Neues ausprobieren, um im Kontakt zu bleiben

Gemeindepfarramt im Corona-Modus - Interview mit Christian Meier

Videoaufnahmen für eine Andacht mit Pfarrer Christian Meier: „Es ist gut, Leute an der Seite zu haben, die Erfahrung damit haben.“ FOTO: PRIVAT

Videoaufnahmen für eine Andacht mit Pfarrer Christian Meier: „Es ist gut, Leute an der Seite zu haben, die Erfahrung damit haben.“ FOTO: PRIVAT

WATTENSCHEID – Keine Gottesdienste, keine gemeinsame Abendmahlsfeier, keine Taufen und Trauungen, die Gemeindehäuser geschlossen und das persönliche Gespräch mit Gemeindegliedern nicht möglich. Pfarrerinnen und Pfarrer befinden sich momentan im Corona-Modus. Auch auf Pfarrer Christian Meier strömt zurzeit viel Neues und Ungewohntes ein. Frauke Haardt-Radzik hat ihn per Telefon interviewt.

Seit Ende 2008 sind Sie als Pfarrer in der Kirchengemeinde Günnigfeld und seit dem Zusammenschluss 2017 in der Evangelischen Kirchengemeinde Wattenscheid tätig. Jetzt stehen auch Sie durch die Corona-Pandemie vor ganz neuen Herausforderungen. Zunächst einmal, wie geht es Ihnen?

Meier: Meiner Familie und mir geht es gut, auch wenn es ungewohnt ist, dass die gesamte Familie fast rund um die Uhr zuhause ist. Und zum Glück habe ich im näheren Umfeld niemanden, der erkrankt oder gestorben ist. Wenn man zum Beispiel nach New York oder Italien blickt, ist man schon sehr betroffen.

Gottesdienste sind aktuell gestrichen. Statt persönlichem Gespräch heißt es jetzt, telefonieren, skypen, mailen. Heinrich Bedford-Strohm, EKD- Ratsvorsitzender, sprach jüngst von der „Online-Kommunikation als Segen in Zeiten des social distancing“. Was sagen Sie dazu?

Meier: Ich sehe es als unsere Aufgabe, jetzt auch Neues auszuprobieren, um miteinander in Kontakt zu bleiben. So wird nun viel telefoniert, dabei lernen sich manche untereinander sogar besser kennen. Auch meine Telefongespräche sind momentan oft deutlich länger als sonst und werden auch schon mal zum Seelsorgeinstrument. Viele Ältere, die zur Kerngemeinde gehören, sind schlecht bis gar nicht online unterwegs. Da ist etwas anderes als telefonieren nicht möglich. Andererseits gibt es deutlich mehr Kontakte in Gruppen über WhatsApp. Da gibt es viele interessante Begegnungen. Dabei auch das geistliche Leben auf neuen Wegen zu beschreiten, das ist eine echte Herausforderung für uns. Ein Online-Abendmahl mache ich allerdings nicht!

Telefon- oder Videokonferenzen, Videochats, Audios erstellen und auf die Homepage stellen, das alles gehörte ja bisher nicht unbedingt zum Berufsbild eines Pfarrers. Wie ergeht es Ihnen damit zurzeit?

Meier: Es ist wichtig, Leute an der Seite zu haben, die das schon gut beherrschen. Generell habe ich jetzt weniger Termine, die dauern aber meist länger. Videokonferenzen im Pfarrteam klappen schon ganz gut. Doch zum Beispiel das erste Zusammenkommen der neuen Gemeindeleitung nach den Wahlen, die jüngst gerade noch stattfinden konnten, das machen wir nicht per Telefonschalte oder online. Das muss tatsächlich warten.

Doch für manche Sachen wirkt die Krise auch als Katalysator. So gibt es jetzt den „Gruß zum Sonntag“ und statt Kirchcafé im Anschluss an den Gottesdienst telefonieren Sie mit Gemeindegliedern.

Meier: Ja, und darauf gibt es viele positive Reaktionen. Menschen sind dankbar. An den Sonntagen gibt es jetzt eine Andacht auf der Homepage der Gemeinde. Die wird reichlich wahrgenommen und im Netz auch geteilt. Auch von Menschen, die schon lange nicht mehr in die Gottesdienste gekommen sind.

Und wenn sie dann mal vorbei ist, die Corona-Krise, was erwarten Sie dann, alles zurück auf Anfang? Oder wird sich einiges auf Dauer ändern und vielleicht auch gutes Neues bleiben?

Meier: Die elektronischen Dinge werden bleiben und das ist auch gut so. Ganz in der Nähe wird zum Beispiel gerade ein Altenheim gebaut. Nach den jetzigen Erfahrungen, würde ich sagen, dass da in jedem Zimmer WLAN und am besten auch ein Computer sein sollte, um Kontakt nach außen zu ermöglichen. Oder die vielen Nachbarschaftshilfen, die jetzt neu entstanden sind, und dass sich jetzt mehr um einander gekümmert wird, dieses neue Miteinander wird hoffentlich auch danach weiter bestehen.

Zu allen Einschränkungen, die die Krise und die Kontaktsperre mit sich bringen, naht jetzt eine besondere Herausforderung, das Osterfest. Wird es in diesem Jahr ausfallen?

Meier: Dass Ostern gerade in dieser Zeit der Corona-Pandemie liegt, ist etwas ganz Besonderes! Für die Fastenzeit in diesem Jahr gab es ja das Motto „Sieben Wochen ohne Pessimismus“. Und an Ostern hören wir von dem Grund unserer Zuversicht: Der Herr ist auferstanden. Und wir feiern das Fest des Lebens. Gerade jetzt.

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