Zentraler Diskussionspunkt war die künftige Zusammenarbeit kirchlicher Akteure. Zahlreiche Aufgaben, so die Einschätzung, lassen sich künftig nicht mehr allein auf Ebene einzelner Kirchengemeinden bewältigen. Stattdessen müsse stärker in größeren Zusammenhängen gedacht werden – auf Kirchenkreisebene oder sogar darüber hinaus. Als Beispiel wurde die Kirchenmusik genannt, die künftig koordinierter, mit weniger Doppelstrukturen und stärkerer fachlicher Bündelung organisiert werden soll.
Ein Schwerpunkt der Synode lag auf der geplanten Einrichtung eines gemeinsamen Schulreferats für mehrere Kirchenkreise im Ruhrgebiet. Ziel ist es, den evangelischen Religionsunterricht langfristig zu sichern und Fachberatung für Schulen und Lehrkräfte zu gewährleisten. Vorgesehen ist, bestehende Stellen zusammenzuführen und perspektivisch mit etwa 1,5 Stellen für das gesamte Ruhrgebiet auszukommen. Die Umsetzung soll sozialverträglich erfolgen, vor allem durch natürliche Fluktuation. In der Diskussion wurden zugleich Bedenken hinsichtlich einer möglichen Überzentralisierung geäußert.
Grundsätzlich wurde die Rolle des Kirchenkreises neu diskutiert. Er soll künftig stärker als funktionale Einheit verstanden werden, die Gemeinden entlastet und Aufgaben übernimmt, die vor Ort nicht mehr leistbar sind. Dabei wurde betont, dass lokale kirchliche Präsenz weiterhin unverzichtbar bleibt, insbesondere für Ehrenamtliche, deren Engagement stark von Nähe und Identifikation lebt.
Ein Gedankenspiel mit weiterem zeitlichem Horizont ist die Vision eines oder weniger großer Kirchenkreise für das Ruhrgebiet ab etwa 2035. Konkrete Beschlüsse dazu gibt es nicht. Vielmehr soll durch verstärkte Zusammenarbeit, gemeinsame Referate und Erprobungsräume zunächst Erfahrung gesammelt werden. „Erst Zusammenarbeit, dann eventuell strukturelle Konsequenzen“, lautete die Leitlinie.
Neben den Strukturdebatten fasste die Synode auch konkrete Beschlüsse. Einstimmig wurde entschieden, die Freizeitstätte Galen dauerhaft weiterzuführen. Nach einer mehrjährigen Prüfphase überzeugte die Einrichtung durch wirtschaftliche Stabilität ohne Einsatz von Kirchensteuermitteln. Mehr als 13.000 Übernachtungen pro Jahr, ein Jahresüberschuss sowie umfangreiche Eigeninvestitionen sprachen für den Fortbestand. In den kommenden Jahren sind eine weitere Professionalisierung sowie eine schrittweise bauliche Sanierung geplant.
Zudem gab es einen Sachstandsbericht zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Die Umsetzung des entsprechenden Kirchengesetzes zeigt nach drei Jahren deutliche Wirkung: durch Schulungen, eine zentrale Meldestelle und verbesserte Vernetzung. Schutzkonzepte müssen bis zum 30. Juni 2026 vorliegen, wobei Beratung und Unterstützung angeboten werden. Deutlich wurde: Prävention wird als dauerhafter Prozess verstanden.
Auch organisatorische Entscheidungen traf die Synode. Separate Referate für Kinderschutz und Kindergartenfachberatung werden aufgelöst und in bestehende Strukturen integriert, um Doppelarbeit zu vermeiden und Prozesse zu vereinheitlichen. Die Haushalte für 2026/27 wurden einstimmig beschlossen und gelten trotz leicht sinkender Überschüsse als stabil.
Der Konsens der Synode: Die vor der Kirche liegenden Herausforderungen sind groß – ebenso groß ist aber die Bereitschaft, sie gemeinsam anzupacken.
JP



