Schrebergartengottesdienst zwischen Blumenbeeten und Vogelgezwitscher

Gelsenkirchen - Zwischen blühenden Beeten, gepflegten Hecken und spätsommerlicher Sonne fand vor kurzem wieder ein besonderer Gottesdienst der Evangelischen Christus-Kirchengemeinde statt. Statt in einer Kirche kamen Besucherinnen und Besucher in der Kleingartenanlage „Eckerresse“ nahe der Pauluskirche zusammen, um gemeinsam unter freiem Himmel zu feiern.

Am Ende gab es einen persönlichen Segen für jede/n.

„Mir ist es wichtig, mit Kirche auch nach draußen zu gehen, dahin, wo die Menschen sind“, so Pfarrer Peter Schmidt.

Dieter Berghane sammelte die Kollekte beim Schrebergartengottesdienst.

Ein kleiner Altar, eine Musikanlage, ein paar Stühle – mehr brauchte es nicht um die Kleingartenlage zu einem passenden Ort für einen Gottesdienst zu machen. Geleitet wurde dieser von Pfarrer Peter Schmidt. Für ihn ist das Format inzwischen zu einer festen Tradition geworden. Die Idee entstand vor einigen Jahren, nachdem Gottesdienste an der frischen Luft im Waldstück an der Sienbeckstraße im Gelsenkirchener Norden nicht mehr möglich waren. „Mir ist es wichtig, mit Kirche auch nach draußen zu gehen, dahin, wo die Menschen sind“, erklärt Schmidt. Der Schrebergarten biete dafür nicht nur eine schöne Umgebung, sondern sei auch organisatorisch gut erreichbar.

Dass der besondere Ort bei vielen Anklang findet, zeigte sich auch in diesem Jahr. „Wann ist wieder der nächste Schrebergartengottesdienst?“, werde er immer wieder gefragt, berichtet der Pfarrer. Manche Besucher kommen gerade wegen der besonderen Atmosphäre, die sich deutlich von einem klassischen Kirchenraum unterscheidet.

Inhaltlich griff der Gottesdienst die Themen Natur, Schöpfung und die Stellung des Menschen in der Welt auf. Die Lesung bezog sich auf ein Bild mit einem Segelboot auf dem Meer. Am Horizont war statt des Mondes eine Weltkugel zu sehen. Die Botschaft: Wie klein der Mensch angesichts der Größe der Schöpfung ist und zugleich, wie eng alles miteinander verbunden bleibt. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Ursula Finkener am Piano.

Besonders war an diesem Tag nicht nur der Ort, sondern auch die persönliche Segnung zum Ende des Gottesdienstes. Die Teilnehmenden bildeten einen Kreis, und Pfarrer Schmidt sprach jeder und jedem, der wollte, ein individuelles Segenswort zu. Dabei nannte er die Menschen beim Vornamen. „Das ist immer ein sehr berührender Moment“, sagt der Pfarrer. Auch diesmal nahmen nahezu alle Gottesdienstbesucher dieses Angebot an.

Nach dem Segen blieb noch Zeit für Begegnungen und Gespräche bei Kaffee und Keksen. Das sommerliche Wetter trug dazu bei, dass viele Gäste den Vormittag noch lange in entspannter Atmosphäre genossen.

Trotz des zusätzlichen Aufwands mit Transport, Aufbau und Organisation soll an dem Format festgehalten werden. Denn für viele Besucher ist der Gottesdienst im Grünen längst zu einem festen Termin geworden. Zwischen Blumen, Vogelgezwitscher und persönlichem Segen entsteht hier eine besondere Form von Gemeinschaft, die noch lange nachwirkt. Für Peter Schmidt liegt genau darin die Stärke solcher Angebote: Kirche werde sichtbar und sei dort präsent, wo Menschen leben. Gleichzeitig erreiche man auch Besucherinnen und Besucher, die sonst nicht regelmäßig an Gottesdiensten teilnehmen. „Die Chancen von Gottesdiensten an ungewöhnlichen Orten bestehen darin, dass wir zeigen: Wir kommen zu den Menschen und sind für sie da.“, so Pfarrer Schmidt.

Text: Katrin Oelbracht

Fotos: Cornelia Fischer