Die Bleckkirche - Kirche der Kulturen

Aus einem konfessionellen Konflikt ist sie entstanden. Durchlebte marode und prosperierende Zeiten. War ein Zentrum der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte um heute einer der lebendigsten und multikulturellsten Ort der Stadt zu sein.

Die Bleckkirche – Kirche der Kulturen ist Gelsenkirchens ältestes, nach dem 2. Weltkrieg erhaltenes Kirchengebäude. 1735 erbaut und in den folgenden eineinhalb Jahrhunderten im Laufe des Zuzugs in die entstehende Montanregion Ruhrgebiet mehrfach erweitert, erhielt sie 1889 ihre endgültige Gestalt.

Als besonderes kunst- und kirchenhistorisches Kleinod beherbergt die ‚Capelle am Blecke‘, wie sie ursprünglich hieß, einen Renaissance-Altar aus dem Jahr 1574. Er wurde von einem der ersten lutherischen Adligen der Region, Heinrich von Knipping und seiner Frau Isabella von Nesselrode gestiftet und diente in der Kapelle des Schlosses Grimberg, dem Anwesen der von Knippings, als Gottesdienstaltar und als Grabmal, unter dem die Stifter beigesetzt wurden. Nach Fertigstellung der Bleckkirche wurde er von der Evangelischen Gemeinde in diese überführt.

Mit dem „Grimberger Altar“, der in seinem Altarbild ein sog. „Westfälisches Abendmahl" zeigt, wurde erstmalig ein Prinzipal in Westfalen geschaffen, das die Grundlegungen des Glauben und der Kirchenlehre des Protestantismus explizit aufgreift und umsetzt.  Er ist damit anerkanntermaßen einzigartig in seiner Form und Entstehung in der ganzen Evangelischen Kirche von Westfalen und von daher ein besonders zu würdigendes Abbild protestantischer Religions- und Kulturgeschichte der Ruhr-Region.

In den Jahren 1992 bis 1996 wurde die Bleckkirche innen wie außen aufwendig restauriert und darf sich heute sicher als eine der schönsten historischen Kirchen Gelsenkirchens bezeichnen.


Liebe, Lust & Leidenschaft im Horizont der Bibel

Seit ihrer Renovierung dient die Bleckkirche dem Evangelischen Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid vor allem als ein Ort der Verbindung von zeitgenössischer Kultur und protestantischem Glauben. Damit wurde sie zu einem Ort der Begegnung von Menschen, die an dieser Verbindung interessiert sind; ohne Blick auf Konfession, Kirchenmitgliedschaft oder Religionszugehörigkeit.

Im Juni 1996 wurde die Bleckkirche mit einem Festgottesdienst der Öffentlichkeit nach zweijähriger Restaurierungsphase wieder übergeben. Im September startete die erste Veranstaltungsreihe in Gelsenkirchens erster Stadt- und Kulturkirche. Ein multimediales Projekt aus Kunst, Musik, Theater und Gottesdiensten widmetet sich dem Thema "Liebe, Lust & Leidenschaft im Horizont der Bibel".

Der Titel des Projekts sollte zum Motto für nunmehr fast 20 Jahre kultureller und soziokultureller Angebote an der Bleckkirche werden. Mittlerweile ist die älteste Kirche Gelsenkirchens als Schnittstelle zwischen zeitgenössischer Kultur und Glaube, Gesellschaft und Religiosität aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken.

Einen ihrer Höhepunkte fand die Bleckkirche im Kulturhauptstadtjahr 2010, als sie mit dem interreligiösen Projekt "Synagoge-Kirche-Moschee. Dialog der Erscheinungen" um Verständigung der drei abrahamitischen Religionen warb und damit zum offiziellen Projekt der Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010 wurde.

Über 800 Veranstaltungen fanden aus den Bereichen Musik, Theater, Kunst, Tanz, Literatur und Film sowie Gottesdienste und Diskussionsrunden in diesen 20 Jahren statt. Rund 6.000 Künstler und Kulturschaffende aller Art gestalteten das Programm und weit über 60.000 Gäste konnten diese vielfältigen Angebote als Interessenten begrüßen. Zählt man die Passantenbesuche zu den Öffnungszeiten und die Beteiligten der zahlreichen Taufen und Trauungen noch hinzu, haben an die 170.000 Menschen die Bleckkirche in der Zeit nach ihrer Restaurierung besucht.
 

