Als Opener spielte Fröhling ein ganz kleines, kurzes Stückchen von gerade mal 1 Minute, 10 Sekunden. Komponiert von einem „Anonymus“.
Damit waren die Zuhörenden vorbereitet auf das, was sie nun erwartete: Auch mal was Kleines – aber ganz großartig präsentiert von den beiden Musikern.
Andreas Fröhling, der sich dieses Thema ausgedacht hatte, moderierte den Abend und begann den Reigen mit „Kleines Präludium und Fuge C-Dur“ des großen Johann Sebastian Bach. „Ob die kleinen Präludien wirklich von Bach sind, ist aber nicht ganz sicher.“ Dann nahm er das Publikum mit, bot ein kleines Experiment. Er spielte das gleiche Stück noch einmal, aber in einem viel schnelleren Tempo. Und plötzlich klang es wie neu. „Ganz anderer Charakter, oder? Ist nur viel schwerer zu spielen“, schmunzelte auch Fröhling begeistert.
Überhaupt, der Spaß, die Spielfreude war beiden Musikern an diesem Abend deutlich anzumerken. Und das Publikum war, wie üblich bei den Emporenkonzerten, ganz dicht dabei.
Auf klein folgte groß und das hieß „Concerto C-Dur BWV 594 „Grosso Mogul“. Fröhling ließ mit der Orgel ein ganzes großes Orchester erklingen. Auch das dazugehörende Notenwerk war groß, so umfangreich, dass die einzelnen Blätter plötzlich zu Boden fielen. Eine Besucherin sprang spontan auf und half, den Blättersalat zu entwirren.
Nach den „Petite fleurs musicales“, den drei kleinen Stücken, die Charles Tournemire zu Mariä Himmelfahrt komponierte, machte Fröhling den Platz am Orgeltisch frei für Ingmar Stiller. Dieser antwortete musikalisch auf die kleinen heiteren musikalischen Blumen mit dem großen, getragenen „Lumen Christi“, vom französischen Komponisten Jean Langlais. Der im zweiten Lebensjahr erblindete Langlais komponierte das Stück als Eingangsgesang zu Beginn der Osternachtfeier. Der volle Orgelklang erschallte in der Nicolai – Kirche.
Erneuter Wechsel am Orgeltisch, Andreas Fröhling spielte ein weiteres kleines Präludium und Fuge a-Moll von Johann Sebastian Bach. Dem setzte Ingmar Stiller dann abschließend Bachs großes „Präludium und Fuge a-Moll“ entgegen.
Eine großartige Idee, kleine Werke großer Musiker, aber auch mal von weniger bekannten Komponisten vorzustellen. Das Publikum dankte mit langem Applaus. Und der Orgel hat dieser bunte Strauß aus groß und klein wohl auch gefallen. FHR
Text: Frauke Haardt-Radzik
Fotos: Cornelia Fischer


