„Guten Morgen, Frau Ohla!“ – Emotionaler Abschied nach fast 25 Jahren am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium

Gelsenkirchen - „Einen sonnigen Guten Morgen!“ Als Astrid Ohla diese Worte am 17. Juli ein letztes Mal in die voll besetzte Kirche St. Urbanus rief, antworteten rund 1000 Menschen wie aus einem Mund: „Guten Morgen, Frau Ohla!“ Ein vertrautes Ritual, das an diesem Morgen zum Abschiedsgruß wurde. Nach fast 25 Jahren als Schulpfarrerin am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium wurde Astrid Ohla in einem ökumenischen Gottesdienst entpflichtet.

„Eine Tür schließt sich, ein neuer Horizont öffnet sich“: Astrid Ohla blickte in ihrer Predigt dankbar auf ihren Weg zurück. Im Hintergrund (v.l.): Pastoralreferentin Laura Meemann und Superintendent Heiner Montanus.

Nach fast 25 Jahren als Schulpfarrerin am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium wurde Astrid Ohla in St. Urbanus verabschiedet.

Volles Haus: Rund 1000 Menschen waren zum Gottesdienst gekommen.

Pastoralreferentin Laura Meemann von der Katholischen Kirche Gelsenkirchen begrüßte die Gäste.  Unter ihnen waren Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, Kolleg*innen aus Schule und Pfarrschaft sowie Weggefährtinnen und Weggefährten.

Fast ein Vierteljahrhundert lang, seit dem Schuljahr 2001/2002, begleitete Astrid Ohla Generationen von Schülerinnen und Schülern. In ihrer Predigt wurde deutlich, was ihren Dienst geprägt hatte: die Menschen, denen sie auf ihrem Lebensweg begegnet war. „Wir sind Teil einer Geschichte, die vor uns begonnen hat, und nach uns werden andere kommen. Wir tragen Spuren von allen, denen wir begegnet sind“, sagte sie. Gott schreibe Geschichte – auch mit unvollkommenen Lebenswegen. „Kein Weg ist zu krumm, dass Gott ihn nicht geradebiegen könnte.“

Der Abschied sei für sie deshalb kein Schlusspunkt, sondern ein Übergang. „Eine Tür schließt sich, ein neuer Horizont öffnet sich.“ Dankbar erinnerte sie an ihre Eltern, die ihr den Weg in diesen Beruf ermöglicht hätten, an eine Grundschullehrerin, einen Religionslehrer und ihre Mentorin im Vikariat. Auch zufällige Begegnungen hätten ihren Lebensweg geprägt. Aus Kolleginnen und Kollegen an der Schule sei über die Jahre „eine andere Familie“ geworden.

Dass Dankbarkeit ihr Leben und ihren Dienst geprägt hatte, griff auch Superintendent Heiner Montanus auf. Bei der Vorbereitung seiner Worte sei ihm vor allem ein Satz aus einem gemeinsamen Gespräch in Erinnerung geblieben: „Ich habe ganz viel Glück gehabt. Ich hatte ein tolles Berufsleben.“

Immer wieder, so Montanus, habe Astrid Ohla von den Menschen erzählt, die sie begleitet und geprägt hätten. Nicht das Misslungene habe im Mittelpunkt gestanden, sondern die Begegnungen und die Dankbarkeit. Ihren Schülerinnen und Schülern habe sie den Blick auf ihre Möglichkeiten und Potenziale vermittelt; auf alles Positive und darauf, was gemeinsam gestaltet werden könne. Er wünsche ihr, diesen Blick auf das Gute auch im neuen Lebensabschnitt zu bewahren.

Zugleich erinnerte er daran, was eine Schulpfarrerin leistet: Gespräche in schwierigen Lebenssituationen, Seelsorge, das offene Ohr neben Unterricht und Konferenzen. Vieles davon bleibe für Außenstehende unsichtbar.

Wie sehr Astrid Ohla diese Aufgabe ausgefüllt hatte, wurde auch in den Worten des Kollegiums deutlich. „Sie ist nicht ersetzbar und sie wird uns fehlen“, sagte Religionslehrerin Christina von der Schmitt stellvertretend für das Kollegium. Sie sei „Seelsorgerin durch und durch“ gewesen und habe für Kinder und Jugendliche immer ein offenes Ohr gehabt.

Auch die Fürbitten spiegelten die vielen Verbindungen wider, die Astrid Ohla in fast 25 Jahren aufgebaut hatte. Menschen aus ihrem beruflichen und persönlichen Umfeld brachten ihre Gedanken und Wünsche ein, darunter auch Schulleiter Markus Klein. Musikalisch gestalteten Lehrerchor und Schulchor den Gottesdienst. Als Astrid Ohla am Ende aus der Kirche auszog, erhoben sich die Gäste von ihren Plätzen. Standing Ovations und lang anhaltender Applaus begleiteten ihren Abschied.

Vor fast 25 Jahren hatte Astrid Ohla ihren Dienst am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium mit einer klaren Frage begonnen: Wie lässt sich der christliche Glaube so vermitteln, dass er für junge Menschen Bedeutung bekommt? Der Gottesdienst machte deutlich, dass sie darauf für viele Generationen von Schülerinnen und Schülern ihre ganz eigene Antwort gefunden hatte.

Text und Fotos: Katrin Oelbracht