Zum Schluss in die Schule

Pfarrer Michael Blätgen startet in den Ruhestand

1991 fand der Evangelische Kirchentag im Ruhrgebiet statt, belegt das Plakat. Eine Station dabei war auch Gelsenkirchen, die Stadt, in der Pfarrer Michael Blätgen bis zu seinem Ruhestand einiges bewegt hat. FOTO: FRAUKE HAARDT-RADZIK

1991 fand der Evangelische Kirchentag im Ruhrgebiet statt, belegt das Plakat. Eine Station dabei war auch Gelsenkirchen, die Stadt, in der Pfarrer Michael Blätgen bis zu seinem Ruhestand einiges bewegt hat. FOTO: FRAUKE HAARDT-RADZIK

GELSENKIRCHEN – „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1. Korintherbrief 3, 11) So lautet der Konfirmationsspruch von Michael Blätgen. Dieser Vers begleitete den heute 63-Jährigen in seinem Berufsleben, hat ihn offenbar auch immer wieder angespornt.

Seine erste Station als Pfarrer war die Kirchengemeinde Buer-Beckhausen (heute Epiphanias). Danach übernahm er die (einzige) Pfarrstelle der Kirchengemeinde Resser Mark (heute Christus). „Diese Gemeinde hat viel Neues mit mir zusammen gemacht. Gemeinsam mit der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum haben wir eine Aktivierende Gemeindebefragung entwickelt. Die Frage lautete dabei nicht, was können andere für Euch tun, sondern: Was könnt Ihr für alle, insbesondere für Euren Stadtteil tun? Die Resser Mark ist so ein kleiner Stadtteil, da sind dann viele kleine Aktivitäten entstanden.“


Ökumene ganz praktisch

2001 hätte das Gotteshaus der Gemeinde, die Johanneskirche, aufwendig saniert werden müssen. Es war durch Langzeit-Bergbauschäden in Schieflage geraten. Doch der kleinen Gemeinde fehlte das Geld. Was ließ sich in dieser misslichen Lage tun? Pfarrer Blätgen ging auf den katholischen Kollegen zu und ein Jahr später entstand etwas völlig Neues. Aus der katholischen Kirche St. Ida wurde das ökumenische Zentrum St. Ida und die evangelische Gemeinde Resser Mark zog in Kirche und Gemeindehaus als gleichwertiger Partner ein. „Es war eine anstrengende Zeit, aber die Menschen haben schnell gemerkt, das geht! Die Gemeindeglieder beider Seiten haben das gut angenommen. Schließlich kannte man sich ja auch schon von vielen alltäglichen Begegnungen im Stadtteil.“


Wie die Notfallseelsorge entstand

Und dann kam irgendwann ein amerikanischer Kollege in die Gemeinde und fragte Pfarrer Blätgen, ob er Kontakt zur Feuerwehr hätte. Blätgen nahm die Anregung auf und ging 1994 zur Feuerwache in der Resser Mark. „Ich habe gefragt, ob sie seelsorgliche Begleitung haben wollen. Zunächst waren sie zögerlich, es war noch eine ungewohnte Idee.“ Doch schnell entstand Vertrauen, Blätgen fuhr zu Einsätzen mit raus, erhielt Einblicke in die oft sehr belastenden Situationen, denen die Feuerwehrleute ausgesetzt waren und sprach mit ihnen darüber.

Daraus entwickelte sich bald mehr. „Immer mal wieder nach schwierigen Einsätzen wurde ich gefragt, ob ich mich nicht auch um die Opfer kümmern könnte.“ Er konnte und wurde der erste und gleich fünf Jahre lang der einzige Notfallseelsorger Gelsenkirchens. „Als Pfarrer habe ich gelernt, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Entscheidend sind für mich die Angehörigen.“ Um die hat er sich gekümmert, ihnen hat er zugehört. „Ich habe das als Teil meines Dienstes als Pfarrer verstanden.“


Religion erfahrbar machen

2006 war die Gemeinde Resser Mark zu klein geworden für eine ganze Pfarrstelle. Der damals 50-Jährige entschied sich dafür, nach 21 Jahren als Gemeindepfarrer noch einmal völlig neu durchzustarten und wurde Schulpfarrer am Berufskolleg Königstraße. „Es gibt dort eine große Bandbreite an Schülerinnen und Schülern.“ Das Berufskolleg setzt einen Schwerpunkt bei der Integration und hat viele Internationale Förderklassen. „Religion gehört nicht zu den Fächern, für die sich die Schüler von vornherein begeistern. Also war mir klar, der Unterricht muss sich ganz viel mit dem Leben der SchülerInnen beschäftigen.“ Nicht stur Fakten auswendig lernen, sondern mit der eigenen Lebenserfahrung und mit viel Nachdenken Themen neu erarbeiten, so hat er seinen Unterricht gestaltet.


Gespannt auf neue Erfahrungen

Eine offizielle Abschiedsfeier wurde coronabedingt gestrichen. Dabei hätte sich Michael Blätgen sehr gern bei vielen Weggefährten noch einmal bedankt. Und Pläne für die Zukunft? „Ich bin ein neugieriger Mensch“, lächelt er als Antwort und hat schon einige Ideen ins Auge gefasst. Und er will reisen, mit Ehefrau Katharina, erst einmal zu sämtlichen Freilichtmuseen, die Nordrhein-Westfalen zu bieten hat.

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