Woher will Jesus das wissen?

Zum Gemeindefest in der Pauluskirche gab es (k)eine Festpredigt vom Superintendenten

Superintendent Heiner Montanus inmitten der bunten Luftballons: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ ist das Motto der benachbarten Landeskirche zum Reformationsjubiläum. Es stammt aus einer Psalmübertragung des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch.

Superintendent Heiner Montanus inmitten der bunten Luftballons: „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ ist das Motto der benachbarten Landeskirche zum Reformationsjubiläum. Es stammt aus einer Psalmübertragung des rheinischen Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch (1925-2005).

Auch eines der jüngsten Gemeindemitglieder beteiligte sich an der Festpredigt. PHOTOS: CORNELIA FISCHER

Auch eines der jüngsten Gemeindemitglieder beteiligte sich an der Festpredigt. PHOTOS: CORNELIA FISCHER

GELSENKIRCHEN – Mit einer Prise rheinischen Frohsinns hat der Pfarrbezirk Bulmke (Apostel-Kirchengemeinde Gelsenkirchen) sein Gemeindefest am 16. und 17. September gefeiert. „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ stand auf vielen bunten Luftballons in der Pauluskirche. Das ist das Motto der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) für das Reformationsjubiläum. Die Bulmker haben diesen Anlass verbunden mit einem besonderen lokalen Jubiläum: Vor 60 Jahren (1957) konnte die Pauluskirche nach der Zerstörung durch Brandbomben im September 1944 wieder eingeweiht werden.


Endlich mal wieder knuddeln

Im Festgottesdienst am Sonntagmorgen sollte Superintendent Heiner Montanus die Predigt halten. Statt auf die Kanzel zu gehen, lud er die Gemeinde ein, sich mit ihm auf eine Zeitreise zu begeben: 2000 Jahre zurück, mitten hinein in eine biblische Geschichte. Jesus ist berühmt, ein Prominenter, zu Gast in einem Haus, alle drängen sich um ihn herum. Draußen stehen seine Mutter Maria und seine Brüder. „Sie sind Maria, seine Mutter. Sie haben Ihren Sohn schon lange nicht mehr gesehen, er ist ja ständig unterwegs. Was denken, was fühlen Sie? Was möchten Sie ihm gerne sagen?“ Mit dem Mikrofon in der Hand ging Montanus in der Gemeinde herum und sammelte die Reaktionen ein. „Hast Du auch genug zu essen?“ – „Ich habe Dich so lange nicht gesehen, ich möchte Dich endlich mal wieder knuddeln.“ – „Weißt Du eigentlich, was hier in der Zwischenzeit los war?“ Die Stimmen aus der Gemeinde ließen den biblischen Text (Matthäus 12, 46-50) lebendig werden und seine Dynamik entfalten.

Vers für Vers nahm der Superintendent die Gemeinde mit in die Geschichte – und die Gemeinde gab den handelnden Personen ihre Stimme. Zum Schluss sagt Jesus: „Wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.“ In der Rolle von Hanna, einer der Jüngerinnen, meldete sich auch eines der jüngsten Gemeindemitglieder zu Wort: „Das fühlt sich komisch an – komisch schön und komisch unangenehm. Woher will Jesus wissen, dass Gott mein Vater ist?“


Erklärter Liebling: ‚Stern, auf den ich schaue’

Bibliolog heißt diese Form der Auseinandersetzung mit biblischen Texten. Montanus sagte dazu: „Wir haben das gemacht, was eine wesentliche Erkenntnis der Reformation ist: Jede und jeder kann die Bibel lesen, verstehen und auslegen. Sie haben sich heute gegenseitig den Text gepredigt.“

„Vergnügt, erlöst, befreit“ war auch die Klangfarbe des Festgottesdienstes. „Eine Idee der Reformation war es, die Gemeinde am Gottesdienst zu beteiligen“, sagte Pfarrer Henning Disselhoff. Am besten geht das im gemeinsamen Singen, und so wurden viele Elemente des Gottesdienstes gesungen, auch Psalm und Glaubensbekenntnis in zeitgenössischer Sprache und Melodien mit vergnügter Begleitung am Klavinova.

Am Samstag zuvor gab es von 14.30 Uhr bis in den Abend hinein viel zu erleben in der Pauluskirche: Kaffee und Kuchen, das Singen von Lieblingsliedern aus dem Gesangbuch (Hit Nr. 1: Stern, auf den ich schaue), ein Film zur Geschichte der Kirche und die Eröffnung einer Fotoausstellung zum Wiederaufbau, eine Gedenkandacht und einen Dämmerschoppen. Ursprünglich sollte einiges im Freien stattfinden. „Wir haben aber doch alles in die Kirche verlegt, weil wir dem Wetter nicht getraut haben“, berichtete Presbyterin Ute Wanders. „Und es war ein schöner Tag mit vielen Besuchern.“

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