Botschaft mitten im Alltag

Mit Bibelfliesen durch die Bibel: Ausstellung zeigt fast vergessene Kulturschätze

Botschaft im Alltag: Die über 250 Jahre alte Fliese zeigt Elia unter dem Ginsterbusch mit dem von Gott gesandten Engel. FOTO: NORDER BIBELFLIESENTEAM

Die Ausstellung fasziniert mit ihren rund 100 historischen Bibelfliesen die Besucherinnen und Besucher

Modern interpretiert: Jugendliche haben in der Bibelfliesen-Workshops ihre eignen Bibelfliesen kreiert.

In der Bibelfliesenwerkstatt werden Fliesen selbst gestaltet. Schulreferentin Antje Grüter (links) demonstriert verschiedene Techniken. FOTOS: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Dem aktuellen Themenjahr „Bibel und Bild“ der Reformationsdekade haben das Schulreferat und die Evangelische Apostel-Kirchengemeinde im Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid ein besonderes Projekt gewidmet: „Bibelfliesen – Bilder zur Bibel“. Mit Bildern verzierte, in Braun- oder Blautönen gehaltene Kacheln kennen wir als Teil unserer Wohnkultur. Doch Bilder zu biblischen Themen auf Fliesen im Haushalt? Das klingt zunächst ungewohnt, obwohl es sie im 18. Jahrhundert in „guten Stuben“ wohlhabender niederländischer Bürger gab und im 19. Jahrhundert biblische Motive auf Fliesen weit verbreitet waren.

Volksfrömmigkeit und stiller Protest

Bis zum 31. Mai präsentiert die Ausstellung „Mit Bibelfliesen durch die Bibel“ in der Christuskirche in Gelsenkirchen-Bismarck zahlreiche historische Fliesen, die älteste stammt aus dem Jahr 1670. Zur Verfügung gestellt werden sie von dem Norder Bibelfliesenteam, einer Projektgruppe des ev.-luth. Kirchenkreises Norden, die sich für den Erhalt dieser Kunstschätze einsetzt und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Den Besuchern vermittelt die Ausstellung einen umfassenden Eindruck von der Besonderheit dieses einmaligen Kulturguts aus der friesischen Region. Das Bilderverbot in den Kirchen in calvinistisch geprägten Zeiten trug maßgeblich dazu bei, dass die Menschen sich die Bilder zu biblischen Themen auf Fliesen in ihre Häuser holten. Ein Zeichen der Volksfrömmigkeit und des stillen Protests – Bibelfliesen boten ihnen eine Brücke zu biblischen Geschichten und ihrer Botschaft mitten im Alltag.

Fliesen erzählen biblische Geschichten

Um dies zu veranschaulichen stellte Pfarrer Dieter Eilert im Gottesdienst vor der Ausstellungseröffnung eine Fliese in den Mittelpunkt: Sie entstand um das Jahr 1750 und zeigt auf 13 mal 13 Zentimetern die Geschichte des Propheten Elia aus dem 1. Buch der Könige, 19. Kapitel, Verse 1 bis 9. „Elia ist einer der ganz großen Helden der Bibel, aber diese Fliese erzählt von einer Situation, als er nicht mehr stark war“, erklärte Eilert. Elia legt sich kraftlos unter einen Ginsterbusch und will sterben, doch Gott schickt ihm einen Engel. „Genau diesen Moment zeigt das Bild: vorsichtig rührt der Engel Elia an, reicht ihm Brot und Wasser, sagt zu ihm ‚Steh auf und iss!‘ und ‚Du hast einen weiten Weg vor dir!‘ Damit gibt Gott Elia wieder ein Lebensziel und eine Aufgabe.“ Vorstellbar sei, wie in den vergangenen 250 Jahren diese Fliese von Menschen angeschaut wurde, die ebenfalls kraftlos und ausgebrannt waren. Eilert spannte den Bogen zum Alltag der Menschen, denn diesen zu bestehen, kostet oft viel Energie. Bei der Betrachtung dieser Fliese mögen sich Menschen daran erinnert gefühlt haben, dass Gott Kraft gibt.

Bibelfliesen modern interpretiert

Die Gelegenheit, Fliesen einmal selbst zu gestalten, bot sich Interessierten in der Bibelfliesenwerkstatt. Auch Gelsenkirchener Schülerinnen und Schüler sowie Konfirmanden nahmen an den Workshops des Projekts teil. Der Unterrichtsreihe zu den Bibelfliesen mit einem Ausstellungsbesuch folgte die praktische Umsetzung: Fliesen durften mit bunter Farbe bemalt und mit biblischen Motiven versehen werden. Die Ergebnisse sind ein Teil der Ausstellung und zeigen, wie junge Menschen heute biblische Geschichten interpretieren. Schulreferentin Antje Grüter freute sich über das Interesse an dem Projekt: „Ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich unterschiedliche Ebenen von kirchlicher Arbeit miteinander verbinden können.“ Die Jugendlichen wurden dazu ermutigt, die moderne Bildsprache des 20. Und 21. Jahrhunderts zu verwenden, sogar der japanische Manga-Comicstil wurde aufgegriffen. „Indem sie sich auf diese Weise mit biblischen Themen auch handwerklich auseinandersetzen, konnten sie die Geschichten noch besser verstehen als vorher im Unterricht“, weiß Grüter.

Die Ausstellung „Mit Bibelfliesen durch die Bibel“ wird bis zum 31. Mai 2015 in der Evangelischen Christuskirche, Trinenkamp 46, in 45889 Gelsenkirchen gezeigt. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Freitags von 16 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis  12:30 Uhr und für Gruppen nach Vereinbarung unter der Rufnummer: 0209/3891951.

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