Sehnsucht nach Geborgenheit

Die Frauenhilfen sind von den Corona-Schutzmaßnahmen besonders hart betroffen

Karla Böhm (links) und Annegret Hindersmann machen sich Sorgen um die vielen Frauen, die sich nun schon monatelang nicht mehr bei den Nachmittagen und Ausflügen treffen können..

Karla Böhm (links) und Annegret Hindersmann machen sich Sorgen um die vielen Frauen, die sich nun schon monatelang nicht mehr bei den Nachmittagen und Ausflügen treffen können.

Hoffentlich werden alle Frauen auch nach der Corona-Krise zu den Frauenhilfstreffen kommen und vielleicht finden ja auch weitere Frauen den Weg in diese besondere Gemeinschaft. FOTOS: FRAUKE HAARDT-RADZIK

Hoffentlich werden alle Frauen auch nach der Corona-Krise zu den Frauenhilfstreffen kommen und vielleicht finden ja auch weitere Frauen den Weg in diese besondere Gemeinschaft. FOTOS: FRAUKE HAARDT-RADZIK

GELSENKIRCHEN/WATTENSCHEID – „Frau Meier sitzt links, Frau Müller immer rechts und in der Mitte Frau Schmidt. Da braucht keine von ihnen große Erklärungen abzugeben, die Frauen kennen sich und ihre jeweilige Situation, wissen, wo bei welcher von ihnen gerade der Schuh drückt.“ Karla Böhm, seit 20 Jahren Vorsitzende des Stadtverbands Gelsenkirchen der Evangelischen Frauenhilfen, weiß um die Nöte vieler Frauen, die sonst immer regelmäßig zu den Treffen kommen. Durch die Corona-Beschränkungen sind viele von ihnen isoliert und einsam. Eine harte Zeit für die vielfach allein lebenden Mitglieder. Die Geborgenheit in der Gruppe, bei den Treffen oder gemeinsamen Ausflügen fehlt den Frauen jetzt sehr.


Der direkte Kontakt fehlt allen

Um wenigstens die schlimmste Einsamkeit ein wenig abzumildern, wurde jüngst eine Telefonkette ins Leben gerufen. „Da ruft jetzt zum Beispiel einmal pro Woche Frau Meier bei Frau Schmidt an, erkundigt sich nach ihren Kindern und Enkeln. Und Frau Schmidt wiederum ruft als nächstes Frau Müller an usw.“ Kein Ersatz für ein reales Treffen und Zusammenkommen, das findet auch Annegret Hindersmann, stellvertretende Vorsitzende und seit 2005 Leiterin der Frauenhilfsgruppe Gelsenkirchen-Bulmke. „Man hat den Kopf voller Gedanken, bleiben alle Mitglieder gesund, bleiben alle dabei? Ich wünsche mir sehr, dass der Kontakt zu allen Frauen erhalten bleibt. Auch ich vermisse diesen Kontakt sehr!“

Im Evangelischen Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid gibt es insgesamt drei Stadtverbände: Gelsenkirchen, Buer-Horst und Wattenscheid. Allein im Stadtverband Gelsenkirchen sind etwa 700 Frauen in zwölf Frauenhilfsvereinen organisiert.


Wiederbeginn steht in den Sternen

Wertvolle Impulse gibt es vom Landesverband der Frauenhilfe aus Soest, findet Karla Böhm. Mal sind es ausgearbeitete Themenvorschläge, aber es können auch Referentinnen von dort eingeladen werden, die über interessante Themen in den verschiedenen Frauenhilfen berichten. Und es werden Ausflüge vorbereitet. „Wir sind zum Beispiel mit den Leiterinnen der zwölf Frauenhilfen nach Wetter-Wengern gefahren und haben das Henriette-Davidis-Museum besucht. Und wir sind dort im Frauenheim Wengern der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. gewesen.“ All diese Aktivitäten können dann quasi als Blaupause für die Frauenhilfen im jeweiligen Bezirk dienen, findet die Stadtverbandsvorsitzende. Doch wann das tatsächlich stattfinden kann, steht in den Sternen.

Und weitere Sorgen lasten auf ihr: „Wir sind ja ein eingetragener Verein. Da gilt es auch, Auflagen einzuhalten. Jetzt müsste eigentlich die Jahreshauptversammlung stattfinden, 30 Mitglieder sind wir dabei. Das ist aber im Moment nirgendwo räumlich mit dem großen Abstand zueinander zu schaffen.“


„Wir werden wohl die letzten sein...“

Wie und vor allem wann kann es endlich wieder weitergehen? Wann dürfen sich die Frauen, unter welchen erschwerten Bedingungen auch immer, endlich wieder zu gemeinsamen Veranstaltungen treffen, sich austauschen und dabei die lange vermisste Geborgenheit bei Gespräch, Andacht und gemeinsamem Singen wieder spüren? „Wir werden wohl die letzten sein, die sich wieder treffen dürfen“, vermuten Böhm und Hindersmann traurig. Schließlich sind die meisten Frauen älter als 65 Jahre.


Distanz-Gottesdienste unbeliebt

Und so wie bei den jetzt gerade wieder begonnenen Gottesdiensten mit großem Abstand voneinander einzeln in den Kirchenbänken verteilt zu sitzen, das wäre für die Frauenhilfstreffen nicht der richtige Weg. „Vielen Frauen haben die Präsenzgottesdienste, so ganz ohne gemeinsames Singen, ohne Händeschütteln und den direkten Austausch, nicht gefallen.“ Doch bis es soweit wieder ist, hilft hoffentlich wenigstens das Telefonieren über die Einsamkeit und die Zeit ohne regelmäßiges Treffen hinweg.

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