Dank der freundlichen Leihgabe der fast lebensgroßen Lutherfigur durch den Ev. Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid war der berühmte Reformator fast „persönlich“ bei den Gottesdiensten in der Männerkirche anwesend.
Während der Predigt wurden persönliche Lebensweisheiten und theologische Aussagen des Reformators mal humorvoll, mal nachdenklich oder tiefgründig zitiert. Dazu zog eine Gefangene ein schwarzes Gewand mit schwarzem Barrett über und erweckte den einstigen Augustinermönch spielerisch zum Leben. „Ich habe Spaß daran, in verschiedene Rolle zu schlüpfen und Theater zu spielen, um andere zu begeistern“, erklärt die Gefangene und betont: „Es war schon aufregend und eine Herausforderung, gerade diesen berühmten Theologen zu spielen.“ Schließlich sei die Reformation schon etwas Großes und schon über 500 Jahre her.
Neben der schauspielerischen Gestaltung der Predigt wurden im Gottesdienst klassische Choräle von Luther gesungen und sein Morgensegen gebetet. Zudem gestalteten Frauen der Beruflichen Bildung / Bereich Floristik der JVA den Blumenschmuck für den Altar extra in den Farben von Luthers berühmtem Siegel, der sogenannten Lutherrose. Die Gottesdienste ermöglichten den Gefangenen, Martin Luther nicht nur als Theologen und Reformator, sondern gerade auch als Mensch besser kennenzulernen. „Luther war schon ein mutiger Typ, der sich was getraut hat, auch wenn er menschlich nicht immer fehlerfrei war“, resümiert die Inhaftierte und ergänzt: „Mein Lieblingsspruch von Luther lautet: `Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen´.“ Denn vielleicht bringe dieser Satz die Menschen auf die Idee, Bäume zu pflanzen und der Erde etwas zurückzugeben. sue
FOTO: JVA Gelsenkirchen

