Wir sind tief erschrocken

Der Kreissynodalvorstand schreibt an die Jüdische Gemeinde Gelsenkirchen

Am Donnerstag, 10. Oktober, hat der Kreissynodalvorstand seine Sitzung unterbrochen, um an der Mahnwache vor der Neuen Synagoge teilzunehmen. Anschließend hat das Leitungsgremium des Evangelischen Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid einen offenen Brief an die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde geschrieben. Er ist hier im Wortlaut dokumentiert.

Sehr geehrte Mitglieder der Jüdischen Gemeinde!

Gestern haben wir die Nachrichten vom Anschlag auf die Synagoge in Halle und auf die Mitglieder der dortigen Gemeinde verfolgt.
Was für eine schreckliche Tat! Was für ein dramatisches Zeichen für das Erstarken rechtsradikalen und antisemitischen Denkens in unserer Gesellschaft! Eines Denkens, das sich in Worten ausdrückt und im Handeln zeigt.

Wir sind tief erschrocken.
Und wir können uns wahrscheinlich nicht bis in die Tiefe hinein vorstellen, welche Angst solch eine Tat in jüdischen Gemeinden und bei Jüdinnen und Juden auslöst.

In Gedanken sind wir bei den Angehörigen der Opfer, bei den Gemeindegliedern in Halle und bei Ihnen in Gelsenkirchen.

Noch am Dienstag hatten wir in einer Leitungsrunde über das Erstarken von Antisemitismus und Rechtsradikalismus gesprochen und überlegt, wie wir dem begegnen und Zeichen der Solidarität mit jüdischen Mitbürger*innen und Gemeinden in unserer Stadt setzen können.

Dabei hatten wir auch das Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" im Jahr 2021 im Blick. Wir hatten verabredet, bei Ihrer Gemeinde und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit anzufragen, ob wir miteinander das Jubiläum in unserer Stadt feiern.

Gestern ist nun noch einmal deutlicher geworden, wie groß und elementar und grundlegend die Bedrohung ist.

Wir wissen uns mit Ihnen tief verbunden.
Wir wollen unseren Worten Taten folgen lassen.
Und wir fragen an: Welche Zeichen der Verbundenheit und der Solidarität sind Ihnen jetzt wichtig? Was können wir tun? Was sollen wir aus Ihrer Sicht tun?

Ihre Gemeinde hat Jom Kippur gefeiert. Versöhnungsfest.
Sie haben die Versöhnung gefeiert, die das Leben fördert und die Grundlage für neue Anfänge schafft.
Eine Versöhnung, von der die Welt getragen wird.
Und die zugleich ein deutliches Nein umschließt zu allem, was lebensfeindlich ist.

Das zu feiern, ist eine Herausforderung.
Eine Herausforderung, die im Glauben getragen ist.

Zum Zeichen unserer tiefen Verbundenheit mit Ihnen haben wir, das Leitungsgremium des Kirchenkreises, heute Abend unsere Sitzung unterbrochen und nehmen an der Mahnwache vor der Synagoge teil.

Denn heute Abend an Ihrer Seite vor der Synagoge zu stehen und nicht zeitgleich in einem Konferenzraum zu tagen, ist Ausdruck dessen, wie wir Leitung wahrnehmen. Und es gehört zu dem, was wir aus unserem Glauben heraus als Auftrag für uns verstehen.

Es grüßt Sie der Kreissynodalvorstand

Gelsenkirchen, den 10.10.2019

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