„Love Letters“ ohne ein Happy End: Christine Sommer und Martin Brambach lasen in der Matthäuskirche

Gelsenkirchen – „Willst du am Valentinstag meine Braut sein?“ – „Ja, ich will, aber nur, wenn ich dich nicht küssen muss!“ Andy und Melissa kennen sich seit der zweiten Klasse, sie aus wohlhabendem Elternhaus, er aus einfachen Verhältnissen. Von ersten schüchternen Zettelchen, über Briefe, die sie sich als Teenager an verschiedenen Schulen schreiben, erzählen ihre „Love Letters“ im Laufe der 50 Jahre währenden Korrespondenz von Spuren einer großen Liebe. Einer unerfüllten.

Christine Sommer verkörperte die Melissa in einer großartigen Leistung.

Das Vortragen der Love Letters von Andy sei auch eine Reise zu sich selbst, sagt Martin Brambach.

Christine Sommer und Martin Brambach ließen die Geschichte von Andy und Melissa, erzählt in ihren „Love Letters“, voller Emotionen sehr lebendig werden.

In der vollbesetzen Matthäuskirche lauschten die Besucher und Besucherinnen dem Theaterstück „Love Letters“ von Albert Ramsdell Gurney, ausdruckstark vorgetragen von Christine Sommer und Martin Brambach.

Christine Sommer und Martin Brambach tragen in der Matthäuskirche diese Briefe und all die Tragik, die in dem doch nie wirklichen Zusammenkommen dieser beiden Menschen liegt, sehr intensiv vor. Christine Sommer kriecht geradezu in die Figur der exaltierten, ungehobelten, haltlosen Melissa hinein. Schwieriges Elternhaus, Mutter mehrfach verheiratet, Melissa jettet planlos durch die Welt, scheint aber nirgendwo wirklich anzukommen. Andy dagegen gestaltet ehrgeizig sein Leben, studiert, geht zum Militär, heiratet, macht politische Karriere. Martin Brambacher lässt diesen Andy, Lieblingshobby Briefeschreiben, am liebsten an Melissa, sehr lebendig werden.

Andrews unbedingter Wunsch, immer mit Melissa im intensiven Austausch zu bleiben, berührt die Zuhörenden. Alles, was die beiden in ihren jeweiligen Welten erfahren, teilen sie in ihren Briefen. Mal möchte Andy mehr von Melissa, die ihn ziemlich grob abblitzen lässt, mal wünscht sich Melissa Andrews Nähe, auch, um nicht in ihrer Verzweiflung und Haltlosigkeit zu versinken.

Sommer und Brambach, beide Schauspieler, seit vielen Jahren verheiratet, präsentierten dieses Stück von Albert Ramsdell Gurney im Rahmen von KeK, Kunst entdeckt Kirche, in der vollbesetzten Matthäuskirche sehr dicht und ausdrucksstark.

„Es ist ja eigentlich ein Theaterstück. Es zeigt sich in den Briefen, die hier vorgetragen werden, auch ein Abriss der amerikanischen Geschichte, und es ist eine tragische Liebesgeschichte“, findet Martin Brambach immer wieder an den Love Letters so interessant. „Am Ende gesteht sich Andy, der aus einfachen Verhältnissen einen dollen Aufstieg geschafft hat, ein, dass er erst nach ihrem Tod merkt, dass sie die große Liebe seines Lebens war.“ Das rührt auch die beiden Schauspieler, die dieses Stück schon an die zwanzigmal gespielt haben, immer wieder sehr. Christine Sommer beeindruckt besonders die Brüchigkeit der Figur Melissa. „Aus reichem Elternhaus, ist sie recht ungehobelt, sucht ihren Weg, verliert sich. Am Ende ihres Lebens merkt sie, dass sie Kraft hat, doch die ist sehr zerstörerisch.“ Die sterbenskranke Melissa verweigert Andy, der sie gern sehen möchte, jeglichen Besuch. So bleibt ihm zum Schluss nur noch der letzte Brief, den er nach Melissas Tod an ihre Mutter schreibt.

Diese Liebesbriefe-Geschichte ist so voller Emotionen, immer wieder auch mit herrlich skurrilen Begebenheiten, und es ist eine Liebenserklärung ans Briefeschreiben.

„Ich bin sehr beeindruckt, wie Herr Brambach den Andy vorgetragen hat“, schwärmt eine Besucherin. „Ich erinnere mich auch daran, wie ich früher an meinen damaligen Freund Liebesbriefe geschrieben habe.“ Eine Sitznachbarin fügt an: „Schade, dass es das heute nicht mehr so gibt!“ 

 

Text und Fotos: Frauke Haardt-Radzik