Ein schmerzhafter Prozess

Vier evangelische Kitas werden städtisch

In Bulmke, Resse, Rotthausen und Ückendorf muss der Kirchenkreis Kitas an die Stadt abgeben. "Das tut weh", sagte Christiane Wegers.

GELSENKIRCHEN – Vier evangelische Kindertagesstätten gehen zum Kindergartenjahr 2016/17 in die Trägerschaft der Stadt Gelsenkirchen (GeKita) über. Das haben Christiane Wegers, die Geschäftsführerin der Evangelischen Kindergartengemeinschaft, und Superintendent Rüdiger Höcker gestern auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Es handelt sich dabei um folgende Einrichtungen:

Evangelischer Kindergarten Rotthausen, Schonnebecker Straße 21, 45884 GE-Rotthausen: 2 Gruppen, 45 Kinder (2-6 Jahre)

Evangelischer Kindergarten Sonnenschein, Flöz Sonnenschein 60, 45886 GE-Ückendorf: 2 Gruppen, 40 Kinder (2-6 Jahre)

Evangelischer Kindergarten Anderland, Hertastraße 38, 45888 GE-Bulmke: 3 Gruppen, 65 Kinder (2-6 Jahre)

Evangelischer Paulus-Kindergarten, Wortmannshof 6, 45892 GE-Resse: 2 Gruppen, 45 Kinder (2-6 Jahre)

Vor der Presse wurden die betroffenen Leitungen und ihre Teams sowie die Eltern informiert, ebenso wie die Presbyterien der betroffenen Kirchengemeinden.

Zum Hintergrund: Im Rahmen des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) müssen die Kirchen als „reiche“ Träger zwölf Prozent aller anfallenden Kosten selbst tragen. Als „arme“ Träger gelten etwa die Arbeiterwohlfahrt (9 % Eigenanteil) und als „ärmste Träger“ Elterninitiativen (3 % Eigenanteil).

Der Evangelische Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid hat mit der Gründung der Kindergartengemeinschaft 2008 beschlossen, jedes Jahr 10 Prozent seiner Einnahmen für die Finanzierung der Evangelischen Kindergärten bereit zu stellen. Zum Vergleich: 7 % gehen jährlich an das Diakoniewerk, mit 8,5 % kommen alle Kreiskirchlichen Dienste (einschließlich der Familien- und Erwachsenenbildung) gemeinsam aus.

Diese 10 Prozent (derzeit rund 1 Million Euro) reichen nicht aus, um die 12 % Eigenanteil an den Betriebskosten zu finanzieren. Zudem erfüllen viele der derzeit 22 Kindergärten (16 in GE, 6 in WAT) die Vorgaben des KiBiz im Blick auf die zur Verfügung stehenden Räume nicht. Sie müssten um- und ausgebaut werden. Dafür fehlt einerseits Geld, andererseits sind manche Grundstücke auch zu klein.

Bisher gab es wenig Hoffnung, dass sich an diesen Bedingungen etwas ändert. Das Land NRW zögerte bei den notwendigen Nachbesserungen des KiBiz. Auf die Zahlung freiwilliger Mittel konnte und wollte sich die Stadt Gelsenkirchen nicht einlassen. Zum Vergleich: Die Stadt Bochum hat den Trägeranteil der Kirchen auf 8 % reduziert.

Deshalb musste ein Konzept her, das mindestens mittelfristig finanzierbar ist. Hochrechnungen ergaben, dass der Kirchenkreis unter dem derzeitigen KiBiz acht Einrichtungen weiterführen kann. Das Recht auf einen  Kindergartenplatz sorgt dafür, dass kein Kindergarten geschlossen wird.

Nun ist es in Verhandlungen mit der Stadt Gelsenkirchen gelungen, sich für vier Einrichtungen auf einen Betriebsübergang zu GeKita zu einigen. Er wird zum 1. August 2016 vollzogen. Dabei wird sichergestellt, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt. Die Stadt übernimmt die pädagogischen Mitarbeiterinnen mit allen erworbenen Rechten und Pflichten. Für die Kräfte in Reinigung und Gartenarbeit werden Alternativen in anderen Einrichtungen des Kirchenkreises gefunden.

In der Vorbereitung der entsprechenden Beschlüsse hat Christiane Wegers „gute Gespräche mit den Vertretern der Kommune erlebt. Derzeit suchen wir wirklich gemeinsam nach konstruktiven Lösungen. Die Kooperation ist deutlich besser geworden.“

Daher ist man auf Seiten des Kirchenkreises vorsichtig optimistisch. Superintendent Rüdiger Höcker: „Wenn das für 2017 angekündigte neue KiBiz Verbesserungen bei der Abrechnung der Personalkosten bringt und die Stadt uns bis dahin weiter unterstützt, dürfen wir hoffen. Hoffen, dass wir mehr Kitas in Gelsenkirchen erhalten  können, als im Konzept vorgesehen.“

Wegers und Höcker brachten deutlich zur Sprache, wie schmerzhaft dieser Prozess ist, in dem Jahr für Jahr Evangelische Kindergärten abgegeben werden müssen. „Wir haben einfach keinen Spielraum dafür, die Mehrkosten, die KiBiz verursacht, aufzufangen“, sagte Wegers und Höcker ergänzte: „In den letzten zwölf Jahren haben wir die Hälfte unserer Pfarrstellen aufgehoben und viele Kirche und Gemeindehäuser geschlossen.“

Der Evangelische Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid verliert jährlich rund 2.000 bis 2.500 Mitglieder, davon 42 Prozent durch Wegzüge, 42 Prozent durch Sterbefälle und 16 Prozent durch Austritte. Da die Kirchensteuereinnahmen nach den Mitgliederzahlen verteilt werden, erhält er auch bei steigenden Einnahmen immer weniger.

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