Zentrales Element des Friedensweges war auch in diesem Jahr ein eigens dafür verfasstes Gebet, in dem die Gläubigen der abrahamitischen Religionen gemeinsam um Frieden, Hoffnung und die Kraft zum Brückenbauen bitten. „Lass uns achten, was uns verbindet, hilf uns, Brücken zu bauen“, heißt es darin.
Erste Station des Friedensweges in diesem Jahr war die Neue Synagoge. Dort erhielten die Besucherinnen und Besucher Einblicke in das jüdische Gemeindeleben und besichtigten gemeinsam den Gebetsraum. Stanislav Krasnokutskiy, Vorbeter der Gemeinde, erläuterte religiöse Traditionen und die Bedeutung zentraler Elemente der Synagoge. Dann betete er ein jüdisches Gebet für Frieden und Zusammenhalt, in hebräisch und deutsch. Zum Abschluss kamen alle zu einem gemeinsamen Friedensgebet zusammen.
Anschließend führte der Weg zur Zentralmoschee, wo es erwartungsgemäß etwas dauerte, bis sich die große Gruppe ihrer Schuhe entledigt hatte. Nach der Begrüßung durch Ramazan Karaduman, einen Vertreter des Vorstands, folgte die Rezitation einiger Koranverse, die den gemeinsamen „Vorfahren“ Abraham zum Thema hatte. Die deutsche Übersetzung konnte alle mitlesen. Auch hier wurde das gemeinsame Friedensgebet gesprochen, das die Verbundenheit über Religionsgrenzen hinweg unterstrich.
Zum Abschluss ging es in die katholische Kirche St. Augustinus. Mit Bezug auf das bekannte prophetische Wort vom Umschmieden der Schwerter zu Pflugscharen skizzierte Propst Markus Pottbäcker die Vision eines friedlichen Zusammenlebens in einer vielfältigen Stadtgesellschaft und einer zerrissenen Welt, ein Votum, dem sich auch Bürgermeister Leichtweis mit einem Grußwort anschloss. Mit dem erneut gesprochenen gemeinsamen Gebet endete der Friedensweg. Anschließend gab es Getränke und Sesamkringel und die Einladung zum persönlichen Austausch.
Der Friedensweg der Religionen ist inzwischen zu einer festen Größe im interreligiösen Kalender der Stadt geworden. Angesichts gesellschaftlicher Spannungen und zunehmender Polarisierung sendet er eine klare Botschaft: Unterschiedliche Religionen können nicht nur friedlich nebeneinander leben, sondern sich gemeinsam für eine offene und solidarische Gesellschaft einsetzen. Und nicht zuletzt: gemeinsam beten!
Text: Katrin Oelbracht
Fotos: Cornelia Fischer





