Thank you for the Music: 23 Jahre Emporenkonzerte in der Nicolai - Kirche

Gelsenkirchen - Kürzlich wurde das 175. Emporenkonzert gefeiert. Seit 23 Jahren gibt es diese beliebte Konzertreihe in der Nicolai-Kirche in Ückendorf. Beinah an jedem 15. eines Monats heißt es für Musiker und Publikum: hinauf zur Orgelempore! Der Eintritt ist frei, im Anschluss gibt es stets ein fröhliches Come Together im Kirchenfoyer. Eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Kreiskantor Andreas Fröhling hat sie ins Leben gerufen, wollte damit Orgelkonzerte attraktiver gestalten.

Kreiskantor und Organist Andreas Fröhling sitzt inmitten des Publikums und der Gastmusiker.

Andreas Fröhling gibt stets interessante Erläuterungen zu Musik und Komponisten der Emporenkonzerte.

Fröhling: Meist sitzen die Menschen ja unten in den Kirchenbänken und haben die Orgel im Rücken. Ich wollte, dass die Musik hautnah erlebt werden kann und dachte daran, das Publikum direkt hinter den Spieltisch der Orgel und drumherum auf der Empore zu platzieren. Da sagte dann „Kalle“ Gaub, ein inzwischen verstorbenes Gemeindemitglied: „Nenn‘ das dann doch einfach ‚Emporenkonzerte‘“. Und so entstand der Titel.

Das künstlerische Programm erstellen, andere Musiker dazu einladen, Plakate entwerfen, die Pressearbeit, und die regelmäßige Mitarbeit bei den Konzerten in der Kirche, all das kann ja nicht eine Person alleine stemmen..

Fröhling: Plakate und Pressearbeit sind inzwischen zur Routine geworden, da sich die Reihe in den Köpfen etabliert hat. Für die Programme bin ich verantwortlich, wobei sich mit befreundeten Musiker:innen immer wieder neue Ideen ergeben. Ganz besonders ist allerdings, dass es dankenswerterweise in jedem Konzert ein Helferteam aus der Gemeinde gibt, welches sich um das Drumherum, vor allem den Empfang nach jedem Konzert, kümmert.

Orgel plus weitere Instrumente und als weiteres Plus gibt’s stets interessante Erläuterungen dazu. Mit der Musik und der besonderen Art der Konzertgestaltung wurde beim Publikum offenbar genau der richtige Nerv getroffen.

Fröhling: Zu Beginn spielte ich moderierte reine Orgelkonzerte mit Stücken aus allen Stilepochen, die ich dem Publikum nahebringen wollte. Zu jedem Stück gab es eine kleine „Geschichte“ als Einführung. Später kamen dann einzelne Instrumentalist:innen hinzu, die solistisch im Wechsel mit Orgelstücken oder von mir begleitet musizierten. Ziel ist bis heute immer die Nähe zum Publikum.

Als Zuhörende wird man so quasi mit ins Boot geholt. Man fühlt sich, als ob man das eigentlich doch auch könnte, die Orgel oder eines der anderen Instrumente zu spielen. Gerade für Kinder und Jugendliche ist das eine große Bereicherung. Gab und gibt es auch für sie spezielle Angebote?

Fröhling: Ja, genau dies war die Ursprungsidee der Konzertreihe; und durchaus gab es auch spezielle Familienkonzerte im Laufe der Jahre. Orgelbearbeitungen von „Peter und der Wolf“ oder speziell komponierte „Orgelmärchen“ gehörten dazu. Aber auch die traditionellen Programme sollen ja neugierig machen, auch wenn sie nicht direkt auf diese Zielgruppe zugeschnitten sind. Und nach den Konzerten besteht eigentlich immer die Möglichkeit, auch mal in die Orgel hineinzuschauen oder sich an den Spieltisch der Orgel zu setzen.

Die Emporenkonzerte griffen auch immer mal wieder aktuelle Themen auf, die die Menschen im Alltag beschäftigten.

Fröhling: Da fallen mir gleich mehrere ein: unter dem Titel „Gottverlassen“ gab es einen konzertanten Abend, der sich musikalischen und literarischen Reflexionen zum Ausbruch des 1. Weltkriegs widmete. Ein anderes Konzert mit der Überschrift „Klagen“ beschäftigte sich in der Bußzeit mit dem Thema „Tod“ durch die Aufführung der Kindertotenlieder von Gustav Mahler; und der Thematik „Bitte um Frieden“, die besonders in den heutigen unruhigen Zeiten wieder aktuell geworden ist, wurde ebenfalls ein Konzert gewidmet.

Sprechen wir über Geld. Wie werden die Musikerinnen und Musiker entlohnt? Ist das angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen auch weiterhin gesichert?

Fröhling: Bei großen Besetzungen sind wir natürlich auf Fördermittel angewiesen. Aber ansonsten trägt sich die Reihe insgesamt auf Spendenbasis selbst. Dies hat bislang gut funktioniert, und ich bin zuversichtlich, dass dies auch in Zukunft funktionieren wird.

Mit Abbas „Thank You for the Music“ begeisterten kürzlich beim 175. Emporenkonzert die Bläser von Back To Brass das Publikum. Worauf können sich die Musikfreunde in diesem Jahr denn noch so freuen?

Fröhling: Das nächste Konzert am 15. Februar 2026 wird Lautenmusik aus England zum 450. Todestag von John Dowland zum Klingen bringen, es folgt im März ein Orgelkonzert mit dem Ulmer Stadtorganisten Philipp Kaufmann, im April spiele ich gemeinsam mit zwei Bundespreisträgern des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ ein Konzertprogramm „Bach und Familie“.

Das Interview führte Frauke Haardt-Radzik.

Text: Frauke Haardt-Radzik

Fotos: Cornelia Fischer