„Ich wollte eigentlich immer Autoschlosser werden“ - Prof. Dr. Elvira Jankowski erzählt in der Kapelle des Wattenscheider Friedhofs über ihren Weg vom Arbeiterkind erfolgreichen Professorin

WATTENSCHEID – Alle Plätze in der Kapelle des Friedhofs waren schnell besetzt. Auch viele ehemalige Mitschüler:innen ihres Bruders Jürgen waren gekommen, um sich die Erfolgsgeschichte der Wattenscheiderin Elvira Jankowski anzuhören. Mit Mut, Ausdauer und großem Durchsetzungsvermögen hat sie sich „als Arbeiterkind von der Köttelbecke“ ihren Weg „zum Erfolg in einem Männerberuf“ erarbeitet.

Statt aus ihrem Buch vorzulesen, erzählte Elvira Jankowski in ihrem Vortrag in der Friedhofskapelle über ihren Werdegang vom Arbeiterkind im Ruhrgebiet zu einer erfolgreichen Professorin für Maschinenbau.

Elvira Jankowski ist ihrer Heimatstadt Wattenscheid eng verbunden. Auf dem Evangelischen Friedhof Westenfelder Straße hat sie einige der dortigen Hinweisschilder entworfen.

Trockene Blätter entfernen, auf dem Grab nach dem Rechten sehen: Auf dem Friedhof in Wattenscheid liegen auch die Eltern von Elvira Jankowski.

Von diesem Werdegang handelt auch ihre vor einem Jahr erschienene Autobiografie, die Prof. Dr. Elvira Jankowski an diesem Nachmittag in der Johanneskapelle vorstellte.

Doch zunächst ging es für die Wattenscheiderin erst einmal zum Grab der Eltern. Ein paar lose Blätter entfernen, nach dem Rechten schauen.  „Hier auf dem Friedhof trifft man eigentlich immer jemanden, kommt ins Gespräch, verabredet sich, hier ist immer was los.“ Viele der auf dem Friedhofsgelände aufgestellten Hinweisschilder wurden von Elvira Jankowski entworfen.

Großgeworden und sozialisiert mit zwei älteren Brüdern, der Vater, gelernter Dreher, arbeitete nach dem Krieg am Hochofen bei Krupp in Bochum und später nach einem schweren Bandscheibenvorfall dort als Pförtner. Die Mutter, gelernte Verkäuferin im Kruppschen Konsum, kümmerte sich, wie damals in den 50er, 60er Jahren üblich, um Kinder und Haushalt.

Statt aus ihrer Biografie vorzulesen, ließ die 1956 geborene Jankowski anhand vieler Fotos und einiger Filme, die auf eine Leinwand projiziert wurden, ihren Werdegang für die Zuhörenden lebendig werden. Und immer mal wieder gab es zustimmendes Nicken im Publikum, viele erinnerten sich an eigene ähnliche Erlebnisse.

„Damals musste in der Schule der Beruf des Vaters angegeben werden. Als Arbeiterkind bekam ich immer schlechtere Noten als andere Schülerinnen in meiner Klasse.“ Doch Glück oder Fügung gehörten auch zu dieser Erfolgsgeschichte. Ein Referendar erkannte ihr Talent, die Vorschrift, den Beruf des Vaters anzugeben, fiel weg: „Plötzlich bekam ich bessere Noten, für gleiche Leistungen!“

Nach der mittleren Reife absolvierte sie eine Ausbildung als Technische Zeichnerin bei Krupp in Bochum. Das Abitur folgte auf dem 2. Bildungsweg. Im September 1971 gab es erstmals BAföG. „So wurde es dann auch für uns Arbeiterkinder möglich, das Abitur zu machen und zu studieren.“ Bevor sie ihr Maschinenbaustudium an der Ruhr-Uni Bochum begann, wirkte sie noch einige Jahre als freiberufliche Konstrukteurin. Dass, wer Doktor hieß, nicht gleich Mediziner war, sondern dass das ein Titel ist, erfuhr sie erst an der Uni. „Und da machte ich mich auf, den selbst zu erwerben.“

Also wechselte sie an die Hochschule Dortmund, promovierte dort zum Doktor der Ingenieurwissenschaften und wurde zur international erfolgreichen Ingenieurin und Hochschullehrerin in der Männerdomäne des Maschinenbaus.

„Probleme lösen machte mir immer viel Spaß. Das sollten Eltern heutzutage ihren Kindern auch viel mehr selbst überlassen“, stellt Jankowski fest. „Ich möchte jungen Leuten mit meiner Autobiografie etwas mitgeben.“ Sie rief die Initiative BildungsMehrMut ins Leben, mit der sie junge Menschen aus bildungsferneren Schichten mit der Wirtschaft verknüpfte und ihnen so mehr Zuversicht auf ihrem akademischen Weg verschaffte.

Zwei Stunden lang lauschten die Besucher und Besucherinnen in der Johanneskapelle gebannt, wie das Arbeiterkind aus dem Ruhrgebiet seinen Weg ging und sich schließlich als erfolgreiche Unternehmerin und Professorin durchsetzen konnte. 

Text und Fotos: Frauke Haardt-Radzik