1. Mai in Gelsenkirchen: Glaube, Arbeit und Solidarität im Mittelpunkt

Gelsenkirchen - Der Margarethe Zingler Platz füllte sich langsam, als am 1. Mai die interreligiöse Andacht begann. Noch bevor der Demonstrationszug zum Tag der Arbeit Richtung Stadtgarten aufbrach, setzten Verteter*innen verschiedener Religionen gemeinsam ein sichtbares Zeichen – für Zusammenhalt, für Gerechtigkeit und für die Würde von Arbeit. Die interreligiöse Andacht ist inzwischen ein fester Bestandteil des 1. Mai in Gelsenkirchen.

Musikalisch begleitet wurde die Andacht von „Two Light … Blue“.

Nach der Andacht setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung.

Ein gemeinsames Zeichen: (v.l.) Slava Pasku, Stanislav Krasnokutskiy, Klaus Wehrhöfer, Pfarrerin Antje Röckemann und Imam Adnan Yildiz.

Die Andacht, zu der der Deutsche Gewerkschaftsbund eingeladen hatte, verband auch in diesem Jahr wieder jüdische, christliche und muslimische Stimmen. Schon zu Beginn wurde deutlich: Es geht nicht nur um Glauben im engeren Sinne, sondern um ganz konkrete Fragen der Gegenwart: um faire Arbeitsbedingungen, Sicherheit und gesellschaftliche Verantwortung.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Klaus Wehrhöfer stellvertretend für die katholische Kirche. Er hob die Bedeutung des gemeinsamen Auftretens hervor und betonte, wie wichtig es sei, in einer vielfältigen Gesellschaft Brücken zu bauen und einander zuzuhören.

Für die jüdische Gemeinde Gelsenkirchen sprachen die Vorsitzende Slava Pasku und Kantor Stanislav Krasnokutskiy. Während Fr. Pasku die Verantwortung des Menschen für eine gerechte Welt in den Mittelpunkt stellte, schuf Hr. Krasnokutskiy mit einem Gebet und einer Tora‑Rezitation einen ruhigen, eindringlichen Moment.

Die anschließende Koranrezitation von Imam Adnan Yildiz von der Hicret‑Moschee in Hassel wurde von Serdar Yilmaz vom Kreis Gelsenkirchener Muslime begleitet. Er machte deutlich, dass Arbeit untrennbar mit Würde und Anerkennung verbunden ist: „Gott bietet Gerechtigkeit und verbietet Unterdrückung. Das ist kein fernes Ideal sondern eine klare Haltung. Damit wird klar: Gerechtigkeit ist kein Randthema des Glaubens“, so Serdar Yilmaz.

Für die evangelische Kirche sprach Pfarrerin Antje Röckemann, die den Bogen von biblischen Erzählungen aus dem Matthäusevangelium zur heutigen Arbeitswelt schlug. Sie erinnerte daran, dass Ungleichheit und Unsicherheit keine hinzunehmenden Zustände seien. Ihre klare Forderung lautete: Eine gerechte Gesellschaft müsse den Menschen in den Mittelpunkt stellen – nicht den Profit.

Musikalisch begleitet wurde die Andacht von „Two Light … Blue“, deren ruhige Klänge die Beiträge miteinander verbanden.

Was die Andacht prägte, war weniger die einzelne Stimme als das Zusammenspiel. Unterschiedliche religiöse Perspektiven griffen ineinander und machten deutlich, wie viel sie verbindet: die Überzeugung, dass Arbeit mehr ist als ein wirtschaftlicher Faktor, nämlich Grundlage für ein Leben in Würde. „Erst die Menschen, dann der Profit!“ zog sich als gemeinsame Haltung durch alle Beiträge.

Mit diesem gemeinsamen Impuls endete die Andacht. Kurz darauf setzte sich der Demonstrationszug am Margarethe‑Zingler‑Platz in Bewegung und zog durch die Stadt in Richtung Stadtgarten, wo die zentrale Kundgebung stattfand.

Die Botschaft des Vormittags blieb dabei klar: Eine gerechte Arbeitswelt braucht Zusammenhalt – und Menschen, die sich dafür einsetzen.

KO
Fotos: Cornelia Fischer