Mehr als nur Lehrer

Pfarrer Andreas Dombrowski berichtet über den Berufsalltag

Berufsschulpfarrer Andreas Dombrowski gibt Auskunft über den Berufsalltag. Er unterrichtet Evangelische Religion am Eduard-Spranger-Berufskolleg. PHOTO: CORNELIA FISCHER

Berufsschulpfarrer Andreas Dombrowski gibt Auskunft über den Berufsalltag. Er unterrichtet Evangelische Religion am Eduard-Spranger-Berufskolleg. PHOTO: CORNELIA FISCHER

Pfarrer Andreas Dombrowski ist Bezirksbeauftragter für den Religionsunterricht an Berufsschulen und leitet das Referat Berufskolleg im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid. Wie sieht der Alltag eines Berufsschulpfarrers aus? Wie kam es zu diesem Konstrukt, dass Pfarrer als Lehrkräfte das Fach Religion unterrichten? Und wie ergänzt der Religionsunterricht eine kaufmännische Ausbildung? Christiane Otte hat nachgefragt.

Pfarrer Dombrowski, wie kam es dazu, dass Pfarrer an Berufsschulen den Religionsunterricht übernommen haben?

In den 1960er Jahren gab es einen großen Mangel an Lehrkräften. Darauf reagierten die westfälische Landeskirche und die Landespolitik in NRW mit dem Entschluss, Pfarrer sowie Katecheten in den Schuldienst zu nehmen. Heute sind es 99 Pfarrstellen in der westfälischen Landeskirche, davon unterrichten zehn PfarrstelleninhaberInnen an den Berufsschulen im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid.

Sie unterrichten am Eduard-Spranger-Berufskolleg in Gelsenkirchen Evangelische Religion. In welchem Umfang unterrichten Sie und welche Schüler nehmen daran teil?

Wie andere Lehrer auch unterrichten Berufsschulpfarrer 25,5 Unterrichtsstunden in der Woche. Ich betreue insgesamt 16 Klassen und meine Schülerinnen und Schüler haben ganz unterschiedliche religiöse Hintergründe. Wenn sie einem anderen Glauben angehören oder konfessionslos sind, ist es toll, wenn sie dem Fach trotzdem eine Chance geben. Nur wenige melden sich vom Unterricht ab. Wir Religionslehrer sind offen dafür, dass alle teilnehmen. Und nach den ersten Unterrichtsstunden merken sie, dass ihnen dieses Fach Raum gibt, um über Dinge zu sprechen, die in anderen Fächern keinen Platz haben.

Warum braucht man heute an Berufsschulen das Unterrichtsfach Religion?

Ich erlebe es immer wieder, dass sich meine Schülerinnen und Schüler nach den ersten Wochen den verschiedensten religiösen Fragen öffnen. Im Unterricht gibt es auch Platz für ihre Sicht der Dinge. Sie wissen heutzutage wenig über biblische Geschichten, oder es sind grundlegende Dinge, die ihnen nicht bekannt sind. Da merke ich, dass wir Berufsschulpfarrer ein Ankerpunkt sind, wo Schülerinnen und Schüler mit dem christlichen Glauben in Kontakt kommen oder sich mit Glaubensfragen auseinandersetzen können.

Wie ergänzt Ihr Unterricht eine Ausbildung zum Bürokaufmann oder zu einer Medizinischen Fachangestellten?

Der Religionsunterricht ist auf die Entwicklung und Vermittlung von Kompetenzen ausgerichtet, dazu zählen zum Beispiel Selbstreflexion und Verständigung. Im Unterricht geht es um die Würde des Menschen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Religionen und um den interreligiösen Dialog. Aber auch  um Reichtum, Armut und Gerechtigkeit. Wir kooperieren mit anderen Fächern, so gibt es eine wirtschaftliche Komponente, weil es ein Wirtschaftsgymnasium ist. Die Inhalte orientieren sich an den Berufsbildern der Schülerinnen und Schüler: Ob sozialer oder technischer Bereich – es sind jeweils andere Kompetenzen gefragt. Außerdem fördert der evangelische Religionsunterricht die Konflikt-, Team- und Kommunikationsfähigkeit.

Was zählt noch zu Ihren Aufgaben als Berufsschulpfarrer und Bezirksbeauftragter?

Als Pfarrer an einem Berufskolleg ist man Berater und betreibt auch Schulseelsorge. Es kommen Schülerinnen und Schüler mit Problemen zu uns, die sie außerhalb des Unterrichts besprechen möchten. Da geht es beispielsweise darum, Ängste abzubauen. Ich bin auch Ansprechpartner bei traurigen Anlässen, zum Beispiel wenn jemand verstirbt. In meiner Laufbahn gab es Todesfälle, da war es für die Schülerschaft sowie für das Kollegium wichtig, dass es jemanden gibt, der sich darum kümmert. Als Bezirksbeauftragter bin ich zuständig für die Fortbildung der insgesamt 29 ReligionslehrerInnen und PfarrerInnen in Gelsenkirchen und Wattenscheid, zum Beispiel wenn neue Bildungspläne eingeführt werden.

Was bereitet Ihnen an Ihrem Beruf besondere Freude?

Es ist schön zu sehen, was Schülerinnen und Schüler am Ende des Schuljahres mitgenommen haben. Ich freue mich immer sehr, wenn ich das Feedback höre: „Der Religionsunterricht ist ja ganz anders, als wir das kennen“, oder wenn ich noch nach Jahren von Ehemaligen auf der Straße gegrüßt werde. Ich habe sogar schon Ehemalige getraut – die beiden haben vor sechs Jahren ihr Abitur gemacht und jetzt werde ich noch ihr Kind taufen. Das ist ein schönes Zeichen, dass wir nicht nur Lehrer sind, sondern auch darüber hinaus für unsere Schülerinnen und Schüler wichtige Ansprechpartner!

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