80 Jahre "Trinity Brass" - Interview mit Leiter Hans-Günter Nowotka

Gelsenkirchen - Mit einem Jubiläumskonzert Anfang Oktober hat der Bläser- und Posaunenchor der Evangelischen Dreifaltigkeitskirche Erle „Trinity Brass“ einen besonderen Meilenstein gefeiert. Chorleiter Hans-Günter Nowotka begleitet die Musikerinnen und Musiker seit vielen Jahren. Im Interview spricht er über die Anfänge des Chores vor 80 Jahren, seinen persönlichen Bezug zum Chor und die Entwicklung heutzutage.

Hans-Günter Nowotka, Leiter des Bläser- und Posaunenchors der Evangelischen Dreifaltigkeitskirche Erle, Trinity Brass.

Sieben Bergleute, allesamt auf Zeche Graf Bismarck tätig, gründeten am 6. Januar 1946 den Posaunenchor Erle. Was und wo spielte dieser Chor denn damals vor 80 Jahren?

Nowotka: Er spielte an der damals einzigen Evangelischen Kirche Erle. Die Kirche wurde im 2. Weltkrieg beschädigt, die Orgel war nicht bespielbar. Da übernahm der Posaunenchor die kirchenmusikalische Begleitung. Es waren viele Menschen aus Ostpreußen nach Erle gekommen, für sie war eine Aufbahrung ihrer Verstorbenen in ihren privaten Häusern üblich. Der Bestattungszug ging dann an der Cranger Straße entlang hin zum Friedhof, und der Posaunenchor zog dabei immer vorneweg.
 

Auf den ersten Chorleiter, Gottlieb Golberg, folgte schon bald Ihr Großvater, Emil Nowotka. Von 1949 bis 1981 leitete er den Evangelischen Bläser- und Posaunenchor Gelsenkirchen-Erle. Wie hat er den Chor geprägt und verändert?

Nowotka: Als mein Großvater den Chor übernahm, wurde morgens im Michaelshaus bei Gottesdiensten gespielt, solange die Kirche noch kaputt war. Er hatte große Musikkenntnisse und erweiterte das Repertoire von reiner Choralmusik in den 60er Jahren auch hin zu Promenadenmusik. Und er hat sich sehr um Nachwuchsmusiker bemüht. Da gewannen die Nachwuchsspieler regelmäßig Preise bei „Jugend musiziert“.
 

Nach dem Tod Ihres Großvaters, trat Ihr Vater, Günter Nowotka, in seine Fußstapfen und leitete den Chor von 1981 bis Sie dann in dritter Generation den Bläser- und Posaunenchor Gelsenkirchen – Erle 1998 übernahmen. Wie alt waren Sie, als Sie mit dem Musizieren begannen?

Nowotka: Ich war sechs Jahre alt, mein erstes Instrument war die Blockflöte. Dann kamen noch viele weitere Instrumente hinzu. Irgendwann spielte ich auch im Posaunenchor unter der Leitung meines Großvaters mit. Und mit 11 Jahren gewann ich mit der Posaunenchorgruppe den 2. Preis bei „Jugend musiziert“.
 

Eine durch und durch musikalische Familie! Nun leiten Sie den Chor seit nunmehr 28 Jahren und Sie haben ihn in Ihrer Zeit auch etwas verändert.

Nowotka: Als ich den Chor übernahm, waren es 18 Mitglieder, jetzt sind wir 23. Wir wollten das alte Repertoire behalten, also weiter Choräle spielen, aber auch jüngere Mitspieler für das Orchester gewinnen. Und so wurde die Instrumentalbesetzung behutsam, Schritt für Schritt, zur klassischen Brass Band englischen Stils verändert. So kam etwa verschiedenes Schlagwerk hinzu, drei Kesselpauken, eine große Trommel, ein Gong, ein Glockenspiel, ein Xylophon, ein Vibraphon. Und als Blechblasinstrument kam das Kornett hinzu.
 

2006, anlässlich eines Konzerts, wurde dann der Name in „Trinity Brass“ verändert.

Nowotka: Ja, genau. Zur neuen Bezeichnung kommt aber stets, quasi als Untertitel, die ursprüngliche Bezeichnung hinzu. Denn das Orchester war und ist der Kirche und besonders der Gemeinde verbunden. Der jetzige Name leitet sich ab von der Dreifaltigkeitskirche in Gelsenkirchen – Erle.
 

Als Brass Band werden nun neben weiterhin klassischen Chorälen, Gospel, Pop, Balladen, Filmmusik, Klassik und Jazz gespielt. Und das zieht offenbar jüngere Mitspieler und auch weibliche Musikerinnen an.

Nowotka: Ja, wir haben zurzeit fünf Frauen bei Trinity Brass dabei. Und durch Zusammenarbeit mit einigen Gymnasien sind vier junge Mitspieler in unserem Chor dabei. Beim jüngsten Auftritt, zum 80. Geburtstag des Chores, haben sie das gesamte Konzert mitgespielt.
 

Vielleicht wird es ja in der Zukunft dann auch mal eine Chorleiterin geben. Wer weiß. Zurzeit sind Sie dabei, schon die nächsten Konzerte zu planen.

Nowotka: Ja, Anfang Dezember werden wir wieder unsere Weihnachtsmusik spielen. Das Konzert ist immer sehr begehrt und der Lieblingstitel unserer Zuhörer, Jingle Bell Rock, darf natürlich am 2. Advent nicht fehlen. Und ich hoffe sehr, dass es Trinity Brass auch nach der Fusion Anfang 27 in Zukunft weiterhin geben wird.

 

Das Interview führte Frauke Haardt-Radzik

Foto: Cornelia Fischer