Zugang zur eigenen Identität und Spiritualität

Hinter dieser nüchternen Statistik allerdings steht der eigentliche Gewinn des Projekts, der sich durch die vielen fruchtbaren Begegnungen und das kreative Miteinander in diesen Jahren auszeichnete, um die Kultur als „Spielraum der Freiheit“, wie sie der bekannte Theologe Dietrich Bonhoeffer einmal bezeichnete, zu öffnen und zu fördern. Darin sieht die evangelische Kirche in Gelsenkirchen ihren Auftrag und Beitrag zur Gestaltung des kulturellen Lebens in ihrer Stadt.

Kirchen sind „Räume der Begegnung“, wie die Evangelische Kirche in Deutschland auch ihre Denkschrift zum Verhältnis von Religion und Kultur in evangelischer Perspektive aus dem Jahre 2002 betitelte. Und sie stellt in dieser Verhältnisbestimmung zwei entscheidende Grunddeterminanten kirchlicher Kulturarbeit heraus: Zum einen: Kultur gibt es nur in Kulturen. Darum öffnen wir uns der Begegnung mit den Zeiterscheinungen von Pluralität und Diversität in unserer Gesellschaft und begleiten und fördern das Miteinander von Kulturen als Partnerin in einem Dialog auf Augenhöhe.

Zum anderen: Kirchen sind öffentliche Räume, sie gehören nicht nur dem festen Kern einer Gemeinde der Gläubigen. Sie wollen beheimaten, auch jene, die am Rande unserer Kirche stehen, die Zweifler, die Unentschlossenen, die Suchenden, die religiösen und kulturellen Grenzgänger. Nur als öffentlicher Raum, allen zugänglich und zugehörig erweisen sich unsere Kirchen als wahre Orte des Zugangs zur eigenen Identität und Spiritualität.


Zuwendung und Hilfe erwünscht

Und gerade in den Fragen nach dieser Identität und Spiritualität, nach Vergewisserung und Orientierung, nach tragfähiger Gemeinschaft und solidarischem Miteinander begegnen sich die Botschaft des Evangeliums und das Bemühen von Kunst und Kultur auf besondere Weise. Beide, Kirche und Kunst, bieten die Möglichkeit, aus unterschiedlicher Perspektive Antworten auf die Fragen des Menschseins miteinander ins Gespräch zu bringen.

Unter diesem Horizont entfaltet sich die Kulturarbeit der evangelischen Kirche und mir bleibt zu hoffen, dass auch unter den schwierigen finanziellen Bedingungen, die wir als Kirche zur Zeit zu durchleben haben, mit der fortlaufenden Unterstützung, Zuwendung und Hilfe unserer über die Jahre verbundenen Partnerinnen und Partner die Bleckkirche – Kirche der Kulturen in Gelsenkirchen der lebendige und kraftvolle Ort bleibt, als der er sich in den letzten 20 Jahren entfalten durfte, ... und das bezeichnender Weise an einer Stelle, die als eine der Keimzellen des Protestantismus in der Ruhrregion angesehen werden muss. Thomas Schöps

Vorlaufender Text basiert auf dem Artikel des Autors „Die Kirche der Kulturen - ein lebendiger und kraftvoller Ort“ erschienen in „Orte der Reformation - Region Ruhr“, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 2016, S. 92-93. ISBN 978-3-374-04263-0

Kontakt

Bleckkirche – Kirche der Kulturen
im Evangelischen Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid

Pfarrer Thomas Schöps, Beauftragter für Kunst & Kultur
Pastoratstraße 10, 45879 Gelsenkirchen

T: +49 (0)209 59 59 84
M: +49 (0)171 341 35 25
F: +49 (0)209 17 98 550
E-Mail: mail@bleckkirche.info

Eigene Homepage: www.bleckkirche.info

 

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