Statement von Pfarrer Jan Mark Budde zum Terroranschlag auf den Berliner CSD am Abend des 25. Juli 2026

Gelsenkirchen, den 27. Juli 2026

Mit großer Bestürzung und Anteilnahme habe ich am Samstagabend in den Nachrichten vom islamistisch motivierten Terroranschlag auf den Christopher Street Day in Berlin erfahren.

Eine Frau wurde getötet, zahlreiche weitere Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Glücklicherweise schwebt niemand mehr in Lebensgefahr. Meine Gedanken und Gebete sind bei allen Betroffenen, bei den Verletzten, ihren Angehörigen sowie den Hinterbliebenen des Todesopfers.

Der Christopher Street Day ist ein Ort der Sichtbarkeit, der Freiheit und der Menschenwürde. Er erinnert daran, dass die Rechte queerer Menschen niemals selbstverständlich waren und bis heute vielerorts bedroht sind. Wer Menschen angreift, weil sie offen zu ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität stehen oder weil sie sich für eine vielfältige und demokratische Gesellschaft einsetzen, greift nicht nur einzelne Personen an. Ein solcher Terror richtet sich gegen die Freiheit aller Menschen, gegen die Grundwerte unseres Zusammenlebens und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Als evangelischer Pfarrer und Queerbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid sowie nicht zuletzt als offen homosexuell lebender Mann stehe ich an der Seite aller queeren Menschen, die sich nach diesem Anschlag verunsichert, verletzt oder voller Angst fühlen. Niemand soll aus Furcht oder Angst davor zurückschrecken müssen, sichtbar zu sein oder für die eigene Würde und die eigenen Rechte einzustehen. Die queere Community wird sich nicht einschüchtern lassen und fest zusammenstehen. Unser christlicher Glaube bezeugt, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist und eine unveräußerliche Würde besitzt.

Jesus Christus hat Menschen nicht ausgegrenzt, sondern ihnen Schutz, Annahme und Hoffnung zugesprochen. Deshalb widersprechen wir als Evangelische Kirche jeder Form von Hass, Menschenfeindlichkeit und religiös oder ideologisch begründetem Extremismus mit großer Entschiedenheit und aller Entschlossenheit.

Gerade in diesen Tagen sind wir als Kirche und Menschen aller Religionen dazu aufgerufen, Trost zu spenden, füreinander einzustehen und gemeinsam für eine offene und tolerante Gesellschaft einzutreten, in der Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung verstanden wird. Gewalt, Menschenfeindlichkeit und Terror dürfen niemals das letzte Wort haben.

Unser letztes Wort ist die Hoffnung – die Hoffnung auf Gottes Frieden, der stärker ist als Hass und Tod.

Pfarrer Jan Mark Budde
Queerbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid