Chorgemeinschaft aus der Gelsenkirchener Kantorei, dem Madrigalchor Buer und dem Neuen Chor Wattenscheid hat sich hierfür zusammengefunden. „Besonders in den zwei Wochen vor den Konzerten gab es einen großen Zusammenhalt der drei Chöre, die oft zusammen geprobt haben und ihre Probenzeiten den jeweiligen anderen Chören mit angeboten haben. Dazu kam noch ein gemeinsamer Probennachmittag“ so Fröhling. Und nun füllen diese Chöre mühelos den gesamten Altarraum der Altstadtkirche.  

Das erste der beiden Konzerte leitet Kirchenmusiker Ingmar Stiller, Kreiskantor Andreas Fröhling dann tags darauf das zweite Konzert in der Apostelkirche in Buer.

„Ich möchte dieses Konzert allen Menschen widmen, die Leid durch Krieg und Gewalt erfahren“, betonte Ingmar Stiller in seiner Begrüßung. Gefolgt von dem Wunsch, doch bitte erst ganz am Ende des Konzerts zu klatschen.

Sodann erklang César Franck’s Präludium, Choral und Fuge h-Moll für Klavier solo. Die Pianistin  und Professorin für Klavier, Anja David, brachte Franck’s Musik sehr warm, emotional, mal tragend, mal tanzend herüber. Eine wunderbar meditativ – heitere Stimmung machte sich so im Kirchenraum breit. Eine schöne Einstimmung in diesen Konzertabend!

Gefolgt von einem Violinsolo. Christian Styma, der einen Lehrauftrag für Violine an der Folkwang Universität der Künste in Essen innehat und dort eine Violinklasse leitet, ließ aus dem Eingangsbereich der Altstadtkirche Johann Sebastian Bachs Sarabande aus Partita Nr. 2 d-Moll erklingen. Feierlich, getragen-tanzend. Eine Überraschung für die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, die sich suchend nach der Quelle dieser bezaubernden Klänge umdrehten.

Und dann das Hauptwerk des Abends, Fauré’s Requiem opus 48. Ursprünglich für einen reinen Männerchor komponiert, wurde es im weiteren Verlauf auch für Sopran- und Baritonsolisten, Chöre und Orchester erweitert. Die Chorstimmen beginnen beim Kyrie ruhig, getragen, fast schwebend. Im folgenden Offertorium beeindruckt Simon Hassels warm umhüllender Bariton. Beim Pie Jesu, dem emotionalen Kern dieses Requiems, setzt sanft doch auch kraftvoll das Sopran-Solo von Sina Jacka ein. „Ins Paradies mögen die Engel dich geleiten“, mit dem himmlischen Schlusschor endet Fauré’s Requiem sanft, tröstlich, friedlich.

Die Schönheit dieser Musik beeindruckte das Publikum in der Altstadtkirche ganz offensichtlich. Nachdem die letzten Töne verklungen waren, blieb es erst einmal still in der Kirche. Doch dann gab es reichlich und lange kräftigen Applaus für die Sängerinnen und Sänger, das Orchester und den Leiter dieses Abends, Ingmar Stiller. Er bedankte sich und verwies mit einem Augenzwinkern: „Haben Sie Lust, diese wunderbare Musik noch einmal zu hören? Dann kommen Sie doch morgen Abend in die Apostelkirche.“ Diesen zweiten Konzertabend leitete dann Stadtkantor Andreas Fröhling. 

 

Text: Frauke Haardt-Radzik

Fotos: Cornelia Fischer