So selbständig wie möglich

Ein Modellprojekt macht die Pflege zum Familienunternehmen

Stellten das Modellprojekt Familiale Pflege vor: (von links) Anja Klostermann, Tim Weiß, Marc König, Emel Umar, Martin Lorenz und Spresa Merko. PHOTO: CORNELIA FISCHER

Stellten das Modellprojekt Familiale Pflege vor: (von links) Anja Klostermann, Tim Weiß, Marc König, Emel Umar, Martin Lorenz und Spresa Merko. PHOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – „Bei uns trifft der Schlag nicht nur den Patienten – sondern auch die Angehörigen.“ Denn ein Schlaganfall (englisch: stroke) verändert alles. Ist der Betroffene dauerhaft auf Hilfe angewiesen? Wie soll es weiter gehen nach dem Krankenhaus? Die Fragen und Unsicherheiten der Angehörigen kennt Emel Umar als Krankenschwester in der Stroke-Unit seit vielen Jahren. Mit ihrer Kollegin Spresa Merko freut sie sich darüber, nun auch als ‚Pflegetrainerin‘ zu arbeiten. „Es berührt mich, wenn die Familien sagen: ‚Sie glauben gar nicht, wie wichtig das für uns ist‘“, so Merko.

„Familiale Pflege“ heißt das neue Angebot der Evangelischen Kliniken Gelsenkirchen (EVK). Es schafft einen Übergang zwischen dem Aufenthalt im Krankenhaus und dem Leben in den eigenen vier Wänden. Auf jeder Station der EVK stehen zwei bis drei Pflegetrainerinnen zur Verfügung. Sie üben mit der Familie bereits am Bett im Krankenhaus den Umgang mit dem Patienten ein – ganz individuell auf die Bedürfnisse des Kranken und die Möglichkeiten der Angehörigen abgestimmt. Doch daheim sieht alles ganz anders aus. Deshalb gibt es auch ein ‚Pflegetraining zu Hause‘. Hier schauen sich die Fachkräfte genau um, geben Tipps für die Gestaltung der Wohnung und üben Hilfestellungen unter den gegebenen Bedingungen ein.

Die Familiale Pflege leistet noch mehr. „In der Regel fühlt sich eine Person für die Pflege verantwortlich“, so Anja Klostermann von der Universität Bielefeld. Da ist die Überforderung fast schon vorprogrammiert. „Wir wollen vermitteln: Die Pflege muss zum Familienprojekt werden.“ Die Pflegetrainerinnen setzen sich mit der Familie zusammen und klären, wer was beitragen kann – entweder zur Pflege selbst oder zur Entlastung. Wenn etwa Mutter den Großvater pflegt, muss ein anderes Familienmitglied das Einkaufen übernehmen. Es ist hilfreich für alle Beteiligten, wenn solche Punkte vorher geklärt und verbindliche Absprachen getroffen werden.

Das Modellprojekt „Familiale Pflege“ ist 2004 an der Universität Bielefeld entstanden und wird seitdem ständig weiter entwickelt. Es wird unterstützt von der AOK Recklinghausen. In Bielefeld absolvieren Schwestern und Pfleger die Ausbildung im Pflegetraining. Für die EVK hat die Uni jedoch eigens ein Seminar ‚vor Ort‘ veranstaltet, „weil man hier so schnell so viele ausbilden wollte“, erklärte Klostermann. Dazu Corinna Lee, beim Diakoniewerk zuständig für Management und Kommunikation: „Dieses Modellprojekt ist für uns als diakonischer Träger genau das Richtige. Es passt haargenau zu unserem Leitmotiv ‚So viel Selbständigkeit wie möglich, so viel Unterstützung wie nötig.‘“

 

Seit Dezember laden die EVK zum Angehörigen-Café ein. Hier können pflegende Angehörige gemeinsam mit zwei Pflegetrainerinnen ihre Erfahrungen austauschen und voneinander lernen. Es findet an jedem ersten Dienstag im Monat ab 14 Uhr in der Husemannstraße 104 statt

Krankenpflege in der Familie ist keineswegs ein Auslaufmodell. „Die familiären Situationen sind heute anders“, so Marc König von der AOK Recklinghausen. „Aber die Pflegebereitschaft ist trotzdem da. Sie muss hier und heute nur anders organisiert werden.“

 

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