„Sie alle sind auf dem Weg, nebenamtliche Orgelmusikerinnen und Orgelmusiker zu werden. Und das neben ihrem Studium oder Beruf!“ Kirchenmusiker Ingmar Stiller hatte zu diesem Newcomer-Konzert in die Wattenscheider Friedenskirche eingeladen.
Und während sich unten im Kirchenschiff allmählich das Konzertpublikum einfand, stieg bei den insgesamt neun Musiker:innen oben auf der Orgelempore spürbar die Aufregung.
Die meisten von ihnen nehmen gerade an der D-Ausbildung für nebenamtliche Kirchenmusiker:innen teil. Diese Ausbildung findet in Zusammenarbeit der evangelischen Kirchenkreise im Ruhrgebiet unter Leitung der jeweiligen Kreiskantor:innen statt. Kirchenmusiker Ingmar Stiller unterrichtet hierbei die Fächer künstlerisches und liturgisches Orgelspiel.
Für das Newcomer - Konzert hatte sich Stiller ein besonderes Programm ausgedacht: „Acht kleine Präludien von Johann Sebastian Bach sind heute Kern des Konzerts.“ Dazwischen gab es weitere kurze Werke anderer Komponisten.
Den Anfang des musikalischen Reigens machte die 14 – jährige Alexandra Bergen. Ihr gelang mit dem Präludium G-Dur von Johann Sebastian Bach ein fulminanter Start voll festlicher Klänge. Kräftiger Applaus auch all der anderen Musikerinnen und Musiker erklang, während an der Orgel ein schneller Wechsel stattfand.
„Vater unser im Himmelreich“ von Georg Böhm ließ sodann Olivia Jablonowski erklingen. Ihre Musik kam ruhiger und melodiöser daher, begeisterte mit vielen musikalischen Verzierungen. Die 16-Jährige nimmt bereits an der zweiten Stufe, der C- Ausbildung, für nebenamtliche Kirchenmusiker:innen teil. Diese findet in ökumenischer Kooperation in der bischöflichen Kirchenmusikschule in Essen statt.
Der Staffelstab an der Orgel wanderte weiter zu Hanspeter Menzler. Der 36-Jährige spielte die Toccata F-Dur von Dietrich Buxtehude. Nach jeder Darbietung gab es kräftigen Applaus der anderen Musiker:innen, die gebannt und konzentriert zuhörten und auf ihren Einsatz warteten. Und bei jedem Wechsel wurde die Orgelbank für die Nächste, den Nächsten immer wieder neu justiert. Nächste Staffelübergabe an den erst 15-jährigen Luca Holzhauer. Er bot eine eigene Improvisation über „Ave maris stella“.
Einige der Spieler und Spielerinnen dieses Konzerts in der Friedenskirche werden, so Ingmar Stiller, schon für Vertretungen und Gottesdienste, Andachten und Kasualien eingesetzt. Doch ein öffentliches Konzert ist noch einmal etwas anderes, und so war eine ordentliche Portion Lampenfieber bei diesem Konzertreigen auch mit dabei.
„Ich freue mich, mit so vielen Musikerinnen und Musikern diesen Abend gestalten zu können“, betonte Stiller, der auch immer zwischendurch Erläuterungen zu einzelnen Stücken und Komponisten gab. An seine baldigen Kolleginnen und Kollegen gerichtet fügte er hinzu: „Es ist auch mal so, manchmal geht etwas schief, dann fängt man sich wieder, auch das gehört bei Konzerten dazu.“
Für die angehenden Kirchenmusiker:innen war es allemal eine gute Gelegenheit, sich dem Publikum zu präsentieren und dabei wichtige Erfahrungen zu sammeln. Und nach der Anspannung und einem rundum gelungenen Konzert feierten alle in ausgelassener Stimmung beim gemeinsamen Pizza-Essen. Sie alle werden hoffentlich schon bald als wertvolle Ergänzung zu den hauptamtlichen Kirchenmusiker:innen in verschiedenen Gemeindebereichen zu sehen und zu hören sein und so die Kirchenmusik auch als Teil der Verkündigung nebenamtlich mitgestalten.
Text und Foto: Frauke Haardt-Radzik

