Gebet, Gesang und fröhliches Gebell. Erster Tiergottesdienst in Gelsenkirchen

GELSENKIRCHEN – Anfragen gab es schon öfter, ob es nicht möglich wäre, den eigenen Hund mit zum Gottesdienst zu bringen. In der Lukas-Kirche in Hassel wurde dies nun möglich. Mensch und Tier wurden zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst eingeladen und viele Zwei- und Vierbeiner, auch aus anderen Gemeinden der Stadt, folgten der Einladung. Und erlebten einen Gottesdienst, in dem es auch um das geliebte Haustier ging.

Pro Hund und Herrchen oder Frauchen gab es im Kirchenraum je einen eigenen Sitzbereich, die klassischen Kirchenbänke hatten hier einmal Pause. Alle Hunde, egal ob groß oder klein, mussten angeleint sein und während des Gottesdienstes auch bleiben. Auch Peter ist mit seinem Hund Spocky gekommen. Ein Gottesdienst nicht nur mit sondern eben auch für die Tiere, das ist schon etwas Besonderes, stellten auch andere Besucher dankbar fest. Und irgendwie schienen es die Tiere an diesem Sonntagnachmittag zu spüren, heute geht es auch um sie. Gottes Segen, den gab es hier für Mensch und Tier gleichermaßen.

Die Bibel auch einmal nach Texten zu erforschen, in denen es nicht um die Menschen, sondern um die Lebewesen an der Seite des Menschen geht. Dazu lud die gerade erst am Morgen in einem Gottesdienst in ihr Amt eingeführte Prädikantin, Sabine Siebold, gemeinsam mit ihrem Mann, Pfarrer Matthias Siebold, die Anwesenden ein. „Wir glauben, dass Gott alle Lebewesen gewollt hat. Seine Liebe zu den Menschen vergleicht Gott mit der Liebe der Henne zu ihren Küken.“

Das Glaubensbekenntnis, das für diesen besonderen Gottesdienst gewählt wurde, schloss ausdrücklich alle Lebewesen mit ein. Die Besucher konnten es von einer Leinwand ablesen und mitsprechen. Darin heißt es:
„Wir glauben an Gott, den Schöpfer,
der Himmel und Erde gemacht hat,
die Weite des Himmels,
die Tiefe des Meeres
und jede Spur, die über die Erde geht.
Wir glauben, dass Gott alle Lebewesen gewollt hat:
die Menschen als sein Ebenbild,
aber auch die großen und die kleinen Tiere,
die fliegen, schwimmen, laufen oder kriechen.
Sie alle sind ein Ausdruck seiner Güte.“

Im bekannten Schlaflied „Weißt du wieviel Sternlein stehen?“ geht die Strophe 2 ausdrücklich auf die Tiere ein. „Weißt du wieviel Mücklein spielen in der heißen Sonnenglut? Wieviel Fischlein auch sich kühlen in der hellen Wasserflut? Gott der Herr rief sie mit Namen, dass sie all ins Leben kamen, dass sie nun so fröhlich sind.“ Die zahlreichen Gottesdienstbesucher und Besucherinnen stimmten kräftig mit ein. Und manche Hunde fingen beinah im Takt an zu bellen. Welch ein Orchester!Hund Spocky versuchte derweil mit leisem Fiepen, eine kleine Hundedame ein paar Stühle weiter auf sich aufmerksam zu machen. Wohlwollendes Schwanzwedeln kam prompt als Antwort. Irgendwie zeigten all die Tiere in diesem Gottesdienst geradezu menschliches Verhalten.

Und dann erhielt jede und jeder zusammen mit dem mitgebrachten Haustier eine persönliche Segnung. Dazu verteilten sich vier Seelsorger im Kirchenschiff, legten Mensch und Tier die segnende Hand aufs Haupt und sprachen beiden Gottes Segen zu. Scheu vor den teils großen Hunden durften die Seelsorger dabei nicht haben. „Die Tiere haben genau gemerkt bei der Segnung, dass es auch um sie geht und dass es ihnen guttut!“ Und auch Spockys Herrchen stellt fest: „Die Segnung habe ich als einen sehr intensiven Moment empfunden.“ „Mir haben die besonderen Bilbelzitate, die sich mit Tieren beschäftigen, sehr gut gefallen“, stellte eine Besucherin fest. Sie hatte gleich drei kleine Hunde an der Leine, „Straßenhunde“, wie sie sagte. Doch dann war die Geduld der Vierbeiner ausgeschöpft, mit fröhlichem Bellkonzert zog es alle hinaus in den lauen Sommerabend.

Hoffentlich gibt es bald eine Wiederholung, war von vielen Besuchern zu hören. Vielleicht gesellen sich dann ja auch noch Katzen und Vögel hinzu.

Text: Frauke Haardt-Radzik
Fotos: Cornelia Fischer