Gottesfans haben es leichter

Auf der Messe „Agilia“ gab es am Pfingstsonntag einen Gottesdienst in der Nordkurve der Schalker Arena

Sichtlich Freude hatte Pfarrer Dieter Heisig dabei, auf einem Motorrad zum Altar gebracht zu werden. FOTO: CORNELIA FISCHER

Sichtlich Freude hatte Pfarrer Dieter Heisig dabei, auf einem Motorrad zum Altar gebracht zu werden. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Industrie- und Sozialpfarrer Dieter Heisig hat schon an den kuriosesten Orten Gottesdienste abgehalten. Auf einer Brücke, in einem Tunnel und sogar in einem Gerichtsgebäude. Am Pfingstsonntag kam ein weiterer außergewöhnlicher Ort hinzu. Vor der Nordkurve der Schalker Arena lud der Präses der Evangelischen Arbeitnehmerbewegung in Nordrhein-Westfalen zusammen mit „Schalke-Pfarrer“ Norbert Filthaus und Kaplan Thomas Köster zum ökumenischen Pfingstgottesdienst ein. Die Arena war Veranstaltungsort der „Agilia“, einer dreitägigen Erlebnismesse für Menschen ab 50 Jahren.

Ein Gottesdienst während einer Messeveranstaltung ist ungewöhnlich. Wenn diese Messe in einem Fußballstadion stattfindet, ist das umso ungewöhnlicher. Am Ungewöhnlichsten war jedoch die Anreise von Pfarrer Heisig und seinen Mitstreitern. Auf Motorrädern fuhren die Geistlichen durch die Arena hin zur Bühne. Als Sozius nahmen sie auf den dicken Maschinen Platz. Die Christlichen Motorradfreunde aus Oberhausen hatten die „Anhalter“ mitgenommen und so für einen spektakulären Einzug gesorgt. Vor der Bühne wurden Heisig, Filthaus und Köster bereits von etwa 300 Gläubigen und neugierigen Messebesuchern erwartet.

„Die Mischung aus konventionellen Gottesdienstelementen und überraschenden Teilen kam gut an“, freute sich Dieter Heisig nach dem gelungenen ökumenischen Gottesdienst. Natürlich stand der Ort des Geschehens während der gesamten Feier im Mittelpunkt. „Hier gibt es Freude, aber auch Trauer“, so Heisig in seiner Begrüßung mit Blick auf die leidgeprüften S04-Fans. „Gottesfans haben es da leichter, denn die haben jedes Jahr, 50 Tage nach Ostern, etwas zu feiern.“ Kaplan Thomas Köster (mit Schalke-Schal) von der Katholischen St. Urbanus-Gemeinde in Gelsenkirchen-Buer erinnerte mit einem Psalm an den Ursprung des Pfingstfestes. Gewöhnungsbedürftig, aber unterhaltsam: Die von Dieter Heisig vorgelesene Bibelgeschichte zum Pfingstfest wurde von Pantomime Adrian Loos gestenreich in einzelnen Szenen dargestellt und untermalt.

Dort wo sonst aus zehntausenden Kehlen die Schalke-Hymnen geschmettert werden, wurde natürlich auch beim Gottesdienst gesungen. Bei „Laudate omnes gentes“ und „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ sang die versammelte Arena-Gemeinde, unterstützt von der Band „Back to Brass“, kräftig mit. Der Frauenchor „Hobby Singers“ aus Oberhausen gestaltete den Gottesdienst ebenfalls mit drei Liedern mit. Ein Heimspiel im besten Sinne feierte Pfarrer Norbert Filthaus, der sonst in der Stadionkapelle der Arena anzutreffen ist. Bereits über 1.000 Kinder wurden auf Schalke getauft. Mit dem in Fan-Kreisen beliebten Lied „Immer auf Schalke“, besser bekannt als Opa Pritschikowski, leitete Filthaus seine Ansprache ein. „Vielleicht haben einige von Ihnen gedacht, dass der Stadion-DJ noch eine alte CD vom letzten Heimspiel in der Anlage vergessen hat“, schmunzelte Pfarrer Filthaus. Die Liederauswahl erfolgte aber mit voller Absicht. Filthaus hob den Geist hervor, von dem der Opa, der selbst am Goldhochzeitstag ins Stadion geht, gar nicht so weit entfernt sei. „Schalke verbindet uns alle“, so Filthaus, der sich seit langer Zeit für die ökumenische Verständigung einsetzt. Filthaus kann als echter Fachmann auf dem Gebiet bezeichnet werden: 1977 war er noch als Priester im Sauerland tätig, wechselte danach die Konfession, um evangelischer Gemeindepfarrer in Gelsenkirchen zu werden.

Auf der Messe, eingerahmt von Angeboten überwiegend für ältere Menschen, warb Dieter Heisig für die Lust und die Begeisterung am Leben. „Der Heilige Geist ist kein generationengebundenes Geschenk an junge Leute.“ Dass sich beim Älterwerden so vieles geändert habe, sei Grund zur Freude. Dabei gehe es aber keineswegs um das Leugnen von Alter, Krankheit oder Tod. „Aber schauen Sie sich doch mal um“, ermunterte Heisig die Besucher zum Blick durch das Stadion, um dann zu fragen: „sehen so etwa alte Menschen aus?“ Mit bunten Servietten, die vorher auf den Plätzen verteilt wurden, sollte das Pfingstfest erfahrbar gemacht werden. Gemeinsam schwenkten die Gottesdienstbesucher die Tücher in der Luft und sorgten so für ein buntes Farbenmeer. „Der heilige Geist ist ein bunter Vogel“, versinnbildlichte Kaplan Köster. Bester Beweis sei der ökumenische Pfingstgottesdienst. Köster: „Menschen, die sich nicht kennen, feiern zusammen.“ Knapp 8.000 Besucher zählten die Veranstalter bei der Premiere der Agilia an drei Messetagen. Etwa 150 Aussteller hatten ihr Angebot unter anderem zu den Themen Gesundheit, Mobilität, Reisen und Ernährung präsentiert. Dazu gab es über 400 Stunden Programm mit Vorträgen, Workshops und Bühnenshows. Im kommenden Jahr soll es eine Neuauflage der Messe geben und der ökumenische Gottesdienst zum festen Bestandteil des Programms werden.

 

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