„Unsere Stadt ist demokratisch-bunt“

In Gelsenkirchen-Rotthausen haben engagierte Bürgerinnen und Bürger den Rechtsextremisten die rote Karte gezeigt

In ihren Ansprachen forderten Superintendent Rüdiger Höcker (links) und Oberbürgermeister Frank Baranowski (rechts) die Anwesenden dazu auf, Widerstand gegen Rechtsextremismus zu leisten. FOTOS: CORNELIA FISCHER

Rund 1000 Bürgerinnen und Bürger beteiligten am Protest. Auf Trinkbechern stand der Slogan: "Laut gegen Rechts - Bunt sind wir sowieso"

GELSENKIRCHEN – Rund 1000 Bürgerinnen und Bürger sind am Abend des ersten Mai nach Gelsenkirchen-Rotthausen gekommen. Zusammen protestierten sie gegen den angekündigten Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ und ihre Anhänger. Um ein Zeichen gegen Intoleranz, Diskriminierung und Gewalt zusetzen, rief die Evangelische Emmaus-Kirchengemeinde unterstützt von der Demokratischen Initiative zu der Teilnahme an einem Fest gegen Rechts auf. Die Bündnisse „Essen stellt sich quer“ und „Kray ist bunt“ sowie zahlreiche Gruppen, zivilgesellschaftliche Initiativen, Jugendverbände und Parteien engagierten sich mit Gegenaktionen auf Essener und Gelsenkirchener Stadtgebiet, um dem Aufmarsch entgegenzutreten.

In einer bunten Stadtgesellschaft leben

„Wir in Gelsenkirchen haben in der Vergangenheit bei mehreren Aufmärschen rechtsextremer Organisationen in einem breiten Schulterschluss bewiesen, dass unsere Stadt demokratisch-bunt ist“, sagte Pfarrer Andreas Chaikowski zum Auftakt der Veranstaltung auf dem Ernst-Käsemann-Platz. „Der Abend hier soll zeigen, wie freundlich und fröhlich diese Stadt ist und wieviel verschiedenes Leben hier ein Zuhause hat“, erklärte er. Den Rechten wolle man damit deutlich zeigen: Das soll auch so bleiben, die menschenverachtenden Ideologien haben hier keinen Platz!
„Es gäbe schönere Anlässe, um am 1. Mai zusammenzukommen als zu diesem“, teilte Oberbürgermeister Frank Baranowski den Anwesenden mit. Er kritisierte die Entscheidung der Polizei, den Aufmarsch zu genehmigen, die bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auf Unverständnis stieß. Er hätte sich ebenfalls ausdrücklich gewünscht, dass der Aufmarsch verboten worden wäre – auch die Polizei müsse manchmal Signale setzen. „Es dürfe keine Toleranz geben für Leute, die nicht tolerant sind. Wir in Gelsenkirchen werden und wollen in einer bunten Stadtgesellschaft leben“, so Baranowski.

Hetze nicht zulassen

Die Protestveranstaltung wurde als friedliches Volksfest durchgeführt. Das Programm bestand aus Wortbeiträge von Gastrednern und Live-Musik verschiedener Künstlergruppen. Zwischendurch gab es aktuelle Informationen über den Stand des Aufmarschs sowie der Blockaden junger Menschen an der Stadtgrenze, die versuchten, damit die Rechtsextremen an ihrem Weg zu hindern. Von dem erheblichen Polizeiaufgebot im Ort und auf der Wegstrecke ließen sich viele Gelsenkirchener nicht abschrecken. „Wir sind extra aus Buer und Hassel hierhin gekommen“, sagten zwei Frauen, die neben einer der Absperrungen an der Steeler Straße besorgt Richtung Essen blickten: „Wir wollen nicht zulassen, dass hier in Gelsenkirchen gegen Menschen gehetzt wird.“

Das Recht auf Leben in Würde und Freiheit

An die Unantastbarkeit der Würde des Menschen, wie es der erste Artikel des Grundgesetzes klar und unmissverständlich formuliert, erinnerte Superintendent Rüdiger Höcker. Er habe sich auf der Internetpräsenz der Rechten umgesehen – was er dort gelesen habe, sei mit dem Grundgesetz unvereinbar. „Nie wieder Verletzung der Würde des Menschen, egal welche Kultur er liebt und lebt oder wie er betet und in welchem heiligen Buch er liest“, forderte Höcker. „Unsere muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sind ein Teil unserer Gesellschaft geworden – gemeinsam gilt es, Widerstand zu leisten gegen alle Versuche, einen Keil gegenseitiger Ablehnung und Ausgrenzung in unsere Gesellschaft zu treiben.“ Es sei eine gemeinsame Aufgabe, eine gemeinsame Grundhaltung zu stärken: Für das Recht auf ein Leben in Würde und Freiheit. An die Anwesenden appellierte Höcker: „Sagen wir NEIN zu allen versuchen, auch nur einen Zipfel dieser Ideologie wieder Raum zu geben!“

Rechtsextreme erfolgreich aufgehalten

Im Namen der Islamischen Religionsgemeinschaft DITIB äußerte sich ihr Reginiolbeauftragter Necati Bilgin: „Es ist gut zu sehen, dass so viele Bürgerinnen und Bürger den Protest gegen die Rechtsextremisten unterstützen.“ Er begrüßte es, dass sich so viele Menschen vor Ort für das Zusammenleben engagieren und in guter Nachbarschaft und Freundschaft. Hinsichtlich der vielen Kriegsflüchtlinge, die auf Hilfe angewiesen sind, sagte Bilgin: „Die Welt, in der wir leben, reicht für jeden, um trotz aller Unterschiede in Frieden leben zu können.“ Die Demonstranten der Rechten konnten ihre geplante Abschlusskundgebung in Rotthausen gar nicht erst durchführen. Bereits ihr Start in Essen-Kray verzögerte sich um eine Stunde und Sitzblockaden von Gegendemonstranten hinderten sie am Weiterkommen. Noch auf Essener Stadtgebiet kehrten die Rechtsextremisten auf Weisung der Polizei gegen 21.30 Uhr um – schließlich galt die Genehmigung für ihre Kundgebung nur bis 22 Uhr.

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