Stark machen für mehr

Das Projekt MIRA hat Mütter mit Migrationshintergrund für den regionalen Arbeitsmarkt qualifiziert

Familie und Freunde begleiteten die Teilnehmerinnen zu ihrer Präsentation ins Kreiskirchenamt. FOTOS: CORNELIA FISCHER

14 Teilnehmerinnen aus 10 Ländern trugen selbstbewusst im Rahmen des Abschlusses ihres MIRA-Kurses ihre Beiträge vor.

GELSENKIRCHEN – 14 Frauen haben im Kreiskirchenamt gezeigt, was in ihnen steckt. Sie sind Teilnehmerinnen des zweiten Kurses des Projekts MIRA – ein auf zugewanderte Frauen zugeschnittenes Beratungsangebot des Gender-Referates im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid.

Einstieg in den Arbeitsmarkt ist nicht leicht

Seit 2015 richtet sich das auf vier Jahre angelegte Projekt an Mütter, die in den regionalen Arbeitsmarkt einsteigen wollen. Die Frauen sind Teilnehmerinnen der zweiten Projektgruppe, die am 29. Juni mit einer Präsentation abgeschlossen wurde. Sie kommen aus den Ländern Albanien, Aserbaidschan, Irak, Marokko, Nigeria, Pakistan, Rumänien, Syrien, Türkei und Ungarn. So unterschiedlich wie ihre Herkunftsländer sind auch ihre Qualifikationen, Biografien und Gründe, warum es für sie schwer ist, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Sie sind Mütter und viele von ihnen haben sich lange um ihre Familie gekümmert oder konnten ihre Deutschkenntnisse noch nicht ausreichend ausbauen. Andere haben wenig Berufserfahrung oder keinen hier anerkannten Abschluss ihrer Ausbildung oder ihres Studiums.

Sie wollen Dazulernen und sich Einbringen

Das Projekt MIRA setzt an dem Punkt an, an dem die Frauen die Endlosschleife um Sozialamt, Jobcenter, Mini- oder Aushilfsjobs durchbrechen wollen. Über den Zeitraum von drei Monaten wurden die Frauen geschult. Im ersten Teil drehte es sich um theoretisches Wissen, das von der beruflichen Orientierung bis hin zur richtigen Bewerbung reichte. Hier fanden sie Antworten auf die Fragen, welcher Beruf in Deutschland zu den bereits im Heimatland erworbenen Kenntnisse und ihrer Bildung passt und was alles im deutschen Arbeitsrecht zu beachten ist. Im zweiten Teil absolvierten die Frauen ein Praktikum und machten die Erfahrung, wieder am Arbeitsleben teilzunehmen. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie möchten Dazulernen und ihre Fähigkeiten in dem Land, in dem sie jetzt ihr Leben führen, einbringen.

Berufszweige entdecken

Pfarrerin und Projektgründerin Antje Röckemann hat bereits in dem ersten Durchlauf gute Erfahrungen gemacht: „Die Frauen wollen vor allem eins: für ihre Kinder ein gutes Vorbild sein und ihnen zeigen, dass Bildung und Erwerbstätigkeit wichtig sind.“ Was ihnen fehle, um über sich hinauszuwachsen, sei oft das nötige Selbstbewusstsein und die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Hier setzt das Projekt mit seinem praktischen Teil an. „Für die Frauen ist es unglaublich motivierend, wenn sie im Praktikum positive Rückmeldungen bekommen, einen Berufszweig für sich entdecken und Respekt erfahren“, weiß Röckemann. Indem sie zusammen mit den Frauen erarbeitet, welche Fähigkeiten sie mitbringen und wo sie weiter an sich arbeiten müssen, hilft sie ihnen, den nächsten Schritt in Richtung Arbeitsmarkt zu machen.

Eine Erfahrung, die stark macht

In den täglichen Schulungseinheiten drehte sich nicht alles nur um den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben. Viele Gespräche handelten von den Themen Kultur und Religion, von Aspekten, die sie trotz der verschiedenen religiösen Zugehörigkeit miteinander verbinden. Röckemann fasst zusammen: „Im Austausch wird deutlich, dass man viel voneinander lernen kann. Dass sich hier verschiedene Religionen auf Augenhöhe begegnen, man sich einander die Hand reicht und sie auch als muslimische Frauen angenommen sind. Das brauchen wir gerade in dieser Zeit.“
In der abschließenden Präsentation des Kurses stellten die Frauen sich vor und boten verschiedene Beiträge vor einem ausgewählten Publikum bestehend aus Familie, Freunden und Kolleginnen dar. „Einmal selbst auf einer ‚Bühne‘ zu stehen und vor anderen zu sprechen, hat sie stolz gemacht. So etwas hatten sie nie zuvor erlebt, das war für sie eine ganz neue Erfahrung – eine, die stark macht für mehr“, ist sich Röckemann sicher.

INFO
Der nächste Kurs im Projekt MIRA beginnt am 2. November 2016. Die Informationsveranstaltungen dazu finden statt am 17. August, 15. September und 4. Oktober 2016. Beginn ist jeweils um 10 im Kreiskirchenamt, Pastoratstraße 10 in 45879 Gelsenkirchen. Infos unter www.mira-projekt.de

Das Projekt MIRA als Teil des Programms "Stark im Beruf" wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union (ESF) gefördert.

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