Suchen, was verbindet

Drei Religionen, eine Wurzel und viele Sprossen

(v.l.) Moderator Prof. Dr. Karl-Martin Obermeier, Pfarrerin Antje Röckemann, Muhannad Yusuf und Judith Neuwald-Tasbach

Raum für einen Dialog zwischen Vertreter*innen der großen Religionen zu bieten, das war die Motivation der SPD für die Podiumsdiskussion am 12. Dezember im Gelsenkirchener Wissenschaftspark.

Pfarrerin Antje Röckemann, Leiterin des Referats für gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Gelsenkirchen und Wattenscheid, Muhannad Yusuf, Sheikh der Nour Islam Akademie und Vorsitzender des IKS (Interkultureller sozialer Verein e.V.) und Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen waren dazu eingeladen – ebenso wie interessierte Bürger*innen. In Gelsenkirchen leben Menschen verschiedenster Religionen Tür an Tür. Oft genug bestimmen das Trennende und die Suche nach Unterschieden den Dialog zwischen den Religionen. Hier wollte die SPD wissen, was verbindet die drei Glaubensrichtungen? Gibt es da vielleicht mehr, als wir denken?

Nacheinander berichteten die Teilnehmenden auf dem Podium mit unterschiedlichem Fokus von ihrer eigenen und den anderen Religionen. Beleuchtet wurden dabei auch gesellschaftliche Probleme. Judith Neuwald-Tasbach las aus einer Hassmail, die kürzlich an eine jüdische Gemeinde ging und berichtete von offenen Anfeindungen gegenüber Synagogen und jüdischen Mitbürger*innen. Auch Muhannad Yusuf berichtet von den Problemen vor denen Moscheegemeinden und Muslime stehen. Da wo eine Abwehrhaltung aufgebaut wird, um zu verdeutlichen, dass man nicht radikal ist, bleibt wenig Zeit, essenzielles Wissen an junge Leute zu vermitteln. Diese holen sich ihre Informationen dann von zum Teil unseriösen Quellen aus den sozialen Medien. Wissen, wie z.B., dass der Islam sowohl die Bibel als auch die Thora als heilige Bücher anerkennt, geht so verloren.

Für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist ein Zugehen auf die unterschiedlichen Religionen und eine Auseinandersetzung mit deren Lebensalltag unabdingbar. Wenn wir ein Miteinander auf Augenhöhe wollen, bedarf es auf der Seite der unterschiedlichen Religionen einer vorurteils-bewussten Haltung und der Bereitschaft zum Perspektivwechsel. Die Ängste vor dem Islam beispielsweise werden durch die polemische und einseitige Verknüpfung des Islam mit Gewaltbereitschaft befördert. Die Muslime sind längst Teil unserer Gesellschaft. Deshalb gehört auch ihre Religion zu Deutschland. Auch die Jüdinnen und Juden unserer Stadt werden bedroht und können selten offen ihre Religionszugehörigkeit zeigen. Für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind das Wissen über Religionen und der interreligiöse Dialog unverzichtbar.

„Voneinander und miteinander zu lernen, aufeinander zu hören, bereit zu sein, Vorurteile auch abzulegen – so wünsche ich mir unseren interreligiösen Dialog“, so beendete Pfarrerin Antje Röckemann ihren Beitrag in dem sie sich auf die Gemeinsamkeiten der Religionen konzentrierte. Das Lernen ist eine davon. Weiter haben alle drei Religionen eine Zuwanderungsgeschichte, einen ethischen Anspruch, glauben an einen barmherzigen Gott und in allen spielen Frauen eine wichtige Rolle.

Nach den Gesprächen auf dem Podium gab es für die etwa 50 Besucher*innen die Möglichkeit Fragen zu stellen und zu diskutieren und miteinander in den Dialog zu gehen. Genau dafür, so Antje Röckemann „müssen wir Räume schaffen, Möglichkeiten, wo Menschen sich begegnen können. Das ist eine Aufgabe für uns in Kirche, Moschee, Synagoge – und eben auch eine Aufgabe der Politik – und damit machen Sie heute ja einen guten Aufschlag.“

Auch Initiator Ezzedine Zerria, Stadtverordneter der SPD Gelsenkirchen und Geschäftsführer des Deutsch-Tunesischen Gesellschaft e.V., resümierte zufrieden: „Wir sind begeistert, von so viel Interesse an unserer Veranstaltung. Es ist wichtig, dass wir alle miteinander im Dialog stehen. Dass wir mit unserer Veranstaltung einen Rahmen für diese Art des Zusammenkommens schaffen konnten, freut uns sehr!“

Die Veranstaltung soll ein Auftakt sein - in Zukunft sollen weitere Veranstaltungen folgen.

Text und Fotos: Jutta Pfeiffer, Katrin Oelbracht
 

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