Evangelische Kirche zeigt Präsenz beim CSD – Glitzersegen und klare Worte

Gelsenkirchen - Beim Christopher Street Day (CSD) in Gelsenkirchen am 16. Mai hat die Evangelische Kirche in diesem Jahr ein sichtbares Zeichen gesetzt. Mit einem eigenen Angebot auf dem Straßenfest sowie einem Grußwort von Pfarrer Jan Mark Budde beteiligte sie sich an der Veranstaltung – und positionierte sich deutlich an der Seite der queeren Community.

Pfarrer Jan Mark Budde (l.) und Pfarrer Lukas Werthschulte (2.v.l.) wurden bei der Verteilung des Segens von zwei Theologiestudent:innen aus Bochum unterstützt.

Pfarrer Jan Mark Budde sprach ein Grußwort als queerer Vertreter der Evangelischen Kirche.

Neben Gesprächen und Begegnungen sorgte vor allem ein niedrigschwelliger Segen für Aufmerksamkeit: Besucherinnen und Besucher konnten sich einen sogenannten „Glitzersegen“ abholen. Das Angebot sollte, so die Beteiligten, bewusst einladend wirken und zeigen, dass kirchliche Begleitung auch jenseits klassischer Formen möglich ist. Pfarrer Jan Mark Budde und Pfarrer Lukas Werthschulte wurden bei der Verteilung des Segens von zwei Theologiestudent:innen aus Bochum unterstützt.

Zuvor hatte um 12.30 Uhr ein Demonstrationszug am Margarethe-Zingler-Platz begonnen. Die Route führte über zentrale Straßen der Innenstadt bis zum Heinrich-König-Platz. Im Aufruf der Veranstalter hieß es: „Der CSD ist nicht nur eine Party.“ Verwiesen wurde unter anderem auf die weiterhin schwierige Situation queerer Menschen weltweit und in Deutschland – etwa mit Blick auf Diskriminierung, psychische Belastungen und rechtliche Einschränkungen.

Auf dem Heinrich-König-Platz startete anschließend das Straßenfest mit Musik, Redebeiträgen und Mitmachaktionen.

Klare Selbstkritik und Anspruch an Veränderung

In seinem Grußwort trat Pfarrer Jan Mark Budde als queerer Vertreter der Evangelischen Kirche auf – und schlug dabei einen selbstkritischen Ton an. Kirche sei für viele queere Menschen lange kein sicherer Ort gewesen, sondern mit Ausgrenzung und Verletzungen verbunden. „Diese Geschichte können und dürfen wir nicht beschönigen“, sagte Budde. Es habe Zeiten gegeben, in denen Menschen aufgrund ihrer Identität keinen Platz in kirchlichen Räumen hatten. „Das war Unrecht.“

Zugleich machte Budde deutlich, dass er die Kirche heute in der Verantwortung sieht, sich zu verändern. Grundlage sei die christliche Botschaft, nach der jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen sei und das ohne Einschränkung oder Vorbehalt. Daraus folge, dass weder sexuelle Orientierung noch geschlechtliche Identität ein Makel seien.

Der Anspruch sei klar formuliert: Kirche müsse ein „safe space“ für queere Menschen sein. Es reiche nicht, Offenheit zu betonen, wenn Strukturen Menschen weiterhin ausschließen.
Queere Lebensrealitäten müssten sichtbar und selbstverständlich werden. Budde betonte, dass dies kein Zugeständnis an gesellschaftliche Trends sei, sondern Ausdruck des Evangeliums.


Positionierung in gesellschaftlicher Debatte

Auch politisch wurde das Grußwort deutlich. Angesichts wieder zunehmender Anfeindungen gegen queere Menschen könne es keine Neutralität geben, so Budde. „Wo Menschenwürde verletzt wird, kann es keine Neutralität geben.“ Kirche müsse Stellung beziehen und Verantwortung übernehmen.

Die Teilnahme am CSD sei deshalb ein bewusstes Zeichen: für Solidarität, für Sichtbarkeit und für einen Veränderungsprozess innerhalb der eigenen Institution. Gleichzeitig betonte Budde, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen sei.
Veränderung beginne im Zuhören, im Lernen und im gemeinsamen Handeln.

Zwischen Erinnern und Feiern

Der CSD in Gelsenkirchen fand einen Tag vor dem Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT) statt. Dieser erinnert an den 17. Mai 1990, als die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten strich.
Vor diesem Hintergrund wurde auch in Gelsenkirchen deutlich: Der CSD versteht sich nicht nur als Fest, sondern als politischer Aktionstag. Die Botschaft des Tages fasste Budde am Ende seines Grußworts knapp zusammen: sichtbar bleiben, laut bleiben und solidarisch handeln.