TresenThesen für die Kirche 2040: Junge Stimmen entwickeln Zukunftsvisionen für den Kirchenkreis

Gelsenkirchen. Wie wird Kirche im Jahr 2040 aussehen? Mit dieser Frage beschäftigten sich junge Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Mitarbeitende aus der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit im Rahmen der Weiterarbeit an der Kirchenkreiskonzeption. Zu der Veranstaltung in der Kellerbar des Consol Theaters waren haupt- und ehrenamtlich Engagierte aus dem gesamten Kirchenkreis eingeladen.

„Die jungen Wilden“ bei ihrer Performance auf der Bühne

Die Kellerbar schaffte eine kreative Arbeitsatmosphäre

Das Consol Theater war der perfekte Veranstaltungsort für die Arbeit am Wandel der Kirche

Superintendent Heiner Montanus im Interview

In lockerer und entspannter Atmosphäre stand dabei die Zukunft der Evangelischen Kirche in Gelsenkirchen und Wattenscheid im Mittelpunkt. Bereits der Auftakt machte deutlich, dass die Teilnehmenden nicht nur über Veränderungen nachdenken, sondern auch konkrete Ideen für die Kirche von morgen entwickeln.

Zukunftsvisionen auf der Bühne
Den Einstieg bildete eine kreative Bühnenshow, in der junge Mitarbeitende verschiedene Perspektiven auf ihren möglichen Arbeitsalltag im Jahr 2040 präsentierten. Die Szenen zeichneten das Bild einer Kirche, die stärker auf Gemeinschaft, Beteiligung und gemeinsame Verantwortung setzt.

Ein junger Student und Ehrenamtlicher aus der Offenen Tür (OT) beschrieb die Jugendarbeit der Zukunft als lebendigen Begegnungsort. Gemeinsames Kochen und Essen, Freizeitangebote sowie gegenseitige Unterstützung zwischen älteren und jüngeren Jugendlichen prägen diese Vision. Jugendliche übernehmen dabei selbst Verantwortung und gestalten Angebote eigenständig.

Pfarrerin Malina stellte eine vielfältige Gottesdienstlandschaft vor. An die Stelle des einen Gottesdienstes für alle treten unterschiedliche Formate für verschiedene Zielgruppen. Kirche wird dabei nicht nur in Gebäuden stattfinden, sondern auch auf Marktplätzen und an anderen öffentlichen Orten präsent sein. Im Vordergrund stehen Begegnung und Gemeinschaft.

Gemeindepädagogin Angelina warb für eine Kirche, die in multiprofessionellen Teams arbeitet. Pfarrerinnen und Pfarrer, Kirchenmusiker:innen, Gemeindepädagog:innen und Gemeindemanager:innen bringen ihre jeweiligen Kompetenzen ein und entwickeln gemeinsam Projekte, die sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientieren.

Pfarrerin Theresa zeichnete das Bild einer Kirche, in der Ehrenamtliche stärker befähigt werden, Verantwortung zu übernehmen. Segenshandlungen und Andachten werden von geschulten Ehrenamtlichen gestaltet, während Hauptamtliche als Begleiterinnen und Begleiter ihr Wissen weitergeben.

Auch die Konfirmandenarbeit wurde neu gedacht. Eine ehemalige Ehrenamtliche stellte ganztägige Formate vor, die mehr Raum für Gemeinschaft, Kreativität und intensive Auseinandersetzung schaffen. Dabei arbeiten Jugendliche aus verschiedenen Gemeinden zusammen und gestalten Programmteile eigenverantwortlich.

Pfarrer Johannes beschrieb schließlich eine Advents- und Weihnachtszeit, in der ausgebildete Ehrenamtliche eigenständig Gottesdienste gestalten. Hauptamtliche übernehmen dabei zunehmend die Rolle von Coaches und Begleitenden.

Mut zu Veränderungen
Die verschiedenen Zukunftsbilder wurden durch Superintendent Heiner Montanus eingeordnet. In einem Interview auf der Bühne machte er deutlich, dass viele der vorgestellten Ideen bereits heute denkbar seien. Die Rolle Ehrenamtlicher werde in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, während sich traditionelle Aufgabenteilungen verändern müssten.Montanus betonte außerdem, dass Gemeinden künftig selbst entscheiden sollten, in welcher Form sie kooperieren oder sich zusammenschließen. Gleichzeitig werde die Zahl kirchlicher Gebäude deutlich zurückgehen. Die dadurch freiwerdenden Ressourcen könnten stärker in Menschen, Projekte und Begegnungsräume investiert werden.

„Gemeinschaft entsteht durch Beziehungen, nicht durch Gebäude“, fasste der Superintendent einen zentralen Gedanken zusammen. Kirche müsse den Mut haben, Vertrautes loszulassen, Neues auszuprobieren und aktiv auf die Menschen zuzugehen.

Gemeinsam Zukunft gestalten
Im Anschluss an die Bühnenshow arbeiteten die Teilnehmenden in kleinen Tischgruppen weiter. Drei Leitfragen standen dabei im Mittelpunkt:
Wie sollte Kirche im Jahr 2040 aussehen?
Welche konkreten Ideen und Schritte sind dafür notwendig?
Wo sieht jede und jeder den eigenen Beitrag zu dieser Entwicklung?

Die Gespräche zeigten eine große Bereitschaft, Verantwortung für die Zukunft der Kirche zu übernehmen und neue Wege zu denken.

Zum Abschluss hielt jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer die persönliche Kernaussage des Abends auf einem Bierdeckel fest. Die gesammelten Gedanken werden nun in den weiteren Prozess zur Erarbeitung der Kirchenkreiskonzeption einfließen.

Eine gemeinsame Vision
Trotz unterschiedlicher Perspektiven zeichnete sich im Laufe des Abends ein gemeinsames Bild ab: Die Kirche der Zukunft wird stärker von Ehrenamtlichen getragen, Hauptamtliche verstehen sich als Begleitende und Ermöglichende. Vielfältige Gottesdienstformen, multiprofessionelle Zusammenarbeit sowie eine enge Orientierung an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort prägen das Zukunftsbild. Statt Ressourcen vor allem in Gebäude zu investieren, sollen Begegnung, Gemeinschaft und Teilhabe im Mittelpunkt stehen.

Die Veranstaltung machte deutlich: Die Kirche von 2040 beginnt nicht erst in der Zukunft. Viele der vorgestellten Ideen werden bereits heute entwickelt – von den Menschen, die Kirche aktiv gestalten.

Text: Jutta Pfeiffer