Ein seltenes Juwel der Kirchenmusik

Die kaum bekannte Markuspassion von Reinhard Keiser bewegte das Publikum in der Altstadtkirche

Das Barockorchester Le Chardon und die Gelsenkirchener Kantorei unter Leitung von Jens-Martin Ludwig gaben ein berührendes Konzert für das Publikum in der gut gefüllten Altstadtkirche. FOTO: M.WIESCHER

Das Barockorchester Le Chardon und die Gelsenkirchener Kantorei unter Leitung von Jens-Martin Ludwig gaben ein berührendes Konzert für das Publikum in der gut gefüllten Altstadtkirche. FOTO: M.WIESCHER

GELSENKIRCHEN – Ein Werk eines kaum bekannten, gleichwohl ungeahnt einflussreichen Komponisten beschloss am Sonntag Konzertserie „Leiden und Leidenschaft“ des Evangelischen Kirchenkreises, wie Kantor Jens-Martin Ludwig erklärte: „Wir begleiten heute den jungen Johann Sebastian Bach auf seiner Reise nach Hamburg. Dort hat er diese Passion gehört.“ Die Markuspassion von Reinhard Keiser, die am Sonntag in der Altstadtkirche erklang, war für Bach ein großes Vorbild für seine eigenen Passions-Kompositionen. Sie enthält bereits viele Besonderheiten, die später für Bachs Werke typisch waren: Zum Beispiel Choräle, in denen der Chor gleichsam im Namen der Gemeinde das Geschehen kommentiert, und die Worte Jesu, die von hohen, „schwebenden“ Streicher-Akkorden wie mit einem Heiligenschein begleitet werden.

„Was hat Bach an diesem Werk so begeistert?“, fragte Ludwig das Publikum, „Diese ‚opernhafte‘ Gestaltung mit verteilten Rollen und mit Arien, die die Handlung einfrieren und Gedanken zum Thema vertiefen? Der Chor als eine wild tobende Menschenmenge, die auf Jesus herumhackt und seine Kreuzigung fordert? Solche Bilder einer wütenden, menschenverachtenden Menge begegnen uns bis heute. Wir müssen uns immer wieder klar machen, dass die Verfolgung Andersgläubiger in unserer Gesellschaft keinen Platz haben darf. Möge dieses Konzert dazu beitragen, dass wir diese biblische Geschichte mit anderen Ohren hören.“

Die Gelsenkirchener Kantorei und die Solisten Nils Giebelhausen (Erzähler), Dirk Schmidt (Jesus), David van Laar (Judas und Hohepriester) und Moritz Belau (Petrus und Pilatus) teilten die gesungene Geschichte unter sich auf. Die überschaubare Besetzung des gerade einmal zehnköpfigen Barockorchester Le Chardon verlieh der Aufführung eine kammermusikalische, geradezu persönliche Atmosphäre. Mit spektakulären, extravaganten musikalischen Inszenierungen dieser Erzählung sparte der Komponist, zugunsten einer schnörkellosen, leicht verständlichen und wirkungsvollen Präsentation des biblischen Textes und der Bedeutung, die sich dahinter verbirgt. Diese gelang allen Beteiligten meisterlich. Besonders fielen die Arien der griechische Sopranistin Fanie Antonelou auf: Teilweise von nur drei Orchesterinstrumenten begleitet, brachte sie inmitten der Leidensgeschichte unerschütterliches Gottvertrauen zum Ausdruck.

Besonders eindrucksvoll und bewegend präsentierten Sänger und Orchester die Todesszene: Nach Jesu letzten Worten folgte eine lange Stille, bevor Countertenor David van Laar mit dem Choral „Wenn ich einmal soll scheiden, so steh, Herr Christ, bei mir“ einsetzte und dabei nur von Jan Grüter an der Laute begleitet wurde.
Im völligen Gegensatz zu Bachs fast vierstündiger Matthäuspassion, die Andreas Fröhling mit mehr als 130 Mitwirkenden eine Woche zuvor in Ückendorf aufgeführt hatte, lebte die Aufführung der Markuspassion von ihrer schnörkellosen Einfachheit und Direktheit, mit der sie das Publikum erreichte und der Konzertserie „Leiden und Leidenschaft“ einen würdigen Abschluss verlieh.

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