Als Referent war Pfarrer Dr. Frank Hiddemann gekommen, er ist Mitgründer und Leiter der Ökumenischen Akademie Gera-Altenburg. Hiddemann ist bundesweit für Formate bekannt, die auf offene, argumentativ geführte Auseinandersetzungen setzen. Sein Grundgedanke: Rechtspopulistische Aussagen verlieren an Wirkung, sobald sie sachlich hinterfragt und in konkrete Zusammenhänge gestellt werden. Auf langjährige Erfahrungen aus Dialogveranstaltungen und öffentlichen Streitgesprächen konnte Hiddemann dabei zurückgreifen. Kirchliche Räume, so betonte er, böten oft ein Umfeld, das ein ruhiges und strukturiertes Gespräch erleichtere.
Erfahrungsaustausch: Vom offenen Podium bis zum Gartentor
In der großen Austauschrunde zu Beginn zeigte sich schnell: Die Erfahrungen der Teilnehmenden sind vielfältig – und oft alltäglicher als erwartet. Offen politische Diskussionen im Gemeindesaal gebe es zwar, jedoch selten. Die meisten berichteten von kleinen, spontanen Situationen: ein Satz nach dem Gottesdienst, ein Kommentar in der Gemeindeversammlung oder eine Bemerkung am Gartenzaun. Gerade diese beiläufigen Begegnungen seien herausfordernd, so mehrere Teilnehmende, weil sie unvermittelt auftreten und kaum Zeit für Vorbereitung bieten. Genau hier knüpfte Hiddemanns Impuls an: Rechtspopulistische Botschaften wirkten oft nur, weil sie unwidersprochen bleiben, und nicht weil sie argumentativ überzeugen.
Arbeitsgruppen entwickeln erste Ideen
Am Nachmittag entwickelten die Arbeitsgruppen erste praktische Ansätze für den Umgang mit rechtspopulistischen Aussagen. Diskutiert wurden niedrigschwellige Kampagnen, mit denen man einfachen Parolen klare, gut merkbare Gegenargumente entgegensetzen kann. Ebenso standen neue öffentliche Formate im Raum – etwa moderierte Streitgespräche oder kleine Dialogangebote, wie sie bereits in Ostdeutschland erfolgreich erprobt wurden. Die Gruppen wollen ihre Arbeit in den kommenden Wochen fortsetzen und konkrete Maßnahmen oder Aktionen entwickeln.
Positive Bilanz
Am Ende des Tages zeigten sich die Teilnehmenden durchweg zufrieden. Der gemeinsame Workshoptag habe Mut gemacht, nicht zu schweigen, sondern in den Dialog zu gehen und dabei bewusst die eigene Haltung zu verdeutlichen. Mit Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen betonte ein Teilnehmer: „Wir können uns nicht leisten, solchen Parolen auszuweichen. Aber wir können lernen, ihnen gelassen und gut vorbereitet entgegenzutreten.“ Der Workshop war dafür ein gelungener Auftakt. KO


