Dem Organisten über die Schulter schauen

Kreiskantor Andreas Fröhling rief vor fünf Jahren die Reihe Emporenkonzert15 ins Leben

Fünf Jahre nach der Restaurierung der Sauer-Orgel begrüßte Andreas Fröhling sein Publikum mit der Toccata von Charles-Marie Widor (hier unterstützt durch seine Frau Susanne Reimann, die beim Umblättern der Noten und beim Registrieren half). FOTO: DIRK BÜLTMANN

GELSENKIRCHEN – Emporenkonzert15L – nein, dabei handelt es sich nicht um eine mathematische Formel, sondern um den Titel der 50. Veranstaltung im Rahmen der Reihe Emporenkonzert15. Vor fünf Jahren rief sie der Kreiskantor des Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid, Andreas Fröhling, ins Leben. Das war, nachdem die Orgelbauwerkstatt Philipp Klais die von Wilhelm Sauer 1895 erbaute Orgel in der Nicolai-Kirche in Gelsenkirchen-Ückendorf (1957 Umbau von Willi Peter) im Stil des Erbauers reorganisiert hatte.

Seither finden am 15. jedes Monats – Ausnahmen bestätigen die Regel – auf der Empore der Nicolai-Kirche Konzerte statt, bei denen vorwiegend die Orgel im Mittelpunkt steht. „Die Musik soll in einer lockeren, aber doch konzentrierten Atmosphäre lebendig werden“, erläutert Fröhling. Neben ausführlichen Informationen zu den gespielten Stücken erhalten die Konzertbesucher biographische Details zu den Komponisten. Auch können sie den Musikern am Spieltisch über die Schultern schauen. „Mit dem Publikum umzugehen, sich bekannt zu machen, das gehört bereits für viele Kolleginnen und Kollegen zum Alltag. Die Zeit, wo man sich hinter dem Spieltisch verkriecht, sollte schon lange vorbei sein“, meint Fröhling.

Der Erfolg der Konzertreihe gibt ihm Recht. Mindestens 60 Besucherinnen und Besucher finden pro Veranstaltung den Weg auf die Empore. Sogar aus Bochum und Essen reisen sie an, um ein breites musikalisches Spektrum zu erleben: von Klassik über Avantgarde hin zu Klezmer und Salonmusik. Fröhling: „Die Orgel als Instrument der Romantik kann eben ganz unterschiedliche Stile abbilden.“

Die Auswahl der Stücke orientiert sich beispielsweise am Kirchenjahr oder an bestimmten Themen. Im Sommer wurden schon mal „musikalische Blumen“ überreicht. Manchmal stellt Fröhling auch einfach nur fest: „Im Programm fehlt noch eine Tonart.“ Dann sucht er ein passendes Stück. Zudem erklangen viele Werke von Franz Liszt, denn Liszt entstammt einer Zeit, in der das moderne, orchestrale Klangideal der Orgel, wie es in der Nicolai-Kirche zu hören ist, entstand.

Aber auch andere Instrumente sind auf der Empore vertreten – wenn sie denn nicht vergessen werden. So wie beim 43. Emporenkonzert15, als Andreas Fröhling am Akkordeon den Klarinettisten Marc Rovner begleiten wollte. Der hatte allerdings sein Instrument im Zug liegen gelassen und Fröhling musste kurzerhand den Part Rovners mit übernehmen.

Beim Jubiläumskonzert am Abend des 15. Dezember ging im Übrigen alles glatt. Andreas Fröhling spielte Highlights aus den vergangenen 49 Konzerten, darunter Werke von Charles-Marie Widor, Felix Mendelssohn Bartholdy, Max Reger und Erik Satie. Dabei zog er alle Register der Orgel und seines Könnens. Von zurückhaltend-meditativ bis elegant-virtuos reichte die Spannbreite seines musikalischen Ausdrucks. Die über 100 Besucherinnen und Besucher erlebten einen Kreiskantor, der beim Stück „Rituale für Orgel“ („Da war doch mal so ein schräges Stück. Kannst Du das nicht noch mal spielen?“) von Nicolaus A. Huber den Spieltisch zum Beben brachte. Ein gelegentliches Schmunzeln konnten die Zuhörenden nicht unterdrücken.

Wer dem Organisten über die Schulter schaute, erblickte die zahlreichen Anmerkungen in den Notenblättern. Unter anderem notiert Fröhling da die Orgelregistrierungen. „Die lege ich vor dem Konzert fest, damit sie zum Instrument passen. Für ein einstündiges Konzert investiere ich da in der Regel mehrere Stunden“, bemerkt Fröhling.

Der Abend war ein gelungener Abschluss der ersten Jubelperiode. Das Publikum war sich einig: All das erlebt man im Gottesdienst nicht. Dafür muss man hinauf auf die Empore. DB

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