„Und wenn man nicht ständig gegen hält …“

Industrie- und Sozialpfarramt veröffentlicht Studie zum Leben mit Hartz IV

Eine Andacht im Schwimmbecken haben die Gäste der ISPA-Adventfeier wohl auch noch nicht erlebt. FOTO: DIRK BÜLTMANN

GELSENKIRCHEN – Was haben Hanteln, Kraftbrühe und eine biblische Andacht in einem Schwimmbecken mit der Situation von Hartz IV-Empfängern zu tun? Das Industrie- und Sozialpfarramt (ISPA) des Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid erteilte die Antwort während seiner Adventfeier am 29. November im Oberstufencafé der Evangelischen Gesamtschule Bismarck (ehemaliges Schwimmbad der Hauptschule an der Laarstraße).

In erlebnispädagogischer Manier konnten die Gäste Aspekte eines Lebens unter den Bedingungen von Hartz IV nachempfinden. So warteten am Eingang Hanteln, die den erhöhten Kraftaufwand von Erwerbslosen verdeutlichten. Pfarrerin Andrea Neß versammelte die Gäste zur Andacht in dem einstigen Schwimmbecken. Natürlich befand sich darin kein einziger Tropfen Wasser, wie in einer Wüste. In ihrer Ansprache entwarf sie eine Vision der Hoffnung: „Die Wüste wird blühen. Gott braucht unsere Hilfe, damit wir an dieser Vision mitwirken.“ Symbolisch wurden Behälter mit Wasser gefüllt und zusammengefaltete Papierblüten hineingegeben, die sich darauf hin entfalteten. Gegen Abschluss der Adventfeier stand Kraftbrühe als Stärkung für den (Hartz IV-)Weg bereit.

Zentraler Punkt der Veranstaltung war die Präsentation der Studie „‚Und wenn man nicht ständig gegen hält…‘ Die Erfahrungen von Frauen und Männern mit der Umsetzung des SGB II in Nordrhein-Westfalen“. Die Historikerin Marlies Mrotzek hatte 411 arbeitslose Frauen und Männer aus Nordrhein-Westfalen anonym befragt, die Ergebnisse ausgewertet und als Buch veröffentlicht. Die Studie verdeutlicht, wie Betroffene die Arbeitslosigkeit erleben, welche Einschränkungen für sie am schlimmsten sind, welche Erfahrungen sie in den Arbeitsagenturen sammeln und wie sich ihre sozialen Beziehungen verändert haben. Eine Frau aus Münster schildert exemplarisch: „Ich könnte inzwischen ein dickes Buch darüber schreiben, über Alltagserfahrungen, über die Veränderungen in Kontakten und Freundschaften, über Wert und Wertschätzung, wenn diese ausschließlich an Erwerbsarbeit gekoppelt ist. Über den Verlust der Würde, wenn man nicht ständig gegen hält und stark in Kopf und Herz ist. Das kostet manchmal sehr viel Kraft.“

Die Präsentation der Studie bedeutet gleichzeitig den Auftakt zu Gesprächen mit Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung. DB

 

Die Studie kostet 9,90 Euro und ist beim ISPA, Pastoratstraße 10, 45879 Gelsenkirchen, erhältlich. Sie kann auch telefonisch unter 0209/1798-210 bestellt werden. Für Erwerbslose ist sie kostenlos.

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