Ob unter einer mächtigen Eiche im Classic Style mit festlichen weißen Stühlen, oder ein paar Schritte weiter an der Boho – Station, ganz lässig mit Korbsesseln und passender Deko, oder doch lieber als Kirchliche Trauung in der Matthäuskirche: Jedes Paar konnte wählen.
So wie Ingeborg und Hubert Flegel. Die beiden sind seit 50 Jahren verheiratet und wollen dieses besondere Jubiläum nun auch besonders begehen. „Wir beide sind eigentlich katholisch, aber wir fühlen uns schon lange ökumenisch,“ stellt die fröhliche Ingeborg klar. Tochter, Enkelkinder und einige gute Freunde sind auch gekommen und haben schon ein schattiges Plätzchen für das Picknick nach der Segnung ausgeguckt.
Und dann wird das goldene Hochzeitspaar von Freunden und Familie, die den beiden auf dem Weg eifrig frische Luft zufächeln, quer über die Wiese feierlich zu ihren Sitzplätzen geleitet. „Can you feel the love tonight“ trägt Musiker Tobias Iwanczik zu Beginn auf der Querflöte vor.
Ja, die Liebe liegt hier überall in der Luft. Und sie ist auch für die Liturginnen und Liturgen, die im Halbstundentakt die Segnungen vornehmen, deutlich zu spüren. So auch für Mirjam Domke, die das goldene Hochzeitspaar nun segnet: „Wir feiern hier heute eure Liebe!“ Und dann verbindet die Pfarrerin mit einem goldgelben Band die Hände des Hochzeitspaares und setzt so „ein deutliches Zeichen der Liebe und der Verbundenheit der Menschen mit Gott und Gott mit den Menschen“.
„Ich war schon etwas aufgeregt“, resümiert Hubert Flegel. Doch dann ist die Segnungsfeier auch schon beendet und ab geht’s zum Picknickplatz auf die Wiese. Für sie und all die anderen Paare und deren Gäste standen Getränke, Waffeln und gefüllte Picknickkörbe bereit.
Insgesamt 29 Paare von jung bis alt ließen sich bei diesem ersten Pop-Up Hochzeitsfestival segnen. Einige brachten Freunde und Familie mit, andere kamen nur zu zweit, wollten ihre Liebe ganz intim feiern und mit dem Segen besiegeln.
So wie Barbara und Martin. Sie kamen mit dem Fahrrad, haben sich einen Brautstrauß direkt vor Ort geliehen. Die hielt der Kirchenkreis bereit, wer wollte, konnte seinen Strauß anschließend aber auch mitnehmen. „Unsere standesamtliche Trauung war schon vor 13 Jahren. Wir haben immer mal über eine kirchliche Trauung nachgedacht. Jetzt entdeckten wir dieses Angebot.“ Den beiden gefiel die Boho – Station besonders gut. Lässig und ganz entspannt. Fotos wollten sie von sich keine machen lassen, es sollte wirklich einfach nur ihr gemeinsamer Tag werden.
Ein anderes Paar hat sich besonders viel Zeit bis zur kirchlichen Segnung gelassen. Er 91, sie 89. An diesem Tag hatten es die beiden dann aber besonders eilig. Sie waren schon gleich zur Eröffnung des Hochzeitsfestivals zur Matthäuskirche gekommen, da war es noch nicht ganz so heiß und schwül.
Jedes Paar brachte seine eigene Geschichte mit, hatte eigene Vorstellungen und Wünsche. So wie Bernd Koß und Sabine Poos. Vor 22 Jahren haben die beiden standesamtlich geheiratet. Die gesamte Familie ist mit der Matthäusgemeinde eng verbunden. Durch eine Anzeige in der Regionalzeitung wurden sie auf dieses Hochzeitsfestival aufmerksam. „Wir wollten das schon früher machen“, sagt Sabine. Aber dann ist ihr Bernd gleich zweimal nacheinander sehr ernst erkrankt. „Und jetzt haben wir uns spontan gesagt, nun wollen wir den kirchlichen Segen!“ Gemeinsam mit Familie und Pfarrer Claus Carstensen ziehen sie in die Matthäuskirche ein, nehmen auf den besonders geschmückten Stühlen fürs Brautpaar Platz. Auch hier beginnt die halbstündige Trauung zunächst mit Musik. Das Paar hat sich für ein Stück von Bach entschieden.
„Herzlich willkommen zu dieser Aktion „einfach heiraten“. Pfarrer Claus Carstensen hält eine kurze Rede, verzichtet auf ein Mikrofon. „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Mit diesem Trauspruch versichert sich das Paar erneut, auch nach 22 Jahren, die gegenseitige Liebe.
Mittlerweile ist die Wärme auch in die Kirche hineingekrochen, die aufgestellten Ventilatoren versuchen vergeblich, Hitze und Schwüle weg zu pusten. Doch schon ist auch diese Trauung zu Ende und es geht für alle hinaus in den Park zu einem Picknick unter einem der großen Bäume.
Ob mit oder ohne vorherige Anmeldung, insgesamt 29 Paare hatten sich auf den Weg zum ersten Pop-Up-Hochzeitsfestival zur Matthäuskirche gemacht, zur Trauung oder um einen Paarsegen zu erhalten.
„Meine Tochter findet diese Aktion so toll, beim nächsten Mal möchte sie sich mit ihrem Freund hier auch segnen lassen.“ Solche Äußerungen kamen an diesem Tag mehrfach. Und auch die Evangelische Kirche Gelsenkirchen und Wattenscheid ist von dieser Premiere so begeistert, dass über eine Neuauflage im nächsten Jahr schon nachgedacht wird.
Text: Frauke Haardt-Radzik
Fotos: Cornelia Fischer




