Statement des Superintendenten Heiner Montanus nach AfD-Videos:

Gelsenkirchen. „Entwürdigend“, „unanständig“, „übergriffig“: Leitung des Evangelischen Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid verurteilt Gelsenkirchener AfD-Videos scharf. Daraufhin verfasst der Superintendent dieses Statement, über das in der WAZ online am 28.Mai berichtet wird. Das vollständige Statement finden Sie hier:

Stellen Sie sich vor:

Sie sind zu Fuß unterwegs. Auf dem Bürgersteig liegt ein Pizzakarton. Sie heben ihn auf und stecken ihn in den nächsten blauen Mülleimer.
Das ist: vorbildlich. Sie hätten die Verpackung auch liegen lassen können.

Andere Szene: Sie sind zu Fuß unterwegs und werfen achtlos das Papier weg, in das der Döner eingewickelt war. Ein Mann spricht sie an und schimpft. Sie sollen Ihren Müll gefälligst ordentlich beseitigen.
So angesprochen zu werden, ist unangenehm. Sie können sich über den Mann ärgern. Was geht den das an? Aber er hat Recht.

Dritte Szene: Sie sind zu Fuß unterwegs. Eine Frau kommt auf Sie zu und herrscht Sie an: „Räum den Dreck da gefälligst weg!“ Sie kennen die Frau nicht. Sie sehen, was da auf dem Bürgersteig liegt. Aber Sie haben es dort nicht hingeworfen. Doch die Frau regt sich weiter auf. Und dann drückt sie Ihnen auch noch einen Besen in die Hand. „Mach das weg!“
So angebrüllt zu werden ist unanständig, übergriffig, respektlos, entwürdigend. Denn: Sie haben ja nichts falsch gemacht. Sie waren nur zur falschen Zeit am falschen Platz.

Das stimmt nur zum Teil: Denn in den Augen der Frau gehören Sie hier nicht hin. Nicht auf diese Straße, nicht in diese Stadt, in dieses Land. Sie will, dass Sie weggeräumt werden. Denn in ihren Augen sind Sie der Dreck. Darum behandelt sie Sie genau so.

Sie haben nichts falsch gemacht. Aber das hilft Ihnen nicht. Denn für diese Frau sind Sie falsch.

Ein Glück, dass Ihnen das nicht passiert ist. Noch nicht. Denn wer weiß, wer bei dieser Frau noch auf der Drecksliste steht. Wer noch weg soll. Wer demnächst auch angebrüllt wird. Und es noch gar nicht ahnt.

Soll das die Zukunft für Deutschland sein? Für unsere Stadt? Für Sie und Ihre Kinder?

Dann nehmen Sie sich in acht! Die Frau könnte irgendwann auch vor Ihnen stehen. Den Besen in der Hand.

Heiner Montanus
Superintendent des Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid