Die Studie ist ein Baustein der umfassenden Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in kirchlichen Einrichtungen. Sie wurde durch die EKvW an Forschende der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) in Münster vergeben, die die Untersuchung nach wissenschaftlichen Standards und unabhängig von kirchlichen Stellen durchführen werden. Die Durchführung der Studie wurde von der Kirchenleitung der EKvW beschlossen, der Abschluss ist für den 31. Juli 2027 geplant.
Betroffene und Zeitzeug*innen sind aufgerufen
Aufgerufen sind insbesondere Menschen, die in den Internaten und Schulheimen lebten oder arbeiteten und dabei selbst sexualisierte Gewalt erfahren oder beobachtet haben oder andere Informationen zu diesen Einrichtungen beitragen können. In den Interviews geht es um das Wissen über die Taten sowie um den persönlichen Umgang mit diesen Erfahrungen.
Auch Menschen aus dem Umfeld, die nicht direkt betroffen sind, sind eingeladen, sich zu melden, wenn sie Hinweise oder Beobachtungen und Erfahrungen teilen möchten. Dabei sind sowohl aktuelle als auch länger zurückliegende Erfahrungen von Interesse.
Vertraulichkeit wird gewährleistet
Jede Kontaktaufnahme sowie die gesamte Kommunikation zwischen Menschen, die sich melden, und den Forschenden wird vollständig vertraulich behandelt. Interviews können persönlich, telefonisch oder per Videogespräch geführt werden. Die Auswertung und spätere Veröffentlichungen erfolgen in anonymisierter Form. Auch die EKvW erhält keinen Einblick in die Inhalte der Gespräche, sondern einen anonymisierten Abschlussbericht.
Alle Informationen zu Kontaktmöglichkeiten, Ansprechpersonen und Studienaufbau sind in dem gemeinsamen Aufruf von EKvW und DHPol zu finden, der dieser Mitteilung anhängt.
Ausgangspunkt und Zielsetzung
Die EKvW hat mit der Evangelischen Kirche im Rheinland bereits im Zuge einer vergleichbaren Studie zusammengearbeitet, weil sich ein Internat in wechselnder Trägerschaft der beiden Landeskirchen befand. Aus diesem Prozess gibt es bereits zahlreiche Erkenntnisse, die den nun in Westfalen begonnen Prozess unterstützen.
Die Beauftragte für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung der EKvW, Dr. Charlotte Nieße, begrüßt, dass die EKvW insbesondere ihre eigenen Einrichtungen in den Blick nimmt. „Die Kirche muss selbst die Initiative ergreifen und sexualisierte Gewalt aktiv aufarbeiten. Diesem notwendigen Perspektivwechsel folgt die Förderung der nun begonnenen Studie. Wir möchten Betroffene und Zeitzeug*innen ermutigen, von ihren Erfahrungen zu berichten.“
Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder ergänzt: „Von dieser Studie versprechen wir uns Erkenntnisse über missbräuchliche Machtstrukturen in kirchlichen Einrichtungen in der Vergangenheit, um daraus für die Gegenwart und die Zukunft zu lernen.“
Die Studie bezieht sich auf die folgenden Einrichtungen:
- Bochum: Ev. Pflegevorschule
- Breckerfeld: St. Jacobus-Realschule
- Bünde: Ev. Pflegevorschule
- Espelkamp: Birger-Forell-Realschule
- Espelkamp: Söderblom-Gymnasium
- Gütersloh: Alumnat (I und II)
- Hagen: Ev. Pflegevorschule („Amalie-Sieveking-Haus“)
- Hagen-Ernst: Oberlin-Institut (Fachschule für Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen)
- Herne: Ev. Pflegevorschule
- Hohenlimburg: Ev. Pflegevorschule („Justus-Winkelmann-Heim“)
- Höxter: Ev. Pflegevorschule
- Lippstadt/Stift Cappel: Landheim für Mädchen des Ev. Gymnasiums
- Lübbecke: Ev. Pflegevorschule
- Meinerzhagen: Ev. Landesschule zur Pforte
Möglicherweise gab es im Gebiet der EKvW weitere Internate und schulische (Wohn-)Heime in kirchlicher Trägerschaft, die hier nicht aufgeführt sind. Auch Menschen, die in solchen Einrichtungen gewohnt oder gearbeitet haben, sind herzlich eingeladen, sich zu melden.
EKvW Medieninfo Nr. 13/2026 | Donnerstag, 16. April 2026
