„Wir haben einen Überraschungsgast aus dem Musiktheater im Revier,“ kündigte Fröhling den nächsten Musikpart an. Die Sopranistin Anke Sieloff, Opern-, Musical- und Chansonsängerin, Preisträgerin mehrerer Opern- und Musicalwettbewerbe, war der Einladung zum Mittsommerkonzert in die Apostelkirche gern gefolgt. Gemeinsam mit Sina Jacka und Hermine Beil warteten alle drei Sopranistinnen im Altarraum aufs Publikum und ihren Einsatz.
„Drei Sopranistinnen aus drei Generationen,“ freute sich Andreas Fröhling, der das Mittsommerkonzert musikalisch leitete.
Mit ihrem beeindruckenden, sehr harmonischen Gesang zogen die drei Musikerinnen das zuvor so redselige Publikum sofort in ihren Bann. „Töne, Töne“ aus der Oper Ariadne und Fröhling begleitete die Sängerinnen am Harmonium. „Diese Melodie ist in einem Wiegenlied von Franz Schubert zu finden. Schlafe, schlafe holder Knabe.“ Das trugen sodann die drei Sopranistinnen sehr gefühlvoll vor.
Mittsommerkonzert zum Mitsingen: Immer zur vollen Stunde gab es viele verschiedene musikalische Leckerbissen. So folgte den Sopranistinnen der Madrigalchor der Evangelischen Kirchengemeinde Gelsenkirchen – Nord, der gerade seinen 50. Geburtstag feiert.
Das Publikum saß quasi eingerahmt, inmitten der Chormitglieder und lauschte dem „Come again! Sweet love“ des englischen Lautenisten und Komponisten John Dowland. Ein Lied voller Inbrunst und Liebesschmerz, das Andreas Fröhling Strophe für Strophe für die Besucherinnen und Besucher ins Deutsche übersetzte: „Süße Liebe lädt jetzt ein, Deine Gnaden, die zurückhalten, um mir die gebührende Freude zu bereiten. Zu sehen, zu hören, zum Berühren, zum Küssen, um wieder mit dir zu sterben.“ Sehr gefühlvoll vom Chor mit schönen Stimmen vorgetragen.
Und wieder ein Wechsel, die Trinity Singers der Gemeinde, bestehend aus 13 Sängerinnen unter der Leitung von Ulrich Quass, strömten durchs Kirchenschiff nach vorn und schmetterten ein fröhliches Halleluja.
Hie und da wurde schon ein wenig mitgesungen und gesummt, doch dann kam der volle Einsatz: Andreas Fröhling dirigierte alle Anwesenden und ließ das Publikum „Freude schöner Götterfunken“ schmettern. Und dann ein gewagtes Experiment: Die Hälfte der Anwesende sang, na klar, kennt man hier doch, die ersten beiden Strophen aus dem Steigerlied, die andere Hälfte gleichzeitig „Freude schöner Götterfunken“. Alle endeten tatsächlich auf den Punkt, wie es sich beim Kanon – Singen gehört und die Freude an fröhlicher Musik, am gemeinsamen Singen an so einem schönen Mittsommerabend war in allen Bänken zu spüren.
Und dann war dieser Musikpart des Abends auch schon wieder vorbei. Die Besucher strömten mit Getränk und Häppchen in der Hand nach draußen auf den Kirchplatz und hatten sich wieder eine Menge zu erzählen.
Text: Frauke Haardt-Radzik
Fotos: Cornelia Fischer




