Von großen und kleinen Kanistern

Beim Besuch der Evangelischen Gesamtschule erzählte Aikande Barnabas vom Schulalltag in Tansania

Andreas Schmidt (Vorsitzender des Partnerschaftskreises, 2. von links) und Mirjam Domke (rechts) begleiteten Maimu Daffa (links), Aikande Barnabas und Pfarrerin Christina Killa bei ihrem Rundgang durch die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen.

Andreas Schmidt (Vorsitzender des Partnerschaftskreises, 2. von links) und Mirjam Domke (rechts) begleiteten Maimu Daffa (links), Aikande Barnabas und Pfarrerin Christina Killa bei ihrem Rundgang durch die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen.

Aikande Barnabas ist Kress-Stipendiatin und will nächstes Jahr Medizin studieren. FOTOS: KATHARINA BLÄTGEN

Aikande Barnabas ist Kress-Stipendiatin und will nächstes Jahr Medizin studieren. FOTOS: KATHARINA BLÄTGEN

GELSENKIRCHEN – Die Gesandten aus Morogoro waren am Dienstag, 18. Juni, in Gelsenkirchen-Bismarck unterwegs: im Theater und in der Apotheke, im Atrium und in der Arena, auf dem Forum und in der Werkstatt, in der Bibliothek und in der Kapelle. Alles war mit wenigen Schritten zu erreichen – denn sie besuchten die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen (EGG). Es ist eine ganz besondere Schule, sowohl in der Bauweise als auch in ihrem Konzept. Christina Killa, Maimu Daffa und Aikande Barnabas haben sich alles sehr aufmerksam angeschaut und zeigten sich tief beeindruckt. „Ich finde es großartig, dass hier auch praktische Fertigkeiten vermittelt werden“, sagte Christina Killa. Sie hatte mit Schülerinnen aus der Klasse 5 gesprochen, die gerade in der Werkstatt mit Sägen, Schrauben und Dübeln kleine Holzfahrzeuge herstellten. Maimu Daffa fand das ebenfalls ganz wichtig: „Damit können die Kinder nach der Schule etwas anfangen.“

Aikande Barnabas besuchte eine Unterrichtsstunde der Klasse 8c. Hier bereiteten die 13- bis 14 Jährigen gerade ihre Beiträge zum Sommer-Schulfest vor. Breitwillig erzählten ihr die Arbeitsgruppen von ihren Projekten. Da wurde die Herstellung von Elefantenzahnpasta vorbereitet, ein Schaubild zum Klimawandel erstellt oder die Leidenschaft für den Fußballclub Real Madrid in Worten und Bildern dokumentiert. „Die Schülerinnen und Schüler sind hier sehr aktiv und auch sehr kreativ“, gab sie ihren ersten Eindruck wieder.


Zum Warmduschen früh aufstehen

Aikande ist selbst noch Schülerin. Derzeit besucht sie eine katholische Highschool (vergleichbar mit der gymnasialen Oberstufe) in Moshi. Zuvor hat sie die Grund- und Sekundarschule in Morogoro absolviert. „In Morogoro gibt es zwar auch Highschools, doch die sind nicht so gut. Mit einem Abschluss von dort gibt es keine Chance auf einen Studienplatz“, berichtet Aikande.

Die 18-Jährige weiß gar nicht, wo sie anfangen soll, die Unterschiede zwischen dem, was sie in der EGG gesehen und erlebt hat, und ihrem Schulalltag in Tansania zu beschreiben. Sie war in Morogoro und ist auch in Moshi im Internat untergebracht. „In Morogoro waren wir jeweils 16 Mädchen in einem Zimmer mit Doppelstockbetten. Das war ziemlich eng, schon allein wegen der Kanister. Die müssen wir neben dem Koffer ja auch irgendwie am Bett unterbringen.“ Jede Schülerin bringt zum Schulbeginn einen großen und einen kleinen Kanister mit. Wenn die Wasserversorgung ausfällt, holt sie damit Wasser an der nächstgelegenen Quelle und trägt sie zurück in die Sanitäranlagen. Der Große ist zum Duschen und der Kleine für die Toilette.

