Ort der Hoffnung und Artenvielfalt: Tag des Friedhofs in Wattenscheid

Wattenscheid - Friedhöfe sind längst mehr als Orte der Trauer. Sie sind Räume der Erinnerung, der Begegnung und zunehmend auch wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Darauf machte der bundesweite Tag des Friedhofs aufmerksam, der am 20. September auf dem Evangelischen Friedhof Wattenscheid-Westenfeld stattfand.

Friedhöfe sind längst mehr als Orte der Trauer.

Barbara Gretzke, Elona Marcks und Angelika Strothkämper (v.l.) sorgten für frische Waffeln. Sonst kümmern sie sich ehrenamtlich ums Thermoskannencafe.

Kleine Gäste konnten im Rahmen einer Rallye mehr über den Friedhof lernen.

Eine Wissenschaftlerin aus Japan interessierte sich für deutsche Bestattungsformen.

Bei spätsommerlichem Wetter nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, den Friedhof einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Für Kinder gab es Kinderschminken und die Möglichkeit, Grabkerzen kreativ zu gestalten. Erwachsene informierten sich über die Entwicklung des Friedhofs und kamen bei Kaffee und Waffeln miteinander ins Gespräch.

Der Evangelische Friedhof an der Westenfelder Straße hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend als grüne Oase zwischen Wattenscheider Innenstadt und A40 etabliert. Neben seiner Funktion als Begräbnisstätte dient er vielen Menschen als Ort der Ruhe und Erholung. Gleichzeitig ist er zu einem bedeutenden Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen geworden.

Friedhofsleiter Holger Sense setzt gemeinsam mit seinem Team seit Jahren auf eine naturnahe Gestaltung des Geländes. Rund zehn Prozent der Gesamtfläche bestehen inzwischen aus Blumenwiesen. Hinzu kommen zahlreiche Staudenbeete, Gehölze und blühende Flächen, die über das gesamte Jahr hinweg Nahrung und Lebensraum für Insekten bieten. Mit Erfolg: Auf dem Friedhof wurden inzwischen rund 330 Schmetterlingsarten nachgewiesen.

Die außergewöhnliche Artenvielfalt hat sogar die Wissenschaft beschäftigt. Im neuen Band der „Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde“ erschien kürzlich die Untersuchung „Gefäßpflanzen und Schmetterlinge aus dem Evangelischen Friedhof in Wattenscheid-Westenfeld – Untersuchungen zur Artenvielfalt eines Friedhofs im mittleren Ruhrgebiet“.

Auch über Deutschland hinaus stößt das Konzept auf Interesse. So konnte Friedhofsleiter Holger Sense während des Tags des Friedhofs eine Wissenschaftlerin der Tohoku-Universität in Japan begrüßen. Sie erforscht die Einflüsse deutscher Bestattungskultur auf die japanische und informierte sich vor Ort über bei einem Bestattungsinstitut.

Aktuell entsteht mit der „Sternenoase“ zudem ein neuer Urnengarten. Auch bei diesem Projekt spielt das Thema Biodiversität eine wichtige Rolle. Die Bepflanzung soll Lebensräume für Insekten schaffen und gleichzeitig den gepflegten Charakter der Anlage bewahren. Das Ziel beschreibt Sense als einen Weg, der Natur Raum zu geben, ohne den Friedhof sich selbst zu überlassen.

Für das leibliche Wohl sorgten die Ehrenamtlichen des Thermoskannen-Cafés mit frischen Waffeln und Kaffee. Das Angebot des Thermoskannencafés hat sich mittlerweile etabliert: Noch bis Ende Oktober stehen sonntags von 15 bis 17 Uhr ehrenamtliche Gastgeberinnen und Gastgeber für Gespräche bei einer Tasse Kaffee bereit.

Der Tag des Friedhofs zeigte damit eindrucksvoll, wie vielfältig moderne Friedhöfe heute sein können: Orte des Erinnerns und der Hoffnung, aber auch Orte der Begegnung und gelebten Artenvielfalt.

Text und Fotos: Katrin Oelbracht