150 gute Gründe

Die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen musste in diesem Jahr 268 Absagen verschicken

Harald Lehmann freut sich mit seinem Kollegium auf die 150 Kinder, die im September hier einziehen werden. Bis zur Jahrgangsstufe 9 bleiben diese Klassenhäuser dann ihr Zuhause in der Schule. FOTO: CORNELIA FISCHER

Harald Lehmann freut sich mit seinem Kollegium auf die 150 Kinder, die im September hier einziehen werden. Bis zur Jahrgangsstufe 9 bleiben diese Klassenhäuser dann ihr Zuhause in der Schule. FOTO: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – „Das müssen Sie mir erklären“, ruft eine Mutter am Telefon aufgeregt. Solche Anrufe erhält Harald Lehmann, der Leiter der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen (EGG), jedes Jahr im Februar. Enttäuschte Eltern wollen wissen, warum ihr Kind nicht angenommen wurde. Viele sind davon überzeugt, dass ihr Kind nur an dieser Schule glücklich werden kann. „Sie haben von anderen Eltern erfahren, dass ihre Kinder bei uns wirklich gerne zur Schule gehen.“ Natürlich freut sich Lehmann, dass die Schule einen ausgezeichneten Ruf genießt. Doch so bitter eine Absage für viele Eltern ist – einen stichhaltigen Grund dafür kann er ihnen nicht nennen. „Wir haben gute Gründe für unsere Zusagen“, so Lehmann. „Aber die Absagen ergeben sich daraus, dass wir nun einmal nicht alle 418 Bewerbungen annehmen können.“ Lediglich 150 Plätze stehen zur Verfügung. Da ist es unvermeidbar, dass es Enttäuschungen gibt, Tränen manchmal sogar, und Vorwürfe.

Der Schulleiter und sein Team haben es sich nicht leicht gemacht mit der Entscheidung, wer im September 2011 die fünf Klassenhäuser in der Häuserreihe 2 beziehen darf. Mit allen 418 Kindern (in Begleitung der Eltern) haben sie Gespräche geführt. Dabei fragen sie auch nach dem unbeliebtesten Fach. „Wenn das Kind dann ausgerechnet ‚Religion‘ sagt, dann zucken manche Eltern richtig zusammen“, berichtete Lehmann. „Aber das ist bei uns als Schule in kirchlicher Trägerschaft ganz bestimmt kein Kriterium, um Schüler auszusortieren. Es ist eher ein Ansporn, richtig guten Religionsunterricht zu machen.“

Innerhalb einer Woche müssen alle Gespräche geführt werden. Danach haben der Schulleiter und Abteilungsleiter Rolf-Olaf Geisler einen Samstag Zeit für ihre Entscheidungen. Denn zum Beginn der nächsten Woche müssen die Zu- und Absagen zugestellt sein. Für Lehmann und Geisler war dieser Arbeits-Samstag am 19. Februar um 17 Uhr noch lange nicht zu Ende. Zunächst suchten sie rund 80 zukünftige Schülerinnen und Schüler aus. Erst jetzt wurde gezählt: Sind es Jungen oder Mädchen, kommen sie aus dem Stadtteil oder dem Stadtbezirk, welche Schulempfehlung haben sie?

Danach kamen die übrigen 338 Anmeldungen wieder auf den Tisch. „Im Grunde füllen wir dann auf, um den Jahrgang ausgewogen zu gestalten“, sagte Lehmann. Es sollen gleich viele Mädchen und Jungen sein. Über 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler kommen aus dem Stadtbezirk. „Das ist nach einem Bericht der Stadt im Vergleich zu allen weiterführenden Schulen in Gelsenkirchen der höchste Anteil“, so Lehmann. „Darauf sind wir stolz.“ Auch die Empfehlung der Grundschule für die Form der weiterführenden Schule spielt eine Rolle. „Rund 40 Kinder haben eine reine Gymnasialempfehlung, rund 25 eine reine Hauptschulempfehlung. Alle anderen liegen dazwischen.“

Trotz aller Bemühungen – am Ende mussten 268 Absagen verschickt werden. „Alles richtig machen – das geht bei solchen Zahlen nicht“, bedauerte Lehmann und zeigte großes Verständnis für die manchmal heftigen Reaktionen der Betroffenen. Jede Absage fällt ihm schwer. „Die Schülerzahlen in Gelsenkirchen gehen zurück, und trotzdem steigen unsere Anmeldungen.“ 2010 waren es „nur“ 370 Bewerbungen. Fast befürchtet der Schulleiter „dass es irgendwann heißt ‚sich bei der EGG anzumelden, hat sowieso keinen Zweck‘.“

Dabei ist die Ausgewogenheit der Jahrgänge eines der Geheimnisse des Erfolges der Evangelischen Gesamtschule. „Bis auf wenige Ausnahmen geht kein Kind bei uns ohne Abschluss weg.“ Sehr wichtig ist Eltern und Schülern die angenehme Atmosphäre der Schule. Dabei spielt bis heute die außerordentliche Architektur eine große Rolle. Die Jungen und Mädchen fühlen sich hier zu Hause. Schulleiter Lehmann: „Vandalismus gibt es bei uns fast gar nicht. Wenn einmal etwas zu Bruch geht, dann sagt der Urheber oder die Urheberin meistens auch gleich Bescheid: ‚Mir ist da was passiert...“.

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