„In der U-Haft habe ich beten gelernt“, erklärt die junge Frau, und Gott habe sie erhört. „In der JVA habe ich dann meinen Glauben intensiviert. Ich lese die Bibel und glaube auch daran. Zum Beispiel wie Jesus Blinde sehend gemacht und Kranke geheilt hat.“
Das Interesse von Frau F. am christlichen Glauben und an religiösen Fragen besteht bereits seit ihrer Kindheit: „Als kleines Mädchen habe ich eine Bilderbibel gehabt, aus der mir meine Mutter abends vorgelesen hat.“ Auch die Teilnahme am Religionsunterricht war für sie selbstverständlich. „In der vierten Klasse habe ich sogar ein Referat über Martin Luther gehalten; der war krass“, erinnert sie sich lachend.
Warum sie sich ausgerechnet für eine Taufe im Knast entschieden hat? „Meine Mutter hat immer gesagt, ich solle selbst entscheiden, ob und wann ich mich taufen lasse“, sagt sie und betont: Jetzt sei eben der richtige Zeitpunkt für ihre Taufe, und entscheidend sei die Erkenntnis: „Mit Gott kann ich offen reden; Er verzeiht mir meine Fehler und Sünden.“
Intensiv hat sie sich daraufhin mit einem passenden Taufspruch auseinandergesetzt. „Denn Er hat Seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen!“ Ihre Wahl fiel sofort auf Psalm 91,11, denn dieser Bibelvers sei wie geschaffen für sie. „Ich habe schwierige Zeiten hinter mir“, erinnert sie sich. „Das habe ich nur geschafft, weil ein Engel mich davor beschützte, ins Verderben zu gehen. Psalm 91,11 ist tief in meinem Herzen!“
Neben dem Taufspruch hat Frau F. auch zwei Frauen als Patinnen gewählt, die ebenfalls in der JVA inhaftiert sind. Die beiden haben den Gottesdienst mitgestaltet und unter anderem den biblischen Taufbefehl gelesen, die Taufkerze angezündet und den Täufling gesegnet. Dieses Patenamt zu übernehmen, ist für beide Frauen Freude und Verantwortung zugleich.
„Als ich gefragt wurde, ob ich die Patenschaft übernehmen könnte, habe ich sofort `Ja´ gesagt. Schließlich bin ich auch getauft und habe schon ein Patenkind“, erklärt die erste Patin und ergänzt:„Ich freue mich, dass wir hier drinnen taufen können. Ich mache das nicht, weil ich muss“, beteuert sie. „Ich mache das allein aus dem Herzen!“
Auch für die zweite Patin ist dieses Amt etwas Besonderes. „Mir ist es wichtig, mein `Patenkind´ zu begleiten auf dem richtigen Weg zu Gott“, erklärt sie. Früher habe sie sich nicht mit Gott und Glauben beschäftigt. „Aber dann habe ich durch die Inhaftierung zum Glauben gefunden. Und seit dem weiß ich, dass Gott mich auf all meinen Wegen begleitet und beschützt – in guten wie in schlechten Momenten.“ sue
Foto: JVA Gelsenkirchen