In Moshi gilt diese Regelung ebenfalls. Hier wird in großen Hallen geschlafen. „Wie viele darin übernachten, kann Aikande auf Anhieb nicht genau sagen: „Ach“, sagt sie nach einigem Überlegen, wir sind so ungefähr hundert.“ Die Wasserversorgung ist auch hier ein Thema. Moshi liegt am Fuß des Kilimandscharo, da kann es schon mal richtig kalt werden. „Es gibt auch warmes Wasser, aber nur wenig. Wer warm duschen will, muss früh aufstehen.“ Was heißt früh, wenn die Schule um 8 Uhr beginnt? Etwa schon um fünf oder sechs Uhr? „Aber nein“, sagt Aikande ganz entspannt, „ da muss man schon um drei oder vier Uhr raus.“


Das Theater mit den Haaren

Dass die junge Frau ihre Haare militärisch kurz trägt, ist nicht ihre eigene Entscheidung. Es ist Schulvorschrift in ganz Tansania. Die offizielle Begründung lautet: Die Mädchen würden sonst zu viel Zeit mit der Haarpflege verbringen. “Da ist etwas dran“, gibt Aikande zu. „Wir machen wirklich viel Theater mit unseren Haaren.“ Aber soo kurz? Sie und die anderen Mädchen sind nicht gerade begeistert von der Vorschrift. „Wir versuchen immer mal, mit den Lehrern darüber zu reden, aber sie bleiben unerbittlich.“

In der EGG ist ihr aufgefallen, wie ruhig es in der Schule ist. „Sobald die Lehrer nicht da sind, quatschen wir wild durcheinander und es wird richtig laut.“ Andererseits kennen die Schulen in Tansania Unterrichtseinheiten wie das „Freie Lernen“, das sie in der 8c erlebt hat, gar nicht. „Gespräche im Unterricht gibt es nur, wenn es darum geht, etwas besser zu verstehen.“ Insgesamt findet sie, dass die EGG „eine sehr gute Lernumgebung für die Kinder bietet.“

Aikande hat in Moshi als Hauptfächer Biologie, Physik und Chemie, als Nebenfächer Mathematik und „General Studies“. Sie will Medizin studieren. Nächstes Jahr macht sie ihren Abschluss. Was wäre aus dieser hochintelligenten jungen Frau ohne die Kress-Stiftung und die Kirchenkreispartnerschaft geworden?

 

Vollstipendien und Ausbildungsbeihilfen

„Bildung ist der Lebensschlüssel“ lautet das Motto der René und Rudi Kress-Stiftung (Gelsenkirchen-Buer). Sie vergibt seit 11 Jahren Stipendien an zurzeit 18 Waisenkinder/Jahr in Morogoro. Dort kostet der Besuch einer weiterführenden Schule als Internat (ab dem 8. Schuljahr) rund 1.250 Euro/Jahr. Die Partnerkirchenkreise Morogoro/Gelsenkirchen und Wattenscheid helfen bei der Auswahl geeigneter Kinder. Zusätzlich unterstützt der Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid die Mitarbeitenden (Pfarrer*innen, Diakone etc.) des Kirchenkreises Morogoro bei der Ausbildung ihrer Kinder. Ein Pfarrer verdient in Tansania umgerechnet etwas mehr als 100 Euro/Monat. Pro Kind bekommen die Mitarbeitenden 250 Euro/Jahr. Manche Kinder können die Schule von Zuhause aus besuchen, für die meisten sind die Wege zu weit, so dass sie ebenfalls im Internat untergebracht werden müssen.

Spendenkonto: DE82 4205 0001 0101 0772 38 (Sparkasse Gelsenkirchen), Stichwort: Morogoro Bildung

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