Nach 68 Jahren: Diakonisches Jahr Westfalen wechselt zur Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe

Schwerte/Bielefeld - Ein besonderer Abschnitt geht zu Ende: Der Arbeitsbereich „Diakonisches Jahr Westfalen" wechselt zum 1. September 2026 vom Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) in Haus Villigst in Schwerte zum Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) mit Sitz in Düsseldorf. Rund 250 Freiwillige im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und Bundesfreiwilligendienst (BFD) werden künftig Teil des größeren Freiwilligenprogramms der Diakonie RWL, das derzeit rund 2.000 Freiwillige begleitet.

 

Der Wechsel ist mehr als eine organisatorische Veränderung im Bereich des Freiwilligendienstes: Das Diakonische Jahr steht für viele Jahre engagierter Arbeit, gewachsene Beziehungen und gemeinsame Erfahrungen in der Ev. Kirche von Westfalen, auf die das Amt für Jugendarbeit mit großer Dankbarkeit zurückblickt.

 

Ein geschichtlicher Rückblick

Die Idee eines Diakonischen Jahres entstand 1954 in Neuendettelsau (Bayern) und verbreitete sich in den Folgejahren in nahezu allen evangelischen Landeskirchen. 1964 ging der Gedanke des Diakonischen Jahres schließlich in das Gesetz zur Förderung eines Freiwilligen Sozialen Jahres in der Bundesrepublik Deutschland über, den bundesweiten gesetzlichen Rahmen für das FSJ.

In der EKvW ging das Diakonische Jahr 1958 an den Start – zunächst eigenständig in Münster, seit 1999 im Amt für Jugendarbeit der EKvW und damit in enger Vernetzung mit der evangelischen Jugendarbeit in den 26 Kirchenkreisen und den kirchlichen Verbänden in Westfalen. Rund 250 Freiwillige engagieren sich jährlich im Rahmen des FSJ und BFD. 68 Jahre lang hat es seither jungen Menschen einen Freiwilligendienst in sozialen und diakonischen Einrichtungen ermöglicht, bevor der Arbeitsbereich zuletzt beim Amt für Jugendarbeit der EKvW angesiedelt war und nun zum 1. September 2026 zur Diakonie RWL wechselt.

Diakonisches Jahr International (DJI) und „weltwärts Süd-Nord"-Freiwillige

Neben dem klassischen Diakonischen Jahr in Westfalen bestand im Amt für Jugendarbeit der EKvW von 2013 bis 2023 zusätzlich das Diakonische Jahr International (DJI). Es bot Einsatzstellen in Partnerkirchen der EKvW in Argentinien (Evangelische Kirche am Río de la Plata) und Italien (Waldenserkirche) und ermöglichte umgekehrt auch Freiwilligen aus diesen Partnerkirchen, ihr FSJ in Westfalen zu absolvieren. 2017/2018 wurde der erste Jahrgang des DJI zur Evangelischen Kirche am La Plata (Argentinien, Paraguay, Uruguay) entsandt. Ergänzt wurde das Programm durch ein Incoming-Programm mit Freiwilligen aus verschiedenen Ländern, das seit 2013 durch die Teilnahme am Programm „weltwärts Süd-Nord" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ermöglicht wurde, über das Freiwillige aus dem Globalen Süden für ihren Freiwilligendienst in den Globalen Norden kamen.

Persönlichkeitsentwicklung und Gemeinschaft

Was das Diakonische Jahr in all den Jahren ausgemacht hat, brachte Ute Gerdom, seit 2013 Leiterin des Diakonischen Jahres, anlässlich des 66. Jubiläums im Jahr 2024 in einer persönlichen Ansprache auf den Punkt: Jede und jeder Freiwillige habe in diesem Jahr eine ganz eigene Reise erlebt – geprägt von Begegnungen, Wachstum und tiefen Eindrücken. Für viele hat das Jahr bedeutet, zum ersten Mal von zu Hause auszuziehen, sich auf eine neue Einsatzstelle und ungewohnte Aufgaben einzulassen und dabei ganz praktisch zu helfen und zu lernen. Gerade darin liegt nach Gerdoms Worten der eigentliche Kern und das „Herzstück" des Diakonischen Jahres. Sie böten die Möglichkeit, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten, an Herausforderungen zu wachsen und neue Perspektiven zu gewinnen. All diese Begegnungen haben nicht nur die Freiwilligen selbst geprägt, sondern auch Empathie, Resilienz und ein Gespür für die Bedeutung von Gemeinschaft vermittelt – und damit gezeigt, was es heißt, Teil eines Miteinanders zu sein und Verantwortung zu übernehmen.

Weitere Informationen: www.diakonisches-jahr-westfalen.de

Über die Freiwilligendienste der Diakonie RWL

Mit rund 2.000 Freiwilligen ist die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe der größte evangelische Träger von Freiwilligendiensten in Deutschland. Ab dem 1. September 2026 werden die bisherigen Freiwilligen und Einsatzstellen des Diakonischen Jahres Westfalen Teil dieses Programms.

Weitere Informationen: www.diakonie-rwl.de/themen/freiwilligendienste

Enge Zusammenarbeit bleibt bestehen

Auch wenn die Trägerschaft der Evangelischen Kirche damit erlischt, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den bisherigen Einsatzstellen – insbesondere in der Jugendarbeit der Ev. Kirche – weiter vorgesehen. So soll es künftig eine feste Kontaktperson geben, die als Bindeglied zwischen dem Diakonischen Werk RWL und der kirchlichen Jugendarbeit fungiert. Das Kompassjahr der EKvW als Orientierungsjahr für kirchliche Berufe soll perspektivisch durch den Bereich Nachwuchsgewinnung im Landeskirchenamt in Bielefeld weitergeführt werden.

Was sind FSJ und BFD?

Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist ein Jugendfreiwilligendienst für junge Menschen in der Regel zwischen 16 und 26 Jahren. Für gewöhnlich dauert es zwölf Monate, in denen die Teilnehmenden in einer sozialen Einrichtung mitarbeiten – etwa in der Kinder- und Jugendhilfe wie der gemeindlichen Jugendarbeit und dem Offenen Ganztag oder auch in der Alten- oder Behindertenhilfe.

Begleitend finden verpflichtende Bildungsseminare statt, in denen die Freiwilligen ihre Erfahrungen reflektieren und sich fachlich wie persönlich weiterentwickeln können. Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) verfolgt dasselbe Ziel und findet in denselben Einsatzfeldern statt, steht aber – anders als das FSJ – Menschen jeden Alters offen, auch über die klassische Jugendphase hinaus. Beide Dienste bieten jungen wie älteren Menschen die Möglichkeit, sich ein Jahr lang sozial zu engagieren, praktische Erfahrungen für Beruf und Leben zu sammeln und sich beruflich zu orientieren.



Text: EKvW Stabsstelle Kommunikation